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Deutsche Bank:Bei der Deutschen Bank stinkt es gewaltig

Deutsche Bank in Frankfurt

Allein 2016 soll die Deutsche Bank für ihre Kunden über eine Tochterfirma mehr als 300 Millionen Euro in Briefkastenfirmen verwaltet haben.

(Foto: dpa)

Die beiden jüngsten Skandale des Kreditinstituts sind gefährlich - auch für Vorstandschef Christian Sewing.

Pecunia non olet, besagt ein Sprichwort; Geld stinkt nicht. Aber das stimmt nicht. Geld kann stinken, es kann sogar zum Himmel stinken. Wenn man sich anschaut, wie Mitarbeiter deutscher Banken das Geld ihrer Kunden in Offshore-Paradiese transferiert haben, und wenn man anhand der Panama Papers und anderer geleakter Daten nachvollzieht, in welch großem Stil sie Briefkastenfirmen genutzt haben, um Finanzströme zu verschleiern, dann muss man sagen: Es stinkt gewaltig! Und ganz besonders intensiv müffelt es gerade bei der Deutschen Bank.

Am Donnerstag rückten 170 Ermittler bei der Bank an, sie filzten an sechs Standorten Büros und nahmen Akten und Datenträger mit, weil mehrere Mitarbeiter des Kreditinstituts im Verdacht stehen, Hunderten Kunden bei der Geldwäsche geholfen zu haben. Allein im Jahr 2016 soll die Deutsche Bank für ihre Kunden über eine Tochterfirma auf den Britischen Jungferninseln mehr als 300 Millionen Euro in Briefkastenfirmen verwaltet haben. Nicht die gesamte Summe dürfte zweifelhaften Ursprungs sein, aber Zweifel sind eben häufig angebracht, wenn vermögende Menschen oder Unternehmen ihr Geld in Briefkastenfirmen bunkern, wenn sie es auf den Bermudas, den Kaiman Inseln oder in anderen Steueroasen verstecken.

Razzien bei der Deutschen Bank

April 2010: Erste Razzia wegen des Verdachts auf Steuerbetrug beim Handel mit Verschmutzungsrechten

November 2011: Die Staatsanwaltschaft München lässt Vorstandsbüros und die Rechtsabteilung der Deutschen Bank im Zusammenhang mit dem Kirch-Prozess durchsuchen

Dezember 2012: 500 Beamte durchsuchen wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung die Büros des Geldinstituts in Frankfurt

Dezember 2012: Eine Woche später schon die nächste Durchsuchung: Diesmal geht es um den Verdacht auf Falschaussagen und Betrug im Kirch-Prozess

März 2014: Durchsuchung der Kanzlei der Deutsche-Bank-Anwälte in Frankfurt

März 2014: Wegen mutmaßlichen Betrugs im Kirch-Schadenersatzprozess durchsucht die Staatsanwaltschaft die Konzernzentrale der Bank in Frankfurt ein weiteres Mal

9. Juni 2015: Ermittler durchsuchen die Zentrale der Bank im Zusammenhang mit verdächtigen Aktiengeschäften

Es geht um die Frage, welche Werte und Standards gelten

Die Razzia kommt für Christian Sewing, den neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, zur Unzeit. Seit seiner Berufung im April hat er immer wieder beteuert, sein Unternehmen habe die großen Affären der Vergangenheit abgearbeitet, habe all die Milliardenstrafen bezahlt, die ihr aufgrund zweifelhafter, teils hochriskanter Geschäfte in der Finanzkrise auferlegt wurden - und nun könne man nach vorne blicken. Tatsächlich aber geht es bei der Deutschen Bank nun wieder um die Frage, welche Werte und Standards bei ihr eigentlich gelten.

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Razzia bei Deutschlands größter Bank. Dieses Mal geht es um den Verdacht der Geldwäsche. Bastian Brinkmann über den Niedergang des einstigen Aushängeschilds der deutschen Wirtschaft.

Ist es wirklich in Ordnung, wenn kundige Mitarbeiter der Deutschen Bank dabei helfen, Milliarden durch Steueroasen zu schleusen? Ist es legitim, wenn sie Hand in Hand mit zweifelhaften Beratern in Steuerparadiesen arbeiten, um für manche Kunden Dutzende von Briefkastenfirmen aufzusetzen? Dürfen sie wirklich wegschauen, wenn über manche dieser Firmen riesige Summen transferiert werden? Oder liegt nicht der Verdacht nahe, dass dies oft dazu dient, Steuern zu hinterziehen oder Geld zu waschen?

Die Deutsche Bank muss sich dies nicht nur im Fall der Panama Papers fragen lassen, sondern auch im Fall der Danske Bank. Über eine Filiale der dänischen Bank in Estland wurden 200 Milliarden Euro gewaschen, es ist der größte Geldwäsche-Skandal, den es je gab.

Der Löwenanteil des Geldes, etwa 130 Milliarden Euro, wurde von Estland aus über die Deutsche Bank weitergeleitet. In Frankfurt beruft man sich darauf, dass man die Kunden der Danske nicht gekannt und nur im Auftrag der Dänen gearbeitet habe. Tatsächlich macht die Deutsche Bank es sich zu leicht. Sie hat acht Jahre lang riesige Summen transferiert und angeblich nichts gemerkt, um dann plötzlich die Geschäftsbeziehung abzubrechen, weil sie "einen Anstieg von verdächtigen Transaktionen" festgestellt haben will. Die beiden Skandale sind für Sewing deshalb so gefährlich, weil sie zur gleichen Zeit hochkochen und weil sie bis fast in die Gegenwart reichen - in eine Zeit, in der er selbst schon zur Führung der Bank gehörte.

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