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Christian Sewing:Deutsche-Bank-Chef warnt Manager vor "Bullshit"-Ausreden

Deutsche Bank - Christian Sewing

Er verlangt von seinen Mitarbeitern "Jägermentalität" und warnt vor "Bullshit"-Ausreden: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing.

(Foto: Arne Dedert/dpa)
  • Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat seine Mitarbeiter davor gewarnt, Fusionsgerüchte als Ausrede für schlechte Zahlen zu nutzen.
  • Immer wieder gibt es Spekulationen, dass die Deutsche Bank mit der Commerzbank fusionert. An den Finanzmärkten wird das skeptisch gesehen.
  • Als Sewing bei einem Telefonat mit Managern nun auf die Gerüchte angesprochen wurde, reagierte er mit deutlichen Worten: Das sei "Bullshit, Bullshit".

Von Meike Schreiber, Frankfurt

In der vergangenen Woche gab es mal wieder einen unschönen Rekord bei der Deutschen Bank: Nur noch 8 Euro und 42 Cent kosteten die Aktien von Deutschlands größtem Geldinstitut - so wenig wie noch nie. Grund waren unter anderem die schlechten Quartalszahlen. Zwar erholten sich die Papiere wieder ein wenig. Doch die Stimmung in den Frankfurter Doppeltürmen könnte in diesen Tagen besser sein. Vorsichtig formuliert.

Auch der neue Chef, Christian Sewing, schafft es bislang nicht, die Deutsche Bank aus ihrer strukturellen Krise herauszuführen. Unter ihm ist der Wert des Unternehmens sogar noch weiter gefallen. Als Sewing vor knapp acht Monaten den eher glücklosen John Cryan an der Spitze der Bank ablöste, kosteten die Aktien noch 11,35 Euro. Zu Cryans Antritt vor drei Jahren waren es noch 28 Euro, vor der Finanzkrise waren es sogar mehr als 100 Euro.

Sewing sah sich nun offenbar gezwungen, einmal richtig auf den Putz zu hauen. Das offenbart ein Telefonat Sewings mit ranghohen Managern, über das die Financial Times berichtet. In der Telefonkonferenz, die vergangene Woche stattfand, soll Sewing sich beklagt haben, dass Mitarbeiter die schlechten Zahlen der Bank mit Ausreden begründen. Mit Ausreden meinte er konkret die Spekulationen um einen möglichen Zusammenschluss mit der Commerzbank, die an den Finanzmärkten eher skeptisch gesehen wird.

Ein Manager der Deutsche-Bank-Tochter Postbank hatte im Telefonat offenbar darauf hingewiesen, dass die anhaltenden Gerüchte um eine Fusion die Mitarbeiter durchaus verunsicherten und auch Kunden immer häufiger danach fragten. Auch ein Kollege aus New York soll sich erkundigt haben, was nun mit der Fusion sei. "Bullshit, Bullshit", soll Sewing daraufhin gerufen und dafür auch Applaus geerntet haben. Fusionsgespräche seien derzeit überhaupt nicht auf der Tagesordnung und man werde auch nicht damit loslegen, schon gar nicht, solange der Aktienkurs der Deutschen Bank so niedrig sei. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Sewing mit einem deutlichen Appell an die Mitarbeiter berichtet. Unmittelbar nach seinem Amtsantritt hatte er sie aufgefordert, ihre "Jägermentalität" zurückgewinnen

Die Mitarbeiter sind zunehmend verunsichert

Fusionsgerüchte gehören zwar zu den ewigen Wiedergängern im deutschen Bankenmarkt, vor allem, wenn es um die Commerzbank und die Deutsche Bank geht. Diesem Sommer aber schien es, als sei an den Überlegungen, die beiden größten deutschen Privatbanken zeitnah zu vereinen, tatsächlich etwas dran. Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte vieldeutig gesagt, er wünsche sich eine starke deutsche Bank. Und auch Sewing hatte nichts Besseres zu tun, als auf einer Konferenz für mehr Zusammenschlüsse unter Europas Banken zu werben, ohne sich allerdings konkret zu einer Fusion in Deutschland zu äußern. Im Hintergrund hatten hochrangige Investmentbanker anderer Banken außerdem offen über eine baldige Fusion als Rettung für die beiden kriselnden Geldhäuser spekuliert. Das heizte die Gerüchte an, allerdings nicht die Aktienkurse.

Bei vielen Angestellten der beiden Banken herrscht vor allem Verunsicherung. "Große Teile der Belegschaft spekulierten derzeit darüber, ob und wo sie demnächst welchen Arbeitsplatz haben werden" beklagten sich Mitarbeitervertreter der Deutschen Bank unlängst in einem Brief an den Vorstand. Sie wollten durchaus wissen, "was genau an den zahllosen Spekulationen und Gerüchten rund um Commerzbank-Fusion, Holdingstruktur und Personalabbauplänen dran sein kann", schrieben sie. Man nehme "eine zunehmende Verunsicherung und auch Frustration" unter den Mitarbeitern wahr, hieß es in dem Brief. Nun wissen sie immerhin was Sache ist. Alles offenbar nur "Bullshit".

© SZ.de/jps
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