Daimler-Bilanz Das letzte Mal mit Zetsche

Noch-Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche ist mit sich im Reinen, was seine letzte Bilanz angeht, wie er am Mittwoch sagte.

(Foto: Marijan Murat/dpa)
  • Im Mai wird Dieter Zetsche in den Ruhestand gehen, erst dann will er ein Fazit seines Wirkens ziehen.
  • Obwohl der Umsatz von Daimler um zwei Prozent stieg, brach gleichzeitig der Gewinn um fast ein Drittel ein.
  • Zetsche zeigt sich offen für Kooperationen mit traditionellen und neuen Spielern in der Autobranche.
Von Max Hägler und Stefan Mayr, Stuttgart

Mitten in seiner letzten Jahres-Pressekonferenz als Daimler-Boss steckt Dieter Zetsche seinem Kollegen Martin Daum auf dem Podium ein Zettelchen zu. Der Truck-Vorstand liest die Botschaft des Chefs. Ein Blickkontakt und beide Manager grinsen. Worüber genau, das bleibt unklar. Aber fest steht: Dieter Zetsche ist bestens gelaunt, trotz schrumpfender Gewinne, schlechter Umsatzrendite und herausfordernden Zukunftsaussichten, samt einer Staatsanwaltschaft, die wegen des Verdachtes auf Betrug an Dieselauto-Kunden ermittelt. Zetsche spricht von einem "starken Gegenwind".

Dennoch sei er in seinem dreizehnten und letzten Jahr als Vorstandsvorsitzender der Daimler AG "total im Frieden" mit sich. Ob er nun mit einem weiteren Rekordjahr aufhöre oder nicht, habe "wenig Relevanz" für Daimler - und damit angeblich auch nicht für sein Seelenleben.

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Im Mai wird Dieter Zetsche in den Ruhestand gehen, erst dann will er ein Fazit ziehen seines Wirkens. Aber schon jetzt gibt er sich "sehr tief überzeugt, dass ich ein exzellentes Team in die Zukunft schicken kann", weswegen ihm nicht bang sei. Das mag damit zu tun haben, dass er - nach Monaten der Pause - die Leitung des Daimler-Aufsichtsrates übernehmen möchte. Er wird dann der allererste Spieler eines Teams sein, das er in all den Jahren formte. Etwa mit Ola Källenius, dem designierten Nachfolger als Vorstandsvorsitzendem.

Wie sehr es gute Leute braucht, zeigt eben die Jahresbilanz. Zetsche verkündet am Mittwoch zwar wie in den sieben Jahren zuvor ein neues "Rekordjahr" beim Absatz: 2,2 Millionen Autos sind es jetzt. Der Rest des Zahlenwerks ist indes weniger glänzend. Obwohl der Umsatz leicht um zwei Prozent auf 167 Milliarden Euro stieg, brach gleichzeitig der Gewinn um fast ein Drittel auf gut sieben Milliarden Euro ein. Daimler hat also ein Problem mit der Profitabilität. "Damit können und wollen wir nicht zufrieden sein", sagt Zetsche und kündigt "umfassende Gegenmaßnahmen" an.

Die Ursachen für die schlechte Marge sind vielgestaltig. Die Weltlage ist unsicher, mit Donald Trump, dem Brexit, einem schwächeren Wachstum in China, auch die Nachbesserungen bei Diesel-Autos verschlingen Millionen Euro.

Den Börsenkurs hat das am Mittwoch um drei Prozent nach unten gezogen, dabei sind die Analysten eigentlich zufrieden. "Zetsche hat einen guten Job gemacht", sagt etwa Branchenbeobachter Frank Biller von der LBBW. Daimler sei "nach wie vor solide aufgestellt, die jüngsten Themen sind der Gesamtbranche geschuldet". Insofern seien die Zahlen für 2018 auch in Ordnung.