Taxi-Markt Londoner Black Cabs kommen nach Deutschland

Londoner Taxis könnten bald auch in anderen europäischen Staaten zum Straßenbild gehören.

(Foto: Honorarfreies PR Foto von LEVC)
  • Die Firma LEVC, die für London die typischen Black Cabs herstellt, will diese künftig im großen Stil exportieren - vor allem nach Deutschland.
  • Bereits etwa 200 Hybrid-Fahrzeuge haben sie in Deutschland abgesetzt - wollen aber nicht für jeden Kunden welche herstellen.
  • Ein Problem ist für LEVC jedoch der Brexit: Er könnte für die Firma weniger Verkäufe in der EU bedeuten.
Von Björn Finke, London

Sie gehören zu London wie rote Doppelstockbusse oder deutsche Schülergruppen auf Klassenfahrt: die knubbeligen, meist schwarzen Taxis. Geht es nach dem Hersteller LEVC, sollen diese berühmten Black Cabs demnächst auch in anderen europäischen Staaten zum Straßenbild gehören, etwa in Deutschland. Die Firma aus Coventry will die geräumigen Droschken im großen Stil exportieren. "Deutschland ist dafür zunächst unser Hauptmarkt", sagt Jörg Hofmann. Der 52-jährige Deutsche ist seit Anfang Februar Chef des Unternehmens, einer Tochter des chinesischen Geely-Konzerns.

Die Chinesen kauften den englischen Traditionsbetrieb 2013 aus der Insolvenz. Dann investierten sie 325 Millionen Pfund, um am Stadtrand von Coventry eine moderne Fabrik hochzuziehen und ein neues Modell zu entwickeln. Dieses Fahrzeug namens TX hat statt des Dieselmotors seiner Vorgänger einen Hybridantrieb. Die Black Cabs wurden also grün: Sie summen mit Elektroantrieb herum, und nur wenn die Batterie zu Neige geht, springt ein Benzinmotor an, um sie aufzuladen. Das alte Werk für Dieseldroschken wurde geschlossen; sie werden nicht mehr angeboten.

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Der Umstieg auf Hybridantrieb war nötig, damit das Unternehmen nicht aus seinem wichtigsten Markt ausgesperrt wird: London. Die Verkehrsbehörde lässt seit Januar 2018 nur noch Taxis neu zu, die mindestens 48 Kilometer am Stück ohne Abgase fahren können, also elektrisch. Das dient dem Kampf gegen die schlechte Luft in der 8,8-Millionen-Stadt. Pünktlich zum Januar vergangenen Jahres wurde auch das erste Hybrid-Black-Cab ausgeliefert.

Firmenchef Hofmann schätzt allerdings, dass außerhalb Großbritanniens nur wenige seiner Autos als Taxis herumfahren werden. In Deutschland etwa sei es "brutal", im Taximarkt Fuß fassen zu wollen, sagt er: "Der Aufwand dafür stünde in keinem Verhältnis zum möglichen Umsatz." Zwar habe LEVC ein paar Black Cabs an deutsche Taxibetreiber verkauft, doch hier seien keine nennenswerten Mengen zu erwarten. Stattdessen setzt der ehemalige Audi-Manager für sein Exportgeschäft auf neue Anbieter, die auch Passagiere transportieren wollen, aber nicht dem klassischen Taxiprinzip folgen.

In Deutschland hat LEVC - das steht für London Electric Vehicle Company - Fahrzeuge an Clevershuttle sowie an Ioki Hamburg verkauft, beides Töchter der Deutschen Bahn. Bei diesen Unternehmen ordern Kunden Autos über Handy-Apps. Die Betreiber versuchen, die Fahrten von mehreren Passagieren zusammenzulegen. Die Wagen halten zwischendurch an, um andere Reisende ein- und aussteigen zu lassen. Die Fahrt dauert dadurch länger als mit einem Taxi, und der Nutzer muss das Auto mit Fremden teilen, doch dafür ist die Reise billiger. Solchen Anbietern liefert LEVC die Autos ohne Taxischild und Taximeter, aber ansonsten gibt es keine wesentlichen Unterschiede zu den Black Cabs. Insgesamt haben die Briten bislang etwa 200 Fahrzeuge in Deutschland abgesetzt.

