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BP gegen das Internet:Erst das Image, dann der Strand

BP versucht sich im Internet ein gutes Image zu verschaffen. Doch die Online-Gemeinde wehrt sich - und rechnet auf ihre Weise mit BP ab.

Was tun, wenn verschütteter Kaffee über den Konferenztisch läuft? Ganz klar, man kippt den Inhalt des Abfalleimers dazu und hofft, dass der Müll den Kaffee aufsaugt. So zu sehen in einer bitterbösen Parodie auf den britischen Ölkonzern BP und seine Versuche, das Bohrloch im mexikanischen Golf zu schließen.

A BP logo is seen at a petrol station in central London

Gutes Image ade: Werbefilme und Anzeigenkampagnen helfen nicht, die Internetgemeinde hat sich auf BP eingeschossen.

(Foto: ag.rtr)

"BP spills coffee", BP verschüttet Kaffee, heißt das kleine Filmchen schlicht und ist damit der aktuelle Renner im Netz: Mehr als drei Millionen Klicks erreichte das Video allein beim Onlineportal Youtube in weniger als einer Woche.

Die knapp dreiminütige Abrechnung ist nicht das einzige Video, in dem sich die Internetöffentlichkeit über BP hermacht. Der Konzern ist gerade das Lieblingsopfer der lästerfreudigen Netzgemeinde - und diese Online-Clips bringen den Milliardenkonzern BP ordentlich in die Bredouille.

Klicks sind die neue Währung im Kampf um die öffentliche Meinung. Unternehmen investieren deshalb Milliardenbeträge in ihr Image im Netz. Trotzdem gelingt es den Firmen nur in den wenigsten Fällen, einmal drei Millionen Menschen für einen Imagefilm im Internet zu begeistern.

Doppelter Reinfall im Internet

Drei Millionen Aufrufe für ein Video, das BP in ein negatives Licht rückt, sind für den Konzern deswegen keine Kleinigkeit, zumal BP seit Beginn der Ölkatastrophe versucht hat, die Meinungsbildung im Netz zu kontrollieren - erfolglos. Zum ersten Mal probierte BP, das Internet für sich zu nutzen, als die Firma die "Operation Top Kill", also den Versuch, das Bohrloch mit Müll zuzustopfen, via Webcam live ins Internet übertragen ließ.

Die Idee erwies sich als doppelter Reinfall: Zum einen blieben die erhofften Bilder vom Erfolg aus. Und es tauchten Spekulationen auf, die Bilder seien manipuliert, damit die Öffentlichkeit das wahre Ausmaß der Katastrophe nicht zu sehen bekäme.

Auch in den folgenden Wochen bewies BP wenig Gespür für den Umgang mit dem Netz. So kaufte das Unternehmen bei der Suchmaschine Google Suchbegriffe rund um die Ölkatastrophe. Wer also "oil spill", Ölleck, in die Suchmaske tippte, landete zuerst auf den Seiten von BP.

Dort konnten die Nutzer dann erfahren, "wie BP hilft" - unterlegt mit Fotos von gut gelaunten Arbeitern, die bei strahlend blauem Himmel am Ufer des strahlend blauen Meeres ein bisschen Ölschlick wegräumen. Mindestens 10.000 Euro kostet die Google-Aktion pro Tag, lauten Branchenschätzungen.

Eine Strategie, die in Foren im Netz natürlich nicht unkommentiert bleiben konnte. "BP ist derzeit damit beschäftigt, sein Image zu säubern", wird da geätzt, "aber die Strände sind ganz sicher der nächste Punkt auf ihrer To-Do-Liste."

Geschäfte mit der Ölkatastrophe

Schmutziges Geld