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Brötchenstreit: Bäcker contra Aldi:Die Tradition bröselt

Bäcker und Aldi streiten um die Qualität von Brot und Brötchen. Dabei waren die alten Standards des Handwerks schon längst vor dieser Querele auf dem Rückzug - die Konkurrenz wird einfach zu groß.

Um gute Semmeln zu backen, braucht man viel Enthusiasmus. Bäckermeister Andreas Oberprieler hat ihn noch. An sechs Tagen in der Woche steht der 56-Jährige, der vier Filialen in Landshut betreibt, morgens um halb zwei auf, um kurz darauf seine Backstube aufzuschließen. Dann rührt er den Teig für Schwarzbrot an, weil der am längsten ziehen muss. Anschließend folgen Weißbrot, Brezen und diverse Brötchensorten. Ungefähr 1800 Stück schafft er mit seinen sieben Mitarbeitern in der Stunde.

Brothunger der Deutschen trotz anstehender Preisanhebung ungebrochen

Billig-Brot vom Discounter macht den deutschen Bäckern zu schaffen: Vor allem die Personalkosten sorgen für schlechte Luft in vielen Backstuben.

(Foto: ag.ddp)

Ein Knochenjob, den in Deutschland immer weniger Bäcker ausüben wollen. Das zeigt die Statistik: Seit Beginn der 1990er Jahre hat sich die Zahl der traditionellen Bäckereien beinahe halbiert, auf nur noch 15.000. "Das Sterben der Betriebe geht weiter", sagt Peter Becker, Präsident des Zentralverbandes des Bäckerhandwerks. Allein im vergangenen Jahr gaben zwei Prozent der Handwerksbetriebe auf.

Schuld daran sind nicht nur die harten Arbeitsbedingungen, sondern vor allem der starke Wettbewerb durch Discounter und andere Billiganbieter, die Tiefkühlware teilweise sogar aus dem Ausland importieren und hier nur noch aufbacken lassen.

Bäckt er wirklich?

Doch der Bäckerverband will diese Entwicklung nicht mehr einfach so hinnehmen. Gerade erst hat er Aldi verklagt, wegen irreführender Werbung. Ein angeblich neues Angebot an frisch gebackenem Brot und Brötchen sei in Wirklichkeit nichts anderes als eine Mogelpackung, die nur aus leicht aufgewärmter und angebräunter Ware bestehe, so der Vorwurf. Der Discounter, der das Angebot schrittweise in 1780 Filialen einführen will, widerspricht vehement

Den Konkurrenzdruck bekommt auch Bäckermeister Oberprieler zu spüren. In Landshut gibt es vier Aldi-Filialen. Bei drei davon können Kunden seit einigen Monaten Brot- und Backwaren "frisch" aus dem Automaten kaufen. "Backofen" heißt die Marke, die Aldi Ende vergangenen Jahres zunächst in Süddeutschland lanciert hat. Die ockerfarbene Maschine ist in drei Fächer aufgegliedert: links gibt es Weizensemmeln zum Stückpreis von 15 Cent, in der Mitte Brotlaibe, rechts Laugenbrezen für 39 Cent.

Wer drei Brötchen will, muss dreimal auf das blaue Knöpfchen drücken. "Immer frisch von früh bis spät", verspricht die Aufschrift auf der Aldi-Gebäcktüte. Was der Automat aber genau macht, ehe er die Semmel ausspuckt, muss nun ein Gericht klären.