Glossar zur Finanzkrise:Von E wie Euro-Bonds bis H wie Haircut

Euro-Bonds. Die Einführung von Europa-Anleihen, also von EuroBonds, ist politisch sehr umstritten. Es geht um viel Geld: Alle Euro-Staaten würden bei Vergabe der gemeinsamen Anleihe für ihre Kredite künftig denselben Zinssatz bezahlen, was dem einen mehr nutzt als dem anderen. Alle gemeinsam würden haften (-> Transferunion).

Die Zinsen für Deutschland würden im Falle der Euro-Bonds sehr wahrscheinlich steigen - derzeit liegen sie bei 2,5 Prozent -, denn die Bonität der gesamten Euro-Zone ist schlechter als die Bonität Deutschlands. Im Gegenzug sinken die Zinsen für die Peripheriestaaten, weil die starken Euro-Länder, darunter Deutschland, für die schwachen haften. Es besteht die Gefahr, dass sich Griechenland und andere angeschlagene Euro-Staaten (-> PIIGS) weiterverschulden. Deshalb ist ein Euro-Bond nur dann sinnvoll, wenn die schwachen Euro-Staaten einer strikten Haushaltskontrolle unterworfen werden. Sie müssten also Kompetenzen abgeben.

Fluchtwährung. Langweilig, mäßig verzinst, dafür sprichwörtlich solide - lange waren US-Staatsanleihen der sichere Hafen, in dem Notenbanken, Fonds und Privatanleger ihr Geld verwahrten. Doch seit die USA Milliarden freigiebig ausgeben, ohne dass die Konjunktur auf die Beine kommt und US-Anleihen nicht mehr die Bestnote (-> AAA) haben, wird es stürmisch im einst sicheren Hafen. Auch in den Euro legen Anleger seit Aufflackern der Schuldenkrise nicht mehr viel Vertrauen.

Wer Wert auf Sicherheit legt, zieht weiter. Aber so einfach ist das nicht. "Nowhere to hide", sagen Profis, wenn Fluchtmöglichkeiten fehlen. Einige setzen auf Exoten wie Neuseeland. Doch wie in jeder Krise trifft es die üblichen Verdächtigen: Gold und Schweizer Franken. In diesen Häfen wird es langsam eng: Der Goldpreis steigt und steigt, und auch der Franken hat seit Krisenbeginn an Wert gewonnen, um 50 Prozent. Weil das die Wirtschaft belastet, senkt die Schweizer Notenbank die Zinsen - langweilig, aber sicher.

Gläubiger. Der Begriff des Gläubigers geht auf das lateinische Wort credere zurück, und das heißt: glauben. Geglaubt wird in der Wirtschaft auch, und zwar dass einer nicht säumig bleibt. Der Gläubiger, der jemandem Geld geliehen hat, vertraut demnach darauf, dass der Schuldner seinen Kredit wie vereinbart zurückzahlt, samt Zinsen.

Das spiegelt sich auch in der Redewendung wider, dass Geldverleihen auf "Treu und Glauben" beruhe. Die riesigen Schuldenberge der europäischen Staaten und der USA hätten nicht wachsen können, wenn es keine Gläubiger gäbe. Denn ein Staat, der sich verschuldet, leiht sich Geld bei seinen Bürgern, bei Banken und Unternehmen. Jedem Euro an Verbindlichkeiten steht also ein Euro an Forderungen der Gläubiger gegenüber. Anders gesagt: Die Schulden der Staaten sind das Vermögen der Bürger und Banken. Daraus folgt leider, dass automatisch Vermögen der Gläubiger vernichtet ist, wenn ein Staat seine Schulden nicht oder nur in Teilen zurückzahlt (-> Überschuldung).

Haircut. Von Zeit zu Zeit nervt die Matte auf dem Kopf. Dann müssen auch Männer, für die Schönheitsarbeiten in eigener Sache Zeitverschwendung sind, zum Coiffeur. Vielleicht haben männliche Experten des Finanzwesens, die einen Namen für Unangenehmes in ihrem Umfeld suchten, an die nutzlose Zeit im Friseursalon gedacht, als sie die Formel vom "Haircut" benutzten. Hier werden nicht Haare geschnitten, sondern Schulden künstlich reduziert.

Gläubiger einigen sich dann darauf, auf einen Teil ihrer Forderungen zu verzichten. Der Schuldner muss weniger zurückzahlen. Für das chronisch klamme Griechenland ließ sich der EU-Gipfel im Juli jenes Frisurmodell einfallen, bei dem private Banken und Versicherungen beim Umtausch alter in neue Hellas-Staatsanleihen auf 21 Prozent ihrer Ansprüche verzichten. Das war so wenig, dass bald garantiert ein neuer Haircut fällig wird. Schließlich halten die fünf Wirtschaftsweisen im Fall der griechischen Wucherungen einen Schnitt von 50 Prozent für nötig.

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