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Glossar zur Finanzkrise:Von I wie IWF bis L Liquidität

IWF. Früher spielte der Internationale Währungsfonds (IWF) in der öffentlichen Debatte allenfalls eine untergeordnete Rolle; inzwischen aber ist er durch die Euro-Zonen-Krise für alle erkennbar zum wichtigen Player geworden. Dahinter verbirgt sich eine internationale Organisation, deren Aufgabe es ist, Welthandel und Zusammenarbeit der 188 Mitgliedsländer in Währungsfragen zu fördern. Gerät ein Land in Zahlungsprobleme, gewährt der IWF befristete Kredite, die an strenge Bedingungen geknüpft sind: Verschuldete Mitglieder müssen etwa ihre Staatsausgaben kappen, um Darlehen zu bekommen.

Nach Gründung des IWF auf der Finanzkonferenz der UN in Bretton Woods im Jahr 1944 half er vor allem Entwicklungsländern - bis die Euro-Krise ausbrach. Seitdem vergab der Fonds etwa an Griechenland Milliardenkredite und half später bei Fertigung von Rettungsschirmen für andere angeschlagene EU-Staaten. Für den Franzosen Dominique Strauss-Kahn folgte im Juli an der Spitze des IWF die Französin Christine Lagarde.

Junkbonds. Wer einem anderen Geld leiht und sicher ist, es wiederzubekommen, der kann keine hohen Zinsen verlangen - "no risk, no fun." Ist es aber fraglich, dass der Kreditnehmer morgen noch existiert, gibt's hohe Zinsen. In den achtziger Jahren merkten immer mehr marode Unternehmen und wacklige Staaten, dass auch sie auf diesem Weg an frisches Geld gelangen können. "Junkbonds" wurden diese Papiere getauft. Investor Michael Milken machte ein Vermögen mit den Schrottanleihen, man nannte ihn den "Junkbond-König".

Gefährlich wird es, wenn Schrott nicht als Schrott zu erkennen ist. Die aktuelle Krise kam ins Rolle, weil Ratingagenturen Anleihen gut bewerteten, die mit wertlosen Hypotheken gedeckt waren. Schlecht für die Käufer der Anleihen, viele gingen Pleite. Schlecht für die Emittenten ist es, wenn ihre einst soliden Anleihen zu Schrott erklärt werden. So erging es jüngst Portugal, Irland und Griechenland (-> PIIGS). Für Kredite müssen sie nun hohe Zinsen zahlen.

Konjunkturpakete. Hierbei geht es immer um viel Geld vom Staat. Der verschuldet sich, um in der Krise Aufträge zu vergeben und die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Die Konjunkturbelebung durch Staatsverschuldung nennt man auch "Deficit Spending" (Defizitfinanzierung). In der Hochkonjunktur sollen die Schulden dann wieder abgebaut werden. So das Ideal. Doch das gelingt nicht immer.

Einige Länder sind so hoch verschuldet, dass sie das Defizit nie werden abbauen können (-> Überschuldung). Konjunkturprogramme sollen Firmen dazu bringen, zu investieren und Arbeitsplätze zu sichern. Weil Massenentlassungen die Krise verschlimmern. Denn wer arbeitslos ist, konsumiert nicht und den Firmen fehlt der Umsatz. Um den Konsum anzukurbeln, werden oft Steuern und Sozialbeiträge gesenkt. Damit bleibt den Arbeitnehmern mehr Geld zum Einkaufen übrig. Viel Geld machen die Staaten in Krisenzeiten oft für die Infrastruktur locker. Dann werden Straßen gebaut oder Schulen saniert.

Liquidität. Liquidus ist lateinisch und heißt "flüssig". Wenn eine Bank nicht mehr flüssig ist, dann verdurstet sie. Sie kann ihre täglichen Verpflichtungen nicht mehr einhalten, also zum Beispiel Geld auszahlen. Die schlimmste Form von Illiquidität ist ein Banken-Run: Wenn plötzlich alle Kunden aus Verunsicherung ihr Geld abheben wollen. Das drohte nach der Lehman-Pleite auch in Deutschland, deshalb garantierte die Bundesregierung für das Ersparte der Bürger.

Die Finanzkrise war im Kern eine Liquiditätskrise. Banken vertrauten sich nicht mehr und liehen sich gegenseitig kein Geld. Auch in der jüngsten Schuldenkrise kam die Liquidität wieder ins Gerede: Banken legten ihr Geld lieber zu niedrigen Zinsen bei der Europäischen Zentralbank an, als es sich gegenseitig zu leihen. Die Zahlen erreichten schon fast wieder Höhen wie in der Nach-Lehman-Zeit. Zur großen Krise kommt es dadurch aber nicht mehr: Die Notenbanken stellen Geldhäusern inzwischen unbegrenzt Liquidität zur Verfügung.

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