Chronik eines Abstiegs:8. Mai 2009: "Roadmap 2012"

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Die Bank bekommt eine neue Strategie. Vor allem das Mittelstandsgeschäft und Privatkunden sollen verlässliche Gewinne liefern. Ab 2012 will Blessing jährlich ein operatives Ergebnis von vier Milliarden Euro erzielen. Geworden sind es dann im vergangenen Jahr nur 1,2 Milliarden Euro. "Blessing hat die Risiken der Bank völlig unterschätzt und die Gewinne überschätzt", sagt Analyst Hein.

6. April 2011: Der Kapital-Coup

Eine solche Kapitalerhöhung hat Deutschland noch nicht gesehen: 11 Milliarden Euro holt sich die Bank am Markt, legt noch über drei Milliarden oben drauf - und zahlt so in einem Rutsch über 16 Milliarden Euro an Staatshilfen zurück. Ein Coup oder ein Fehler? Hier scheiden sich die Geister. Durch die Maßnahme spart sich die Bank teure Zinszahlungen. Aber weil sie auch eigenes Geld für die Rückzahlung in die Hand nimmt, ist sie nach der Maßnahme kapitalschwach. Mehrere Analysten warnen, dass sich die Bank damit ins eigene Fleisch schneidet, weil sie aus Kapitalmangel Geschäft einstellt.

13. März 2013: Kapitalerhöhung reloaded

Handwerklich mangelhaft, attestieren Beobachter die Ausführung der jüngsten Kapitalerhöhung der Commerzbank. Wenn Unternehmen Geld von Anlegern wollen, machen sie ihre Quartalszahlen normalerweise besonders hübsch. Die Commerzbank aber ist besonders ehrlich: Sie steckt den gesamten Restrukturierungsaufwand des Jahres ins erste Quartal, das sieht nicht gut aus. Der Aktienkurs sinkt. Und Martin Blessing muss noch am Tag, an dem die Kapitalerhöhung abgeschlossen ist, im Bild-Interview versichern, dass die nächste Maßnahme nicht schon in der Schublade liegt.

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