E-Books im Aufschwung Ist der Preis für E-Books zu hoch?

Ein häufiger Kritikpunkt an E-Books: Der Preis sei zu hoch. Aus Sicht des Kunden kostet das gekaufte Exemplar den Verlag praktisch keine Material- oder Vertriebskosten. Wegen des Kopierschutzes kann es weder kopiert noch verliehen werden - ein Nachteil für den Konsumenten. Und schon für das Lesegerät hat der Kunde viel Geld ausgegeben.

E-Books sind laut Uni Hamburg etwa zehn Prozent billiger als das entsprechende Taschenbuch. Bei Hardcovern liegt die Differenz bei etwa 20 Prozent. Der Analyse des Börsenvereins zufolge kostete ein E-Book 2011 im Schnitt 8,07 Euro.

Auch für elektronische Bücher gilt die Buchpreisbindung, der Börsenverein hat sie zum "verlagstypischen Produkt" erklärt. 18 Monate lang muss der vom Verlag festgelegte Preis stehen. Die Preisbindung hindert finanzstarke Konzerne wie Amazon daran, andere Buchhändler zu unterbieten und so vom Markt zu drängen, um sich noch mehr Marktanteile zu sichern.

Wird das am Markt funktionieren? Prostka, einer der Autoren der Hamburger Studie, hat seine Zweifel. Ihn erinnert die nicht gerade kundenfreundliche Politik mit hartem Kopierschutz und relativ hohen Preisen an die Reaktion der großen Musik-Label auf die Digitalisierung, die in den vergangenen Jahren deutlich an Umsatz verloren haben: "Ähnliche Fehler werden wieder gemacht."

Auch Schriftsteller machen sich Gedanken. Autorin Juli Zeh klagte erst vergangene Woche in der Zeit, E-Books seien zu teuer. So erziehe man die Leser zum Klauen. "Sie sind nicht bereit, für ein E-Book mehr als 20 Euro auszugeben, also machen sie Raubkopien." Die kriminelle Energie entstehe erst durch das Gefühl, abgezockt zu werden.

Amazon hat dafür schon eine Strategie parat. Die Lesegeräte werden zu dumpingähnlichen Preisen angeboten. Der Konzern drückt das Lesegerät Kindle und das Tablet Kindle Fire billig in den Markt, um Apples iPad und andere Geräte auszustechen - das Fire angeblich unter Produktionspreis. So will Amazon die Menschen an sich binden, um dann E-Books zu verkaufen.

Diese Subventionen kosten. Im ersten Quartal stieg der Umsatz von Amazon zwar deutlich, aber der Gewinn schrumpfte um ein Drittel. Das Unternehmen macht kein Geheimnis daraus, dass es demnächst auch mal Verlust machen könnte. Alles für die Expansion - das ist das Motto des Firmenchefs Bezos.

Schon macht sich der nächste große Spieler auf, den Buchmarkt anzugreifen. Microsoft kooperiert mit der US-Buchhandelskette Barnes & Noble. Obwohl die Kette unter der Branchenkrise leidet, hat sie es geschafft, ihr Lesegerät Nook neben dem Kindle und Apples iPad zu etablieren. Microsoft will den Nook als Sprungbrett für den Markt nutzen.

Amazon bleibt die treibende Kraft dieses Wandels, der Konzern ist das Symbol für die Krise der Buchbranche. Dabei werden aus Sicht des amerikanischen Unternehmens gedruckte Bücher schon wieder zweitrangig. Amazon macht jetzt schon deutlich mehr Umsatz mit dem Versand von Produkten, die nicht zur Sparte Medien gehören, die also keine Bücher, E-Books oder CDs und DVDs sind. Das wird sich noch verstärken, dieser Bereich wächst doppelt so stark. Im bayerischen Versandzentrum in Graben baut Amazon derzeit neue Regale. Hier sollen bald Kühlschränke gelagert werden.