Kohlendioxid-Ausstoß Wie schärfere CO₂-Grenzwerte die Gesellschaft verändern

Der Verkehr - Autos wie Lastwagen - ist in Deutschland die drittgrößte CO₂-Quelle.

(Foto: dpa)
  • Um die schärferen CO₂-Ziele erreichen zu können, müssen die Hersteller auf Autos mit Elektroantrieben umstellen.
  • Noch scheinen die Kunden solche Fahrzeuge nicht zu wollen - doch alle Seiten werden ihre Gewohnheiten umstellen müssen.
Von Max Hägler

35 Prozent weniger Kohlendioxid bis 2030 - darauf haben sich die EU-Umweltminister verständigt. Was nach einer Debatte in ferner Zukunft klingt, wird schon bald den Verkehr und die Autoindustrie verändern. "Die neuen Grenzwerte werden eine Revolution auslösen", sagt Ferdinand Dudenhöffer, Automobilwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen. Seit 2010 messen europäische Behörden den CO₂-Ausstoß von Autos, weil dieser reduziert werden soll.

Der Verkehr - Autos und Lastwagen - ist in Deutschland die drittgrößte CO₂-Quelle, er trug im Jahr 2016 etwa 18 Prozent zu den Emissionen bei. Größere Emittenten sind nur die Energiewirtschaft und die Industrie. Um das Problem fassbar zu machen, hilft es, den Zusammenhang zwischen Spritverbrauch und CO₂-Ausstoß zu betrachten: Bei der Verbrennung von einem Liter Benzin entstehen 2370 Gramm CO₂. Bei Diesel ist es etwas mehr - dafür arbeitet er effizienter, es wird weniger benötigt; das ist auch ein Grund, wieso die Hersteller den Diesel so verteidigen.

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Seit 2015 dürfen Autos in Europa im Durchschnitt nur 130 Gramm CO₂ pro Kilometer ausstoßen, was 5,5 Litern Benzin auf 100 Kilometern entspricht. Ab 2021 gilt ein Durchschnitt von 95 Gramm CO₂ (4,0 Liter Benzin). Und bis 2030 soll der Verbrauch eben nochmals um 35 Prozent sinken, wobei Kleinsthersteller ausgenommen sind. Abhängig von den Modellen, also vom durchschnittlichen Fahrzeuggewicht, bekommen die Hersteller spezifische Grenzwerte vorgeschrieben, die um einige Gramm vom europäischen Durchschnitt abweichen können. Bei französischen Herstellern mit eher kleineren Wagen liegen diese niedriger als bei deutschen Premiumanbietern mit eher größeren Autos.

Mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren sind die zunehmend schärferen Ziele nicht zu erreichen, deren Überschreitung pro Gramm und Auto 95 Euro Strafe kostet. Die immer schwereren Fahrzeuge haben den Erfolg innovativer Sprit-Sparmaßnahmen, wie etwa Start-Stopp-Systemen, zunichte gemacht: Zuletzt stiegen die CO₂-Emissionen der Neuwagen wieder an und liegen gerade bei etwa 118 Gramm CO₂.

Die Hälfte aller Neuwagen dürfte 2030 elektrisch fahren

Also müssen immer öfter kleine oder große Elektromotoren in Autos dazugebaut werden, Hybridantriebe genannt, um den Anteil der Verbrennerfahrten zu reduzieren. Auch künstlich hergestellte Treibstoffe könnten künftig eine größere Rolle spielen, sogenannte E-Fuels. Vor allem aber müssen die Hersteller auf Autos mit Elektroantrieben umstellen - die Hälfte aller Neuwagen dürfte 2030 elektrisch fahren. Gut für die Stadtluft. Doch diese Wagen sind einfacher zu produzieren, also fallen Jobs weg. Und noch wollen die Kunden solche Fahrzeuge nicht, was die Industrie zu finanziellen Anreizen zwingt und die Rendite schmälert. Dabei verbleibt bei dieser Fahrzeugart sowieso viel Wertschöpfung bei den Hersteller der Batteriezellen, die bislang nicht aus Europa stammen.

Dudenhöffer und andere Branchenbeobachter gehen davon aus, dass nun eine europäische Zellfertigung doch wieder diskutiert wird. Auch wenn für den Moment der europäische Grenzwert sehr scharf sei, geht der Duisburger Professor davon aus, dass China bald noch weit strengere Regeln auflegen wird, die dann beinahe ausschließlich auf E-Autos setzen: "Im Jahr 2030 wird jedes dritte oder vierte Auto dort verkauft, da sollte Europa nicht hinterherlaufen."

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