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Energieverband BDEW:Stefan Kapferer - der neue Cheflobbyist der Energiebranche

Stefan Kapferer - Vorstellung OECD-Bildungsbericht

Der neue Energielobbyist hat sich in seiner Zeit als Staatssekretär durch nüchternes Politikmanagement viel Anerkennung erworben.

(Foto: dpa)
  • Der Ex-Staatssekretär Stefan Kapferer soll schon bald der Chef des deutschen Energie-Lobbyverbands BDEW werden.
  • Der Verband schätzt Kapferer wegen seiner Drähte ins Kanzleramt und zum Koalitionspartner SPD.

Kürzlich war Stefan Kapferer mal wieder in Sachen Energie unterwegs. In Istanbul trafen die Energieminister der Staatengruppe G 20 zusammen, es ging um Klimaschutz und die Rolle einer "nachhaltigen Energieversorgung". Früher hätte Kapferer so einem Treffen als Regierungsvertreter beigewohnt, doch diesmal kam er als Vertreter der industrialisierten Welt. Schließlich ist Kapferer stellvertretender Generalsekretär der OECD in Paris. Noch.

Schon bald soll der 50-jährige Verwaltungswissenschaftler wieder nach Berlin wechseln, als Cheflobbyist des wichtigsten deutschen Energieverbandes, des BDEW. So schwebt es dessen Präsidium vor. Der Vorstand soll kommenden Donnerstag noch sein Plazet geben. Alles andere als eine Zustimmung wäre eine Überraschung, denn in der Branche ist Kapferer bestens bekannt. Das liegt an jenem Jahr, das Deutschlands Stadtwerke und Energiekonzerne wohl nie vergessen werden: 2011.

Wilde Tage im Wirtschaftsministerium

Nach dem Unglück im japanischen Fukushima geraten damals nicht nur Teile der deutschen Stromwirtschaft ins Straucheln, sondern auch Kapferers Partei, die FDP. An deren Spitze macht Guido Westerwelle Platz für einen gewissen Philipp Rösler, bis dahin Bundesgesundheitsminister. Neben dem Amt des Vizekanzlers beansprucht Rösler auch das des Wirtschaftsministers, und als Staatssekretär bringt er einen seiner engsten Vertrauten mit: Stefan Kapferer. Der diente Rösler schon als Staatssekretär, als der noch Wirtschaftsminister in Niedersachsen war, er folgte ihm auch ins Gesundheitsministerium. Als Kapferer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium wurde, war die Energiepolitik eine Großbaustelle, während die schwarz-gelbe Bundesregierung am Beispiel Griechenlands erstmals durchspielte, wie eine halbwegs geordnete Staatsinsolvenz aussehen könnte. Es waren wilde Tage.

Kapferer hat sich viel Anerkennung erworben in jener Zeit, und das durch nüchternes Politik-Management. Den Absturz der FDP konnte er damit nicht verhindern, wohl aber seinen eigenen: Auch Röslers Nachfolger Sigmar Gabriel behielt Kapferer noch für ein knappes Jahr, ungeachtet des Parteibuchs. Statt mit Energiepolitik befasste Kapferer sich fortan mit so heiklen Fragen wie dem transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP. Im Herbst 2014 schließlich wechselte er zur Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und wirtschaftliche Entwicklung nach Paris, kümmerte sich dort um Bildung, Forschung, Gesundheit.

Vom pompösen OECD-Bau in die sachlichen BDEW-Räume

Es war sein erster Posten im Ausland und, sieht man von der Zeit unter Gabriel mal ab, die erste Anstellung jenseits der FDP. Das "Kosmopolitische" an dem Job, die Zusammenarbeit mit 34 unterschiedlichen Nationen, so hat Kapferer mal gesagt, fasziniere ihn. Doch statt des pompösen OECD-Baus im 16. Arrondissement, nicht weit vom Stadtwald Bois de Boulogne, wird er bald die sachlichen BDEW-Räume nahe dem Berliner Regierungsviertel beziehen, wo bisher die CDU-Frau Hildegard Müller residierte. Die geht zu RWE.

Für die politische Landschaftspflege in Berlin hatte die Spitze des Lobbyverbandes zunächst einen CDU-Politiker im Auge, der Kontakte ins Kanzleramt wegen. Gefunden hat sie in Kapferer nun einen FDP-Mann, der in beide Richtungen Drähte hat: zum Kanzleramt aus jener Zeit, in der er für FDP-Chef Rösler die Amtsgeschäfte des Vizekanzlers koordinierte, und zum Koalitionspartner SPD durch seine Arbeit für Wirtschaftsminister und SPD-Chef Gabriel. Zu tun gibt es genug für ihn, auch nach innen. Die Lage vor allem der großen Stromkonzerne ist mau, und manche der kleineren zieht es zum kommunalen Konkurrenzverband VKU. Es ist wieder wie 2011: ein heikler Job in heikler Zeit.

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