Deutsche Bank Jetzt zeigt sich, wer der wahre Boss ist

John Cryan und Paul Achleitner: Ein besonders enges Verhältnis hatten die beiden Banker nie.

(Foto: dpa)
  • Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, verliert die Geduld mit Vorstandschef John Cryan und sucht bereits Ersatz.
  • Will er nicht düpiert dastehen, muss er schnell einen neuen Chef präsentieren.
  • Das dürfte jedoch nicht allzu leicht werden: Die Bank gilt zur Zeit nicht gerade als Wunscharbeitgeber in der Finanzbranche.
Von Andrea Rexer und Jan Willmroth, Frankfurt

Selbst Schnee und Eis können Paul Achleitner nicht bremsen. Schnellen Schrittes eilte er beim Weltwirtschaftsforum in Davos Ende Januar zu Fuß durch das ganze Dorf, der Fahrdienst war ihm angesichts der Staus auf den Straßen zu langsam. Genauso wie andere Passanten, die er geschwind links und rechts überholte. Geduld ist nicht die Stärke des Aufsichtsratschefs der Deutschen Bank.

Das zeigt sich auch bei der aktuellen Führungsdebatte. Die Deutsche Bank steckt noch mitten in der Sanierung, drei Jahre in Folge fuhr die Bank Verluste ein. Und vergangene Woche musste Vorstandschef John Cryan schon wieder eine Gewinnwarnung erläutern. Der Aktienkurs ist seit Jahresbeginn um knapp 30 Prozent gesunken. Als wären das nicht schon genug Probleme, stößt Paul Achleitner nun auch noch eine Personaldebatte an. Der Chefaufseher des Instituts hat ganz offenbar die Geduld verloren und sucht nach einem Ersatz für den Vorstandschef, dessen Vertrag eigentlich noch bis 2020 läuft.

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Die Bank kommentiert die Informationen nicht. Dass die britische Zeitung The Times die Absage des Goldman-Sachs-Bankers Richard Gnodde öffentlich gemacht hat, bringt Achleitner unter Zugzwang. Will er nicht düpiert dastehen, muss er schnell einen Ersatz präsentieren. Und genau das dürfte nicht ganz leicht werden: Die Deutsche Bank gilt derzeit nicht gerade als Wunscharbeitgeber Nummer eins bei den besten Köpfen der Finanzbranche. Dazu ist der Ruf zu schlecht, die Probleme zu groß und das Gehalt im Branchenvergleich zu gering.

Im Moment sieht alles danach aus, als stünde Achleitner mit leeren Händen da. Zwar wird über einige Namen spekuliert, auf der Zielgeraden ist jedoch keiner davon. "Auch der Neue müsste mit einem Aufsichtsratschef Achleitner klarkommen", unkt einer aus der Branche. Denn Achleitner hat den Ruf, sich in Strategiefragen durchaus klarer zu positionieren als so manch anderer Aufsichtsratschef.

Cryan und Achleitner hatten nie ein besonders enges Verhältnis

Eine harte Debatte über die Strategie des Hauses soll auch der Auslöser für die beschleunigte Nachfolge-Suche gewesen sein, schreibt die Times. Konkret soll es um die Zukunft des Investmentbankings gegangen sein, das Cryan gern stärker stutzen will als Achleitner, der früher viele Jahre Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs in Deutschland war. Bekannt ist, dass Cryan und Achleitner noch nie ein besonders enges Verhältnis hatten, und bekannt ist auch, dass die beiden immer wieder sachliche Diskussionen hatten. Beides ist für das Verhältnis zwischen Vorstand und Aufsichtsrat nicht ungewöhnlich - schließlich soll der eine ja den anderen kontrollieren.

Zu große Nähe ist einem professionellen Verhältnis eher abträglich. Diese Erfahrung hat Achleitner auch bereits gemacht. Als er 2012 seinen Job antrat, tat er das im Trio mit den beiden Co-Vorstandschefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Legendär die Szene, als sich die drei mitsamt Ehefrauen im Blitzlichtgewitter auf einem Empfang am Weltwirtschaftsforum präsentierten. "Das Triumvirat" wurden sie fortan genannt. Später, als sich die Rechtsstreitigkeiten auftürmten, wurde das freundschaftliche Verhältnis zwischen Jain und Achleitner zum Ballast. Dem Aufsichtsratschef wurde vorgeworfen, dass er zu lange an Jain festgehalten habe. Diesen Fehler will Achleitner ganz offensichtlich nicht noch einmal machen.