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Continental und Schaeffler:Spekulationen über Wende im Übernahmekampf

Die geplante Fusion von Continental und Schaeffler soll völlig anders laufen als bisher gedacht. Continental dementiert die Nachricht allerdings.

Der mühsam ausklamüserte Zusammenschluss der Automobilzulieferer Continental und Schaeffler ist nach einer Medienmeldung in Gefahr. Der Reifenhersteller Continental habe sich vom Plan einer Fusion mit Schaeffler verabschiedet, schreibt das Manager Magazin.

Continental und Schaeffler könnten zusammenfinden, aber anders als bislang gedacht.

(Foto: DAPD)

Pikant daran wäre: Ausgerechnet Continental-Chef Elmar Degenhart wolle die Fusion nicht mehr, berichtet das Wirtschaftsmagazin unter Berufung auf Unternehmenskreise. Degenhart war im Sommer 2009 nach einer Schlammschlacht im Aufsichtsrat um die Abberufung des früheren Conti-Chefs Karl-Thomas Neumann als neuer Vorstandsvorsitzender installiert worden. Als Vertrauter des Schaeffler-Chefs Jürgen Geißinger sollte er dessen Wunsch einer Übernahme von Continental exekutieren.

Doch nun, so das Manager Magazin, geschehe genau das Gegenteil: Degenhart und Continental-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle strebten jetzt eine Stand-alone-Strategie für die Hannoveraner an. Zu diesem Schwenk seien die Manager durch die zunächst einvernehmlichen Gespräche zwischen Continental und Schaeffler animiert worden, die unter dem Codenamen "Projekt 14" geführt worden seien.

Betriebswirtschaftlich keine nennenswerten Effekte

Continental dementierte den Magazinbericht allerdings: "Unser Ziel ist unverändert eine mögliche Kombination der beiden Unternehmen, auf die wir uns vorbereiten", erklärte der Automobilzulieferer. Einen konkreten Zeitplan für den Ablauf des Zusammenschlusses gebe es überdies noch nicht. Die Schaeffler-Gruppe wollte den Vorgang nicht kommentieren - das sei eine Angelegenheit von Conti, hieß es lediglich. .

Das Manager Magazin will hingegen erfahren haben, dass sich bei den Geheimverhandlungen zwischen Schaeffler und Continental immer stärker herauskristallisiert habe, dass das Argument des früheren Conti-Chefs Manfred Wennemer gegen die Übernahme durch Schaeffler berechtigt gewesen sei. Zu dieser Conclusio seien zumindest die zu den Gesprächen hinzugezogenen Beratungsfirmen Perella Weinberg, Freshfields und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young gekommen.

Wennemer hatte bereits zu Beginn der Übernahmeschlacht im Juli 2008 gebetsmühlenartig wiederholt, dass der Zusammenschluss betriebswirtschaftlich keine nennenswerten Effekte bringe. Dieser Erkenntnis haben die Berater laut Manager Magazin nun ihren eigenen Ratschlag hinzugefügt: Falls der Großaktionär aus Herzogenaurach den Zusammenschluss partout wolle, dann wäre er anders sinnvoller: Und zwar, indem Schaeffler sein Automobilgeschäft in die bereits börsennotierte Continental AG einbringe. Schaeffler könne sich damit den Gang an den Kapitalmarkt sparen.

Continental: "Frei erfunden"

Diese Empfehlung hätten die Berater bei einer Präsentation vor weniger als zwei Wochen ausgesprochen. Zudem hätten sie dabei auch den Reitzle-Wunsch eingearbeitet, Schaefflers Mehrheitsanteil an Continental langfristig auf 35 Prozent zu reduzieren. Schaeffler habe sich diesem Wunsch noch nicht endgültig gebeugt, schreibt das Manager Magazin, doch in Hannover wolle man Signale empfangen haben, das eine solche Lösung am Schluss herauskommen könne.

Continental-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle wies diese Darstellung allerdings zurück. "Ein 35-Prozent-Ziel als Anteil des Großaktionärs an Continental ist frei erfunden und niemals genannt worden."

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