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Banken:Commerzbank streicht 10 000 Stellen

FILE PHOTO: Commerzbank AG annual results news conference in Frankfurt

Das Logo der Commerzbank in der Zentrale in Frankfurt: Die Großbank hat zuletzt auch einen neuen Vorstandschef bekommen.

(Foto: RALPH ORLOWSKI/REUTERS)

Die neue Führung der Bank kürzt jeden dritten Job und schließt Filialen. Nun soll es kein "Wachstum um jeden Preis" mehr geben.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Die Commerzbank-Führung hat die Details ihrer neuen Strategie festgezurrt. Nachdem am Donnerstag Informationen an die Medien durchgesickert waren, gab das Institut eiligst per Börsen-Pflichtmitteilung die Eckpunkte bekannt: Konzernweit sollen brutto 10 000 Stellen wegfallen, das ist jeder dritte Arbeitsplatz und damit etwas mehr als erwartet worden war. Zudem werde die Bank ihr Filialnetz von derzeit 790 auf nur noch 450 Standorte verkleinern und ihre digitalen Angebote für Kunden deutlich ausbauen. Nach SZ-Informationen sollen auch das Auslandsgeschäft und das Kapitalmarktgeschäft beschnitten werden.

Es ist der fünfte Umbau des Geldhauses in zehn Jahren - und vermutlich auch die letzte Chance für die Bank, eigenständig zu bleiben. Die Aktie der Commerzbank drehte bis zum frühen Abend mit gut sechs Prozent auf 5,75 Euro deutlich ins Plus, obwohl die Eckpunkte auf den ersten Blick wenig überraschend sind: Im Kern setzen Aufsichtsratschef Hans-Jörg Vetter und der neue Commerzbank-Chef Manfred Knof, der erst seit Jahresanfang im Amt ist, um, was auch das frühere Führungsduo Martin Zielke und dessen Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann im Sommer 2020 beschließen wollten. Die neue Führung will indes aber deutlich stärker auf die Kosten achten. Wachstum um jeden Preis soll der Vergangenheit angehören, hieß es sinngemäß in der Mitteilung. So sollen die Kosten im Jahr 2024 im Vergleich zu den erwarteten Zahlen für 2020 um 1,4 Milliarden Euro beziehungsweise rund 20 Prozent sinken. Demgegenüber sollen die Erträge stabil bleiben.

Schon im Sommer hatten Zielke und Schmittmann ähnliche Pläne auf den Weg bringen wollen, nachdem der Bund und Großaktionäre wie der US-Fonds Cerberus heftige Kritik an der dauerhaft zu niedrigen Profitabilität der Bank geübt hatten. Der Bund ist seit der Finanzkrise mit 15 Prozent an der Bank beteiligt. Allerdings trauten die Anteilseigner Zielke und Schmittmann die Umsetzung nicht mehr zu, weswegen beide kurz darauf zurücktraten. Auf Schmittmann folgte der frühere Landesbanker Vetter, der sich dann für den Ex-Allianz-Manager Knof als Vorstandschef entschied. Beide haben den Ruf, konsequent Kosten senken zu können und harte Entscheidungen zu fällen, woran es bei der Commerzbank in den vergangenen Jahren gehapert hatte.

Nach den gescheiterten Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank 2019 hatte die frühere Führungsspitze keinen wirklichen Neustart gewagt. Vielmehr verfolgten sie ihren wenig ambitionierten Plan weiter, der im Wesentlichen darin bestand, in eine aufgeblähte Kostenbasis quasi hineinzuwachsen: Man vergab aggressiv Kredite, warb mit teuren Prämien und einem kostenlosen Girokonto um Kunden. Zugleich hoffte man auf steigende Zinsen. Die Zinswende indes blieb ebenso aus wie der Erfolg: Die Rendite erwies sich als dauerhaft mikroskopisch, der Aktienkurs verharrte im Keller.

Das soll sich nun ändern: Für das Geschäftsjahr 2024 strebt die Commerzbank nun eine Eigenkapitalrendite von 6,5 bis 7 Prozent an, was deutlich mehr ist als das alte Ziel von rund vier Prozent. Der Vorstand habe dem Aufsichtsrat nun den Entwurf vorgelegt, der ihn am 3. Februar beschließen will, hieß es in der Mitteilung. Künftig stünde "Profitabilität vor Wachstum", etwa, wenn es um den effizienten Einsatz von Eigenkapital oder die Preise für Produkte geht, was bald auch die Kunden zu spüren bekommen könnten. Die Bankangebote sollen außerdem generell digitaler werden. Insgesamt 1,7 Milliarden Euro will der Vorstand für den Ausbau der IT in den kommenden vier Jahren in die Hand nehmen.

Knof macht nun zudem das, was viele neue Chefs zu Beginn tun: Er bereinigt das Geldhaus um einige Altlasten und bucht Kosten für den Konzernumbau und Kreditausfälle in die Bilanz 2020. Analysten rechnen daher im Durchschnitt mit 2,65 Milliarden Euro Verlust für das vergangene Jahr. Details zu Zahlen und Strategie folgen auf der Bilanzpressekonferenz am 11. Februar. Dann wird sich auch zeigen, ob das neue Führungsduo noch mehr Ideen hat, als nur Kosten zu senken. "Die Commerzbank muss die Ertragslage stabilisieren und verbessern", schrieb Volker Brühl, Professor am Center for Financial Studies an der Goethe-Universität Frankfurt, auf Twitter. Allein Kostensenkungen würde nicht reichen.

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