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Chemieindustrie:Mission possible

Der Chemie-Konzern BASF leidet heftig unter der Pandemie. Und das ist nicht die einzige Sorge von Vorstandschef Martin Brudermüller. Dennoch bleibt er optimistisch.

Von Elisabeth Dostert, Berlin

BASF-Chef Martin Brudermüller will den Chemiekonzern schlagkräftiger machen.

(Foto: Sonja Marzoner)

BASF-Vorstandschef Martin Brudermüller ist Optimist. Eigentlich. Deshalb wirkt das, was er sagt, dann doch ein wenig düster. "Wir werden verstärkt Insolvenzen sehen. Wir werden Brüche in den Strukturen sehen", sagt Brudermüller mit Blick auf die deutsche Industrie: "Etliche Herausforderungen liegen noch vor uns und nicht hinter uns." Und nicht nur das sorgt ihn: "Die Zunahme von Ungleichgewichten in der Welt ist wirklich beängstigend. Wir spüren das in allen Märkten, in denen wir sind."

Unter dem Lockdown hat der Konzern heftig gelitten, viele Monate lang wagte der Vorstand keine Prognose für das Gesamtjahr 2020. Und eine mittelfristige Prognose wagt Brudermüller immer noch nicht. "Wir kommen langsam wieder hoch, aber wir sind natürlich weit davon entfernt, wie es vor der Krise wahr. Wir gehen davon aus, dass wir auch noch eine ganze Weile brauchen."

Ein Fünftel des Umsatzes wird mit der Autoindustrie erwirtschaftet

Es sind schwere Zeiten für den Chef des Chemiekonzerns. Seine Krise begann nicht erst mit der Pandemie. Ein Fünftel seines Umsatzes macht er mit der Autoindustrie, und da lief es schon 2019 schlechter. Das Geschäftsjahr 2020 wird BASF mit einem Verlust abschließen. Schon in den ersten drei Monaten lag das Ergebnis nach Steuern vor allem aufgrund massiver Wertberichtigungen bei minus 2,1 Milliarden Euro. Das kann der Konzern im vierten Quartal unmöglich ausbügeln. Brudermüller muss sparen und Stellen abbauen.

Seit Mai 2018 ist er Vorstandschef. Ein halbes Jahr ließ sich Brudermüller Zeit, um sein Programm zu präsentieren. Der Konzern soll schneller, effizienter, nachhaltiger, digitaler, mutiger und schlagkräftiger werden. Am ambitioniertesten ist vielleicht sein Klimaziel. Bis 2030 soll BASF CO2-neutral wachsen. Die Produktion soll um die Hälfte zulegen, die Treibhausgasemissionen nicht. Das Klima treibt ihn um. Das sagt Brudermüller nicht nur so dahin. Aber eine Dekarbonisierung der Chemieindustrie hält er für unmöglich. Sie könne auf Kohlenstoff nicht verzichten, viele Verfahren sind energieintensiv und basieren bislang auf fossilen Energieträgern.

Nachhaltigkeit hat für Brudermüller "drei Beine", mahnt er in der Diskussionsrunde in Berlin. "Wir diskutieren gerade ganz extrem im Green Deal nur die ökologische Schiene. Die können wir aber nur fahren, wenn wir ökonomisch erfolgreich sind und zugleich die soziale Dimension managen." Brudermüller mahnt, die Kräfte in Europa zu einen, um in der Welt zu bestehen. "Wir müssen stärker in Europa zusammenarbeiten. Wir müssen unser eigenes Profil suchen." Für die Regierung des neuen US-Präsidenten Joe Biden werde nicht die Beziehung zu Europa an erster Stelle stehen. "Er muss seine Kraft auf das eigene Land konzentrieren, wenn er tatsächlich der Präsident aller werden will."

Brudermüller ist Optimist, aber auch Realist.

© SZ/koe
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