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Bildstrecke:Deutsche Unternehmen und ihre Rolle in der NS-Zeit

Die Dokumentation "Das Schweigen der Quandts" belebt die Debatte um deutsche Unternehmen und ihre NS-Vergangenheit neu. Einige Unternehmen beauftragten Historikerkommissionen für die Aufarbeitung ihrer Unternehmensgeschichte und gestanden eine historische Mitschuld an den Verbrechen des Nationalsozialismus ein. Ein Überblick.

9 Bilder

Günther Quandt, Foto: ddp

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Quandt-Familie

Die Dokumentation "Das Schweigen der Quandts" brachte die unrühmliche Rolle des Unternehmers Günther Quandt in der Zeit des Nationalsozialismus ans Licht. Die Beteiligung deutscher Unternehmen am NS-Regime ist wieder aktuell geworden.

Die Familie Quandt beauftragte vor kurzem den Historiker Joachim Scholtyseck, ihre Vergangenheit zu erforschen. Einen ähnlichen Weg beschritten bereits verschiedene deutsche Konzerne.

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Hitler besichtigt VW Käfer, Foto: dpa

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Volkswagen

Der Volkswagen-Konzern beauftragte vor Jahren den Historiker Hans Mommsen, die Geschichte des Unternehmens aufzuarbeiten. Ein Ergebnis der Untersuchung: Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Volkswagenwerk auf die Produktion von Rüstungsgütern umgestellt - rund 20.000 Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und auch KZ-Häftlinge wurden dabei eingesetzt.

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Saul Friedländer, Foto: AP

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Bertelsmann

Die Bertelsmann AG setzte 1999 eine unabhängige Kommission zur Erforschung der Geschichte des Hauses Bertelsmann im Dritten Reich ein, die vom Israeli Saul Friedländer (Bild) geleitet wurde. Zuvor waren Vorwürfe in der Presse gegen die Rolle von Bertelsmann im Dritten Reich aufgetaucht.

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Deutsche Bank, Filiale Frankfurt Rossmarkt, Foto: AFP

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Deutsche Bank

Die Deutsche Bank beauftragte im Jahr 1997 eine Historikerkommission, die eigene Geschichte zur Zeit Hitler-Deutschlands aufzuarbeiten. Als 1938 begonnen wurde, jüdisches Vermögen zu enteignen, stellten sich führende Vertreter der Bank widerstandslos in den Dienst des nationalsozialistischen Staates. Bis zum Kriegsende wurde das Vermögen jüdischer Kunden fast zur Gänze an das Deutsche Reich abgeführt. Auch an Unternehmen, die am Bau des Konzentrationslagers Auschwitz beteiligt gewesen waren, hatten Filialen der Deutschen Bank Kredite vergeben.

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Dresdner Bank Nürnberger Prozeße, Foto: DPA

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Dresdner Bank

Auch die Tätigkeiten der Dresdner Bank in der Zeit des Nationalsozialismus wurden von einer unabhängigen Historikerkommission beleuchtet. Im Zuge der Bankenkrise von 1931 kam die Dresdner Bank mehrheitlich in den Besitz des Deutschen Reiches. In den folgenden Jahren war die Bank an der Enteignung jüdischer Vermögen beteiligt und hatte eine enge Verbindung zur SS. Die Dresdner Bank finanzierte Rüstungsprojekte und hielt 26 Prozent an der Breslauer Huta AG, einem damals führenden Baukonzern, der Baumaßnahmen im Vernichtungslager Auschwitz ausführte - dazu gehörte auch die Errichtung von Krematorien.

Am 20. Dezember 1947 wurde im großen Schwurgerichtssaal des Nürnberger Justizpalastes der Prozeß gegen 21 ehemalige Diplomaten und Wirtschaftsführer der "Wilhelmstraße" eröffnet. Die Urteilsverkündung erfolgte am 14. April 1949. Ein Angeklagter der Nürnberger Prozesse war der Ex-Dresdner-Bank-Vorstand Karl Rasche (hintere Reihe, 4. von rechts), er bekam sieben Jahre Haft.

Die Aufarbeitung ihrer Geschichte ließ sich die Dresdner Bank 1,6 Millionen Euro kosten, zehn Historiker forschten acht Jahre daran. Es gab eine umfassendere Zusammenarbeit zwischen Nazis und Dresdner Bank als zuvor vermutet, so das Ergebnis des Berichts. Foto:dpa

Zug der Erinnerung, Foto: dpa

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Deutsche Bahn

Erst durch die Reichsbahn, das Vorgängerunternehmen der Deutschen Bahn AG, wurden Deportationen in die Konzentrationslager möglich. Die Reichsbahn verdiente an den Massentransporten von Gefangenen aus ganz Europa in die Vernichtungslager: pro Kilometer erhielt sie vier Pfennig.

Mit der Austellung "Zug der Erinnerung" will die Deutsche Bahn an Kinder aus Deutschland und anderen Ländern Europas erinnnern, die während der NS-Zeit in Waggons der Reichsbahn deportiert worden sind. Der Zug fährt seit November quer durch Deutschland, die KZ-Gedenkstätte Auschwitz wird die letzte Station der rollenden Ausstellung sein.

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IG-Farben Fabrik Auschwitz-Monowitz, Foto: dpa

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Degussa und IG Farben

Die Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung (Degesch) war eine der führenden Firmen auf dem Gebiete der Schädlingsbekämpfung und produzierte im Konzentrationslager Auschwitz-Monowitz das Giftgas Zyklon-B für die Gaskammern. Nach Angaben des Historikers Manfred Pohl sei die Sterblichkeitsrate enorm hoch gewesen: in den Jahren zwischen 1943 und 1945 starben mindestens 25.000 Zwangsarbeiter.

Hauptgesellschafter der Degesch waren die Degussa und die frühere IG-Farben-Industrie mit jeweils 42.5% Stammkapital. Degussa ließ im Jahre 1997 die Unternehmensgeschichte vom Historiker Peter Hayes aufarbeiten.

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ThyssenKrupp, Duisburger Hütte, Foto: dpa

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Thyssen Krupp

Der Stahlproduzent Krupp profitierte vom Aufstieg der Nationalsozialisten und ihrer Rüstungspolitik. Die Krupp-Werke in Essen wurden als "Waffenschmiede des Deutschen Reiches" bezeichnet und im Jahr 1937 wurde Firmenchef Gustav Krupp zum Wehrwirtschaftsminister ernannt. Während des Zweiten Weltkriegs setzte Krupp neben den regulären Arbeitern rund 100.000 Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge ein.

Der Historiker Lothar Gall arbeitete die Geschichte des Unternehmens mit seinem Buch "Krupp im 20. Jahrhundert" auf: Krupp habe sich im Dritten Reich "nach anfänglichem Zögern voll den Interessen des Staates und damit auch dessen neuen Krieges" untergeordnet.

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Karstadt, Foto: dpa

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Karstadt-Quelle

Die Wertheims waren Eigentümer eines der größten deutschen Warenhauskonzerne und wurden von den Nationalsozialisten enteignet, der Karstadt-Konzern übernahm die Grundstücke.

2005 verurteilte das Berliner Verwaltungsgericht die Karstadt-Quelle AG zu einer Entschädigung: Diese musste 88 Millionen Euro an die Erben der jüdischen Kaufhausdynastie Wertheim zahlen. Im Rechtsstreit ging es um 40 Grundstücke in Ostdeutschland und Berlin, die Schätzungen zufolge bis zu 500 Millionen Euro wert sind.

Foto: dpa

© sueddeutsche.de
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