Die Autos aus Coventry haben Platz für sechs Passagiere und sind so geräumig, dass ein Rollstuhl oder ein Kinderwagen einfach hineingeschoben werden kann. Das ist praktisch für Anbieter wie Clevershuttle, die möglichst immer mehrere Passagiere in einem Wagen transportieren wollen. Und in Zeiten, in denen über Fahrverbote für Dieselautos diskutiert wird, soll der Hybridantrieb ebenfalls ein Verkaufsargument sein, hofft der Hersteller.

Gemeinsam mit den Taxifahrern anstatt gegen sie

Mit dem umstrittenen Fahrdienst-Vermittler Uber ist LEVC aber nicht im Geschäft. Das wäre auch schwierig, sagt Hofmann, da viele Taxibetreiber Uber als Feind betrachteten. Und Taxifahrer sind wichtige Kunden der Firma, zumindest in Großbritannien. Unternehmen wie Clevershuttle seien mit ihrem Konzept hingegen keine direkte Konkurrenz zu Taxis, sagt der Deutsche, der bei Audi zuletzt Chef der brasilianischen Tochter war.

Hofmann will jedoch erst im kommenden Jahr den Fokus auf Wachstum und Exporte legen. Bis dahin will der Manager noch "einige Hausaufgaben erledigen", wie er sagt. Er möchte die Kosten senken und Abläufe effizienter gestalten. Bislang würden die Prozesse in der neuen Fabrik vielleicht mit einer Jahresproduktion von 2500 Autos funktionieren, nicht aber mit 15 000, klagt er.

Im laufenden Jahr will LEVC 2000 bis 2500 Fahrzeuge herstellen und verkaufen, doch die Fertigung soll später kräftig steigen. Hofmann schätzt, dass das Unternehmen jedes Jahr 2500 Taxis absetzen kann, vor allem in Großbritannien und hier in erster Linie in London. Daneben will er jährlich 2500 Autos an neue Anbieter wie Clevershuttle losschlagen, in ganz Europa. Und dann soll 2020 oder 2021 die Produktion eines kleinen Lieferwagens mit Hybridantrieb beginnen. Davon könne die Firma 10 000 im Jahr in Europa verkaufen, hofft der Chef.

Schon auf Brexit ohne Vertrag vorbereitet

Ursprünglich war geplant, dass das Modell schon in diesem Jahr vom Band läuft, doch das Unternehmen entschied, das Konzept zu ändern und die Einführung zu verschieben. Die Engländer wollen nun bei der Entwicklung solcher Wagen enger mit der chinesischen Konzernmutter Geely zusammenarbeiten. Hofmann geht davon aus, dass der Markt für umweltfreundliche Lieferwagen stark wachsen werde: "Bei mir zu Hause stehen jeden Tag zwei oder drei Lieferwagen mit laufendem Dieselmotor vor der Tür, weil wir alles im Internet einkaufen und das gebracht werden muss." Früher oder später würden sich Onlinehändler wie Amazon oder Logistikkonzerne nicht mehr erlauben können, Fahrzeuge mit dreckigen Motoren durch Städte zu schicken, sagt er.

Ein Problem für LEVC - und die anderen Autohersteller auf der Insel - ist der Brexit. Sollten die Briten die EU doch ohne gültigen Vertrag verlassen, würden sofort Zölle und Zollkontrollen eingeführt; an den Häfen käme es vermutlich zu Chaos und Staus. Hofmann klagt, dass Zölle von zehn Prozent für seine Autos 20 bis 30 Prozent weniger Verkäufe in der EU bedeuten könnten. Das Unternehmen hat seine Lager aufgestockt, für den Fall, dass bei einem ungeregelten Brexit Lastwagen mit Zulieferteilen an den Häfen stecken bleiben. "Wir können zwei Monate ohne Zulieferungen überleben", sagt der Chef. Wie beruhigend.

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