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Commerzbank:Kurssprung nach dem Rücktritt

Commerzbank AG Offices Ahead of Restructuring

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Die Sparmaßnahmen des Konzerns werden sich wegen des Umbaus der Führungsspitze verzögern.

(Foto: Alex Kraus/Bloomberg)

Die Aktie der Bank reagiert mit einem Plus auf den Rücktritt der Führung.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Für das abgesprungene Führungsduo der Commerzbank war es natürlich kein wirklich gutes Zeichen, immerhin aber für die Bank und ihre Aktionäre: Nachdem Vorstandschef Martin Zielke und sein Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann am Freitagabend überraschend ihre Rücktritte angeboten haben, stieg die Aktie der zweitgrößten deutschen Privatbank am Montag zeitweise um mehr als acht Prozent. Die Anleger schienen der Meinung zu sein, dass es "jeder neue Vorstandschef, wer auch immer das sein mag, keine schlechtere Arbeit als sein Vorgänger machen wird", wie die Nachrichtenagentur Reuters Marktanalyst Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets zitiert. Zudem ist es nun natürlich wahrscheinlicher, dass der neue Vorstandschef radikal die Kosten kürzt. Die Ratingagentur Moody's hingegen äußerste sich wegen des Führungsvakuums beunruhigt. Der Rücktritt werfe Fragen zur künftigen Strategie auf. Dem Rücktritt vorausgegangen war wachsende Kritik von Aktionären an der Strategie. Zuletzt hatte allen voran der US-Fonds Cerberus seinen Unmut geäußert. Vom Bund, der 15 Prozent an der Bank hält, kam offenbar auch keine Unterstützung mehr für das Management. Schmittmann selbst will nun nur noch bis zum 3. August im Amt bleiben, Zielke spätestens Ende des Jahres ausscheiden. An diesem Mittwoch soll der Aufsichtsrat beraten. Es gebe einen geordneten Prozess, sagte Schmittmann in einem Interview, welches im Intranet der Bank veröffentlicht wurde. Da er aus dem Aufsichtsrat ausscheide, müsse ein neues Aufsichtsratsmitglied nun per Gericht nachbestellt werden. Dann werde der komplette Aufsichtsrat aus seiner Mitte einen neuen Vorsitzenden wählen.

Gleichwohl werden sich die geplanten Sparmaßnahmen nun weiter verzögern. Ursprünglich wollte der Vorstand am 5. August zusammen mit den Quartalszahlen erklären, wie umfangreich der geplante Stellenabbau ausfällt und wie es strategisch gesehen weitergeht. Vermutlich fällt nun jede vierte Stelle weg, Hunderte von Filialen stehen auf dem Prüfstand.

Nun aber muss die Commerzbank erst einmal einen neuen Aufsichtsratschef finden, der dann wiederum den Vorstandschef ernennt. Insider rechnen derzeit nicht damit, dass an diesem Mittwoch bereits eine Entscheidung fällt. Aus den Reihen der Aufsichtsratsmitglieder drängt sich wohl kein Kandidat wirklich auf - gut möglich daher, dass doch jemand "von außen" kommt. Für den Posten des Vorstandschefs haben wiederum Finanzvorständin Bettina Orlopp und Firmenkundenchef Roland Boekhout wohl die besten Chancen. Unklar ist auch noch, wie es beim Bundesverband deutscher Banken weitergeht: Zielke hatte sich erst am 22. April zum Präsidenten des Verbandes wählen lassen.

© SZ vom 07.07.2020

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