DGB-Studie zum Ausbildungsmarkt:In anspruchsvollen Berufen reiche ein Hauptschulabschluss nicht mehr

Es stellt sich aber die Frage, wie die Auswahlpraxis der Betriebe mit der schwindenden Zahl der Hauptschüler zusammenhängt. Erstens gibt es infolge des Geburtenrückgangs weniger Schulabgänger. Zweitens tun viele Eltern alles, um zu verhindern, dass ihre Kinder in der Hauptschule enden. Drittens gibt es das, was manche den "Akademisierungswahn" nennen: Immer mehr junge Leute wollen Abitur machen und studieren. "Jugendliche in Deutschland streben nach höheren Bildungsabschlüssen", sagt Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK).

Er weist darauf hin, dass die Anzahl der Hauptschüler in den vergangenen zehn Jahren um 35 Prozent zurückgegangen ist und nur noch 17 Prozent aller Schüler eines Jahrgangs die Schule mit einem Hauptschulabschluss verlassen. Deren Ausbildungschancen aber seien hervorragend und "werden immer besser". Mittlerweile könnten 75 Prozent von ihnen eine Ausbildung beginnen. In anspruchsvollen Ausbildungsberufen reiche ein Hauptschulabschluss jedoch leider nicht aus.

Bildungsforscher sehen dies nicht ganz so euphorisch. Im Nationalen Bildungsbericht 2012 heißt es: "Die Hoffnung, dass sich durch den demografisch bedingten Rückgang in der Nachfrage nach Ausbildungsplätzen (. . .) die Übergangssituation der Jugendlichen mit maximal Hauptschulabschluss verbessern würde, hat sich bisher nicht erfüllt." Die Autoren sehen sogar eine "faktische Abschottung" bei annähernd der Hälfte der Ausbildungsberufe für junge Leute.

Zukunft des dualen Systems in Frage

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) konstatiert hingegen, dass sich die Chancen von Jugendlichen mit Hauptschulabschluss, eine duale Ausbildung zu beginnen, "relativ gesehen leicht verbessert" habe. Doch für die Zukunft des dualen Systems, also der Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule, sei es entscheidend, dass davon mehr Jugendliche mit Hauptschulabschluss als bisher profitierten. Die Betriebe müssten diese jungen Leute stärker als bisher "als Zielgruppe ihrer Rekrutierungsstrategien entdecken". Der Zugang zu vielen Ausbildungsberufen sei für sie aber erschwert, weil sich "kognitive Anforderungen" erhöhten. Dies verenge die beruflichen Aussichten für Jugendliche mit einem niedrigen Schulbildungsniveau.

Die besten Chancen hätten Hauptschulabsolventen noch im Handwerk, in Kleinbetrieben und in Firmen, die Probleme mit der Besetzung ihrer Ausbildungsstellen hätten. Der Anteil der Jugendlichen im dualen System mit Hauptschulabschluss bleibt laut Berufsbildungsbericht allerdings rückläufig: 2003 lag die Quote noch bei 35 Prozent, 2013 rutschte der Wert erstmals unter 30 Prozent.

Dabei sind die Betriebe, die Hauptschulabsolventen eine Chance geben, mit ihrem Nachwuchs durchaus zufrieden. Das ergab eine Umfrage des Berufsbildungsinstituts. Oft brauchen sie aber Hilfe. Deshalb gibt es die "assistierte Ausbildung". Hier unterstützt ein Coach leistungsschwächere Jugendliche in den Lehrjahren. In der Allianz für Aus- und Weiterbildung wurde nun, auf Drängen des DGB, vereinbart, für 10 000 Ausbildungsplätze im Ausbildungsjahr 2015/2016 solche Helfer zur Verfügung zu stellen. DGB-Vorstandsmitglied Hannack fordert die Spitzenverbände der Wirtschaft auf, bei den Unternehmen für das Angebot zu werben.

Sie sagt: "Wir brauchen in Zukunft mehr und nicht weniger Jugendliche in betrieblicher Ausbildung."

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