Einigung im Kita-Streit Ein Glück für alle Seiten

Gewerkschafter und Arbeitgeber haben sich im Streit um die Bezahlung der Kita-Mitarbeiter auf einen Kompromiss verständigt. Das hilft vielen.

Von Ulrike Heidenreich

Kinder, Eltern, Erzieherinnen und Sozialarbeiter - alle Seiten profitieren davon, dass die Verhandlungspartner der Gewerkschaften und der kommunalen Arbeitgeber den Einigungskurs eingeschlagen haben.

Neue Streiks sind abgewendet. Nun muss man hoffen, dass die Gewerkschaftsbasis diesmal zustimmt - der gute Wille scheint da.

Ein Abbruch der Verhandlungen ohne ein Ergebnis, irgendeine Richtlinie, wäre niemandem mehr vermittelbar gewesen. Denn die Situation jetzt, im Herbst, ist eine andere, als sie es noch im Frühjahr war. In den vergangenen Monaten sind die Nerven aller extrem strapaziert worden. Die vier langen Wochen Streik im Mai hatten Familien an den Rand ihrer Organisationskraft gebracht. Danach folgten unsichere Wochen, in denen niemand abschätzen konnte, wie die Basis der Gewerkschaften den Schlichterspruch abschätzen würde und wie es dann in der Praxis weitergehen soll.

Positive Auswirkungen

Dass Eltern diesmal besonders nervös auf die Verhandlungen gesehen haben, hat nämlich sehr praktische Gründe. Da sind Väter und Mütter, die ihren Jahresurlaub großteils schon aufgebraucht haben und nicht mehr so flexibel auf die Schließung der Kindertagesstätte ihrer Kinder reagieren können. Das Verständnis bei den Eltern war aufgebraucht. Die Androhung von Verdi, einen möglichen Streik eskalieren zu lassen, tat ein Übriges: Wenn auch die Bildung von Notgruppen in Krippen und Kindergärten boykottiert worden wäre, wäre für Berufstätige der letzte Rettungsanker verloren gegangen.

Das Einlenken im Kita-Konflikt hat auch in anderen Bereichen der Gesellschaft positive Auswirkungen. In den Sommermonaten sind Hundertausende schutzbedürftige Menschen zu uns geflüchtet, darunter viele Kinder. Sie sind nach ihren Erlebnissen im Krieg und auf der Flucht oft schwer traumatisiert, viele kommen alleine in das fremde Land Deutschland. Das Bundesfamilienministerium hält Zehntausende zusätzliche Kita-Plätze für diese Flüchtlingskinder für nötig.

Die Prognose: Mit 68 000 Kita-Kindern sei zu rechnen, wenn man aktuelle Betreuungsquoten von Kindern mit ausländischen Wurzeln auf die Prognose von 800 000 Flüchtlingen hochrechne. Diese Menschen benötigen Zuwendung, selten waren qualifizierte und motivierte Sozialarbeiter und Erzieherinnen nötiger. Es ist eine Erleichterung, zu wissen, dass diese sich nun wieder um Menschen kümmern können - und nicht um die Streik-Organisation in ihrer Kindertagesstätte, im Jugendtreff, in der Behindertenstation oder in der Seniorenbetreuung.

Angesichts dieser Zahlen rechnet es sich von alleine, dass viel, viel mehr Erzieherinnen und Kinderpfleger in Zukunft notwendig werden. Der Notstand an qualifiziertem Personal ist jetzt schon riesig - und Berufsanfänger in dieser Branche gewinnt man nur, wenn die Bezahlung und die Wertschätzung stimmen. Damit ist am Mittwoch in Hannover ein Anfang gemacht worden.

Kleine Anmerkung zum Schluss: Während des Streiks im Mai wurden viele Eltern nachdenklich, wie sie denn ihren Kindern erklären sollten, dass die Krippe heute geschlossen bleibt. Wo ist da die Vorbildfunktion? Wenn man sich streitet, kommt man einfach nicht und ist beleidigt? Anstatt einen Konflikt mit Verständnis und guten Gesprächen zu klären? Das lernen die Kinder ja schon im Kita-Stuhlkreis. Der große Stuhlkreis in Hannover hat funktioniert.

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