Deutsche Bahn-Personalchef Bahn-Vorstand: Eskalierte Fahrscheinkontrolle "tut uns leid"

Glaubt nicht an die Zukunft der Fahrscheinkontrolle: DB-Personalvorstand Ulrich Weber.

(Foto: dpa)

Ein Kontrolleur schleppte eine verängstigte Chinesin fast zur Polizei, weil sie nicht abstempelte. DB-Personalchef Ulrich Weber bedauert das - und spricht über genervte Kunden und den Zugbegleiter von morgen.

Von Detlef Esslinger und Alexander Hagelüken

Personalchefs machen ihren Job in der Regel abseits des Scheinwerferlichts. Das gilt auch für den Personalvorstand der Deutschen Bahn (DB) Ulrich Weber. Hin und wieder aber rückt er in die Öffentlichkeit, und zwar meistens dann, wenn Tarifverhandlungen anstehen. Weber wird dann zeitweise zu einer der bekanntesten Personen des Landes.

Es muss aber gar nicht der große Lokführerstreit sein, um binnen Stunden in die Öffentlichkeit katapultiert zu werden. Manchmal reicht auch ein Aufreger, wie er in der vergangenen Woche in München passiert ist: Ein Kontrolleur nahm einer Chinesin, die gerade mit dem Flugzeug angekommen war, die Ausweisdokumente weg und wollte sie zur Polizei schleppen - nur weil die Frau offenbar nicht wusste, dass man in Deutschland ein gekauftes Ticket auch abstempeln muss.

Der Fall löste bundesweit Wirbel aus, der natürlich auch Weber erreichte. "Es tut uns leid, dass die junge Frau in eine solche unangenehme Situation geraten ist", sagt er im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Das sei "natürlich nicht das, was wir wollen", und es sei auch nicht typisch für DB-Mitarbeiter. Kontrolleure der Bahn würden auf Konflikte mit Fahrgästen geschult, "um sich möglichst immer angemessen zu verhalten".

Auf die Frage, warum man bei Zugbegleitern und Kontrolleuren generell nie wisse, an wen man gerate, sagte Weber, die Bahn arbeite derzeit am Berufsbild des Zugbegleiters, an Haltung und Auftreten. "Eisenbahner sein heißt heute viel mehr als früher, unseren Kunden ein Reiseerlebnis zu bieten." Die Kunden müssten spüren, dass Dienstleistung den Mitarbeitern der DB Spaß mache und nicht nur eine Notwendigkeit sei. Zugbegleiter müssten sich deswegen zu Gastgebern entwickeln.

Warum es Fahrscheinkontrollen in einigen Jahren nicht mehr geben könnte, wie die Gäste dann in den Zug "einchecken" und warum die Kunden besonders häufig auf die Bahn schimpfen, erzählt Weber im Interview mit der SZ.

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