Datenleck:Steueroasen verlieren Kunden wegen Offshore-Leaks

Offshore-Leak Cayman Islands

Schön hier: die Cayman-Inseln

(Foto: David Rogers/Getty Images)

Vertrauenskrise im Paradies: Datenlecks und politischer Druck verderben das schöne Geschäft der Steueroasen. Die Finanzindustrie will sich nun mit mehr Lobbyarbeit helfen.

Von Bastian Brinkmann

2012 war alles so schön. Das staatliche Finanz-Center der Britischen Jungferninseln, das Kapital in die Steueroase locken soll, jubelte: Die Jungferninseln wurden in der Branchenumfrage eines Finanzdienstleister zur Nummer Eins der Offshore-Welt gewählt und ließ Konkurrenten wie die Cayman Inseln und Bermuda hinter sich. Die karibische Inselgruppe, die zu den britischen Überseegebieten gehört, war besonders beliebt in den Rubriken Vermögensschutz, "individuelle Steuerplanung" und "Investment-Holding für Konzerne".

Doch dieses Jahr ist die Stimmung in der Branche mies, zeigt die neueste Umfrage (hier als PDF). Die Firma Offshore Incorporations hat für den Report "Offshore 2020" mehr als 200 Branchenmitglieder interviewt und zieht ein düsteres Fazit: Die Industrie stecke in einer "Vertrauenskrise". Der Report macht dafür vor allem die Offshore-Leaks-Enthüllungen verantwortlich.

Im Frühjahr hatten Dutzende Medien weltweit, darunter der britische Guardian, die Washington Post, Le Monde aus Frankreich sowie die Süddeutsche Zeitung und der NDR in Deutschland über ein Datenleck berichtet. Die Medien hatten mit dem Internationalen Konsortium investigativer Journalisten eine Festplatte ausgewertet, die die Namen von 130.000 Personen enthielten, die Geschäfte in Steueroasen machen.

Plötzlich brachten Medien Licht in eine Branche, die davon lebt, dass sie im Dunkeln arbeitet - und eigentlich dafür bürgt, dass Geheimnisse geheim bleiben.

Nun zeigt sich, dass die Berichte schlecht für das Geschäft waren. 38 Prozent der Befragten gaben in der Umfrage an, dass deswegen die Nachfrage nach Offshore-Vehikeln sinkt. Weitere 46 Prozent gaben an, dass die Kunden nun andere Steueroasen bevorzugen würden, die vom Datenleck nicht betroffen waren. Dem Report zufolge werden vor allem die Seychellen von dieser Verschiebung profitieren.

Die Branche leckt ihre Wunden. Die Offshore-Industrie werde zum "Opfer des eigenen Erfolgs", heißt es in der Umfrage. Denn auch die Politik macht Druck. Die G20-Staaten haben sich grundsätzlich darauf geeinigt, den automatischen Informationsaustausch voranzutreiben. Kommt dieser Standard, müssten die Steueroasen direkt die heimischen Finanzämter über die Einlagen der Kunden informieren - und könnte somit für viele Geschäfte das Aus bedeuten. Dementsprechend heftig wehren sich die Betroffenen. Die Studie beklagt eine "unangemessene moralische Kriegsführung" in der politischen Debatte.

Auch die Zypern-Krise hat der Industrie massiv geschadet. Zyprische Offshore-Kunden haben bei der Bankenrettung der Insel im März viel Geld verloren. Nur Guthaben unter 100.000 Euro blieben verschont.

Die Studie fragte auch ab, wie die Finanzdienstleister die Vertrauenskrise angehen sollten. Die große Mehrheit spricht sich dafür aus, die PR- und Lobby-Arbeit der Offshore-Welt auszubauen und besser zu koordinieren. Die Firma hinter der Umfrage, Offshore Incorporations, schlägt vor, dass die Industrie eine Verein gründen sollte, um die positiven Seiten der Steueroasen in den Vordergrund zu rücken.

Die Antwort, die bei dieser Frage am seltensten angekreuzt wurde: mehr Regulierung.

Linktipp: der Blogpost des Internationalen Konsortiums investigativer Journalisten zur Branchenumfrage.

© SZ vom 28.11.2013
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