Automobilindustrie BMW verschärft seinen Sparkurs

Der BMW-Firmensitz in München: Der Hersteller hat 2018 zwar mehr Autos verkauft als im Vorjahr, der Gewinn ging aber zurück.

(Foto: Tobias Hase/dpa)
  • BMW will in den kommenden vier Jahren zwölf Milliarden Euro einsparen, unter anderem durch weniger Motorvarianten und Modelle.
  • In Summe sollen keine Stellen gestrichen werden, einige werden jedoch von den Ingenieur- und Verwaltungsbereichen zur IT verlagert.
  • Der Autobauer verkaufte 2018 zwar mehr Fahrzeuge als im Vorjahr, doch der Umsatz ging leicht zurück, der Gewinn sogar deutlich: um 17 Prozent. Vor allem mit Abgasnormen, Preiskämpfen und Handelskonflikten hatte BMW zu kämpfen.
Von Max Hägler und Veronika Wulf

Der Münchner Autobauer BMW verschärft seinen Sparkurs weiter. So soll etwa der aufwendige Prototypen-Bau drastisch reduziert werden. Dank besserer Computersimulationen kann der Hersteller auf 2500 Modelle in Originalgröße verzichten und damit ein Drittel der Entwicklungszeit einsparen, erklärte BMW-Vorstandschef Harald Krüger bei der Vorstellung der Jahresbilanz in München. Zugleich sollen von 2021 an bis zu 50 Prozent der Antriebsvarianten entfallen, also weniger unterschiedliche Motoren hergestellt werden. Auch bei den Modellen will BMW sparen: Der 3er Gran Turismo beispielsweise wird keinen Nachfolger haben. Durch diese Maßnahmen will das Unternehmen in den kommenden vier Jahren zwölf Milliarden Euro einsparen.

Im Gegensatz zu anderen Herstellern will der bayerische Autobauer in der Summe keine Stellen streichen. Bei gleichbleibendem Personalstand soll jedoch der Zuschnitt geändert werden: Stellen in bisherigen Ingenieur- und Verwaltungsbereichen werden nicht nachbesetzt. Stattdessen sollen vor allem IT-Spezialisten eingestellt werden. "Wir haben eine gegenüber den Vorjahren erhöhte natürliche Fluktuation aufgrund geburtenstarker Jahrgänge", sagte Krüger.

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Im vergangenen Jahr drückten Abgasnormen, Preiskämpfe und die Handelskonflikte zwischen China und den USA auf das Ergebnis. Der Autobauer verkaufte zwar mehr Fahrzeuge als im Vorjahr, doch der Umsatz ging leicht zurück, auf 97,5 Milliarden Euro. Der Gewinn brach sogar um 17 Prozent ein, auf 7,2 Milliarden Euro. Die Dividende für die Aktionäre wird nun entsprechend gekürzt. In diesem Jahr wird sich der Gewinnrückgang fortsetzen, erwartet BMW. Allein durch steigende Rohstoffpreise und den starken Euro rechnet das Unternehmen mit zusätzlichen Kosten von einer halben Milliarde Euro.

"Unsere Performance 2018 entspricht nicht unserem hohen Anspruch"

Das Sparen - im Unternehmenssprech: "Kostenmanagement" - ist üblich in der Industrie, so wird auch unter dem sperrigen Namen "Performance Next" seit 2017 bei BMW gespart. Allerdings sind die Umstände und die Wortwahl jetzt eher ungewohnt: Von "ungewissem Umfeld" ist die Rede. Ein Unternehmen müsse mit seinem Geschäftsmodell nachhaltig Geld verdienen. Und Finanzchef Nicolas Peter mahnt: "Unsere Performance 2018 entspricht nicht unserem hohen Anspruch."

Krüger hatte bereits am Wochenende im Interview mit der Süddeutschen Zeitung den Druck deutlich gemacht, unter dem BMW steht: Um elektrisch fahrende Roboterautos zu entwickeln, sei ein "deutlich zweistelliger Milliardenbetrag" nötig. Neben den Roboterautos und der Elektrifizierung muss das Unternehmen die Vernetzung von Fahrzeugen vorantreiben und Verbrennerautos weiter optimieren. Die Parallelität dieser Entwicklungen sei herausfordernd und existenzbedrohend: "Wir müssen die Elektromobilität vorantreiben, sonst schaffen wir die CO₂-Ziele nicht", sagte Krüger. "Das würde teure Strafzahlungen bedingen und nicht zur Reputation passen. Und wenn wir nicht schnell genug beim autonomen Fahren sind, sind wir auch weg. Wir kämpfen, damit wir so stark bleiben, wie wir sind."

Was die staatliche Förderung von Elektroautos angeht, hat Krüger VW-Chef Herbert Diess widersprochen. Der hatte von der Bundesregierung gefordert, die Subventionen auf kleine vollelektrische Autos zu konzentrieren. BMW dagegen setzt auf größere Autos und Hybrid-Modelle. Er sei "ganz klar anderer Meinung" als Diess, sagte Krüger am Mittwoch in München. In verschiedenen Teilen der Welt entwickelten sich die Elektromobilität sowie die Infrastruktur für rein batteriebetriebene Fahrzeuge sehr unterschiedlich schnell. In einigen Ländern sei auch Wasserstoff eine Alternative zur Batterie. Darüber "werden wir heute Abend intensiv diskutieren", sagte Krüger. Dann reffen sich nämlich die Chefs von Daimler, BMW und VW mit dem Präsidenten des Autoindustrieverbands VDA, um eine gemeinsame Haltung zu finden.

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