Verdacht der Geldwäsche Razzia bei der Deutschen Bank

  • 170 Ermittler haben am Donnerstag Geschäftsräume der Deutschen Bank durchsucht. Laut Staatsanwaltschaft geht es um den Verdacht der Geldwäsche.
  • Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit den Panama Papers und den Offshore-Leaks.
Von Frederik Obermaier und Jan Schmidbauer

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat am Donnerstag mehrere Geschäftsräume der Deutschen Bank in Frankfurt und Umgebung durchsucht. Man ermittle wegen des Verdachts der Geldwäsche, teilte die Behörde mit. Grundlage sind demnach Daten aus den Panama Papers sowie den Offshore Leaks, zwei internationalen Rechercheprojekten zu Steueroasen.

Etwa 170 Beamte der Staatsanwaltschaft, des Bundeskriminalamts (BKA), der Steuerfahndung sowie der Bundespolizei waren seit dem Morgen im Einsatz. Durchsucht wurden sechs Objekte. Die Beamten hätten dabei auch Geschäftsunterlagen sichergestellt, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Deutsche Bank bestätigte die Durchsuchungen. Man werde "vollumfänglich" mit den Behörden kooperieren, sagte ein Sprecher.

Lesen Sie hier die "Panama Papers"-Recherche der SZ aus dem Jahr 2016 über die Deutsche Bank:

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Die Ermittlungen richten sich der Staatsanwaltschaft zufolge gegen einen 46- und einen 50-jährigen Mitarbeiter sowie andere bislang nicht identifizierte Verantwortliche der Bank. Nach einer Auswertung des beim BKA vorliegenden Datenbestandes der Offshore-Leaks und der Panama Papers habe sich der Verdacht ergeben, dass die Deutsche Bank Kunden bei der Gründung von Offshore-Gesellschaften in Steuerparadiesen behilflich gewesen sein könnte. Dabei sollen Gelder aus Straftaten auf Konten der Deutschen Bank übertragen worden sein, ohne dass die Bank Verdachtsanzeigen erstattete.

Über eine zum Konzern gehörende Gesellschaft mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln sollen allein im Jahr 2016 mehr als 900 Kunden mit einem Volumen von 311 Millionen Euro betreut worden sein.

Aus den Panama Papers, einer von der SZ angestoßenen internationalen Recherche, ging 2016 hervor, dass 14 deutsche Banken mehr als 1200 Briefkastenfirmen bei der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca gründeten. Allein die Deutsche Bank soll bis 2007 mehr als 400 dieser Offshore-Firmen vermittelt oder verwaltet haben.

Die Genfer Filiale der Deutschen Bank führte ausweislich der Panama Papers noch im Jahr 2012 Darlehenskonten für die Firmen Nescoll Ltd. und Nielsen Ltd. Die zwei Offshore-Gesellschaften gehörten zumindest zeitweise der Tochter des mittlerweile im Zusammenhang mit den Panama Papers verurteilten pakistanischen Ex-Premiers Nawaz Sharif.

Aktiv ist die Deutsche Bank im Geschäft mit Offshore-Firmen schon seit Jahrzehnten. Bereits in den Siebzigerjahren eröffnete sie Büros auf den Kanalinseln Jersey und Guernsey, 1983 folgten die Cayman Islands, 1999 Mauritius - dort gebe es eine "steuerneutrale Umgebung" warb die Deutsche Bank. Auf der Homepage des Unternehmens stand zeitweise sogar ein Sonderschriftzug: "Seit über 30 Jahren Offshore-Finanzdiensten verpflichtet." Laut dem aktuellen Geschäftsbericht unterhält die Bank noch immer Filialen in Steueroasen wie Cayman Islands, Mauritius, Jersey und Malta.

Lesen Sie hier die "Offshore Leaks"-Recherche der SZ aus dem Jahr 2013 über die Deutsche Bank:
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