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Die neue Boeing 747:Viele offene Baustellen

Auch die neue 747 ist für Boeing viel teurer geworden als erhofft. Während der Entwicklung gab es technische Probleme, der Zeitplan wurde nicht eingehalten. Während Boeing wegen der hohen Stückzahlen aber hoffen kann, irgendwann an der 787 zu verdienen, ist dies bei der 747 keinesfalls sicher. Um die Legende am Leben zu erhalten, muss Boeing noch lange draufzahlen.

Boeing 747-8 Freighter Plane Makes First Test Flight

Boeings größter Jumbo-Jet, die 747-8, sorgte bei ihrem ersten Flug für ordentlich Rauch. Der Test verlief dennoch erfolgreich.

(Foto: AFP)

Dabei kann sich der Konzern Zusatzkosten überhaupt nicht leisten. Denn das Unternehmen muss in den kommenden Jahren große Summen investieren, um die Produktpalette technisch auf einem aktuellen Stand zu halten. Anders als der europäische Konkurrent Airbus scheint Boeing sich dagegen zu entscheiden, die aktuelle Kurz- und Mittelstreckenserie (737) mit neuen sparsameren Triebwerken auszustatten.

Stattdessen will Boeing lieber noch einige Jahre warten und gegen 2020 ein komplett neu entwickeltes Flugzeug anbieten. Bei dieser Strategie besteht die Gefahr, dass Airbus und neue Konkurrenten wie Bombardier und Comac (China) in der Zwischenzeit deutlich Marktanteile zu gewinnen.

Doch die 737 ist nicht das einzige Programm, das einer Modernisierung bedarf. Schlüsselkunden wie Emirates aus Dubai etwa drängen Boeing, auch den Langstrecken- Bestseller 777 gut 15 Jahre nach der Markteinführung zu verbessern. Und auch mit der 787 wird Boeing viel zu tun haben: Der Konzern muss die Produktion möglichst schnell hochfahren, um endlich Umsatz zu machen. Zudem arbeiten die Ingenieure an vergrößerten Varianten, bei denen Boeing hoffen muss, dass sie nicht erneut für eine Pannenserie sorgen werden.

Ein einfaches Entwicklungsprogramm wird zur Milliardenbürde

Unter diesen Vorzeichen hätte es dem Unternehmen gut getan, wenn wenigstens die neue 747 einigermaßen glatt gelaufen wäre. Doch was sich als vergleichsweise einfaches Entwicklungsprogramm anließ, wurde zur Milliarden-Bürde.

Zwischenzeitlich kursierten in der Branche gar Gerüchte, Boeing werde womöglich die Notbremse ziehen und den Bau der 747 nach mehr als 40 Jahren ganz aufgeben. Dies wussten Joe Sutter und seine internen Mitstreiter zu verhindern - auch wenn das ein paar lange Reisen von Hawaii nach Seattle bedeutete.

© SZ vom 12.02.2011/weis

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