Bitcoin-Energieverbrauch:So viel Strom wie Schweden

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Bitcoin-Energieverbrauch: Ein Bitcoin-Rechenzentrum im kanadischen Québec. Bei Anwohnern sind diese Zentren unbeliebt, denn sie verbrauchen viel Strom und erzeugen Lärm.

Ein Bitcoin-Rechenzentrum im kanadischen Québec. Bei Anwohnern sind diese Zentren unbeliebt, denn sie verbrauchen viel Strom und erzeugen Lärm.

(Foto: LARS HAGBERG/AFP)

Greenpeace und ein Krypto-Milliardär starten eine Kampagne, um den Stromverbrauch von Bitcoin zu senken.

Die Führung des elektronischen Kassenbuchs der relevantesten Kryptowährung Bitcoin braucht inzwischen so viel Strom wie ganz Schweden. Um die aus diesem Energiehunger resultierenden Umweltbelastungen zu senken, drängen Greenpeace und andere Gruppen von Klimaaktivisten bei der größten Kryptowährung nun darauf, die Algorithmen zu ändern. Die Kampagne mit dem Titel "Change the Code, Not the Climate" will mit Zeitungsanzeigen das Bewusstsein für die Schattenseiten der Technologie schärfen. Zudem wendet sie sich direkt an Firmen und andere Akteure, die in dem Sektor aktiv sind. Sollte sich an den Mechanismen des Minings nichts ändern, könnte der Bitcoin-Stromverbrauch in fünf Jahren das Niveau von Japan erreichen, erklärte Krypto-Milliardär Chris Larsen, der die Kampagne unterstützt.

Ethereum, die Nummer zwei unter den Digitalwährungen, bereitet bereits eine große Software-Neuausrichtung vor, die die Algorithmen umweltfreundlicher machen wird. Mit dem neuen sogenannten Proof-of-Stake-Verfahren soll der Energieverbrauch um 99 Prozent gesenkt und ein Großteil der bisher genutzten Serverkapazitäten unnötig werden. "Jetzt, wo sich Ethereum bewegt, ist Bitcoin wirklich der Außenseiter", sagt Larsen. "Einige der neueren Protokolle für Währungen - Solana, Cardano - setzen auf Niedrigenergie."

Larsen, Mitbegründer der Kryptowährung Ripple, hat nach eigenen Angaben 4,6 Millionen Euro in die Kampagne gesteckt - auch weil er der Meinung ist, dass Bitcoin die Unterstützung der Investoren verlieren wird, wenn sich der Strombedarf nicht verringert. Vergangenes Jahr hat China das Bitcoin-Schürfen, bei dem neue digitale "Münzen" erzeugt werden, verboten. Daraufhin erlebte die Branche in den USA einen Aufschwung. Mancherorts führte dies zu Anwohnerprotesten, da die Rechenzentren nicht nur viel Strom verbrauchen, sondern auch durch Interferenzen Lärm produzieren.

Teslas kann man momentan nicht mit Bitcoin bezahlen - aus Klimaschutzgründen

Kampagnenchef Michael Brune will Größen der Finanzbranche davon überzeugen, beim Umbau von Bitcoin mitzuhelfen. Er richtet sich dabei unter anderem an die Bank Goldman Sachs, die Fondsriesen Black Rock und Fidelity sowie den Zahlungsdienstleister Paypal. "Wir sind in dieser Kampagne auf der Langstrecke unterwegs", sagt Brune. "Unsere Hoffnung ist aber, dass wir auf der Führungsebene Verständnis dafür wecken, dass das Problem angegangen werden muss. Schließlich wird Bitcoin inzwischen von Unternehmen und Einzelpersonen finanziert, die sich ums Klima sorgen."

Elon Musk erklärte vergangenes Jahr, sein Unternehmen Tesla werde Bitcoin erst dann wieder als Zahlungsmittel akzeptieren, wenn mindestens die Hälfte des Schürfens auf erneuerbarer Energie beruhe. Die Klimaschutz-Kampagne geht davon aus, dass rund 50 große Bitcoin-Miner, Kryptobörsen und Entwickler zustimmen müssten, um den der Währung zugrunde liegenden Code zu ändern.

Skeptiker halten das für illusorisch. Einer grundlegenden Veränderung gibt etwa Bitcoin-Analyst Chris Bendiksen von Coin Shares eine Chance von "null Prozent". Er sagt: "Die Bitcoiner haben keine Lust, die Sicherheit des Protokolls durch einen solchen Schritt zu zerstören."

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