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Deutsche Staatsanleihen:Kleinanleger können zugreifen

Die jüngste Versteigerung spülte dem Bund unmittelbar gut 4,17 Milliarden Euro in die Kasse. Die Differenz zum angestrebten Betrag von fünf Milliarden Euro behielt die deutsche Finanzagentur zurück, um sie, wie gewöhnlich, am freien Markt platzieren zu können. Hier können dann auch Kleinanleger zugreifen. Diese hatten sich allerdings zuletzt wegen der schlechten Renditeaussichten zurückgehalten.

Zu den Hauptkäufern gehören Analysten zufolge große Kapitalsammelstellen wie Versicherungen, Pensionskassen, Banken. Manche Vermögensverwaltungsprodukte sind auf Sicherheit angelegt. "In schlechten Zeiten sind die Manager dieser Produkte dann auch bereit, eine Versicherungsprämie dafür zu bezahlen", erklärt Patrick Jacq, Zinsstratege bei der französischen Bank BNP Paribas.

In der besonderen Nachfrage nach negativ verzinsten Langläufern des Bundes spiegele sich auch das Risiko wider, dass der Euro scheitert, meint Marc Oswald, Börsenstratege bei Monument Securities. "Falls der Euro auseinanderbricht, wollen die Investoren in Anlagen des Landes sein, das danach eine starke Währung hat und nicht in einem mit schwacher Währung."

Auch der IWF verliert offenbar langsam das Vertrauen und die Geduld mit der Eurozone. Im jährlichen Bericht zur Eurozone kommt der IWF zu dem Schluss, dass den EU-Politikern nach wie vor die "grundlegenden Werkzeuge" fehlten, um mit einem der Kernprobleme der Schuldenkrise fertig zu werden - dem Teufelskreis zwischen schwachen Banken und den knappen Kassen der Regierungen. Zugleich forderte der IWF "ehrgeizige" Maßnahmen zur Wachstumsförderung. In der Eurozone bestehe die Gefahr einer Deflation, also der Kombination von Preisverfall und Wirtschaftskrise.

Der IWF forderte die Europäische Zentralbank im Kampf gegen die Krise auf, die Geldpolitik weiter zu lockern. Er empfahl unter anderem weitere Zinssenkungen, einen verstärkten Ankauf von Staatsanleihen besonders gefährdeter Länder in der Eurozone - alles Maßnahmen, die skeptische Investoren weiter in Bundesanleihen treiben dürfte.