Bezahlen in Echtzeit Bank-Überweisungen, so schnell wie E-Mails

Bei manchen Überweisungen dauert es mehrere Tage, bis diese beim Empfänger angekommen ist. Doch das soll sich bald grundlegend ändern. Illustration: Stefan Dimitrov

  • Die EZB und mehrere Großbanken wollen schon im kommenden Jahr deutlich schnellere Überweisungen ermöglichen.
  • Für die Banken macht das teure Investitionen nötig, denn ihre IT-Systeme sind stark veraltet. Am Ende könnte es sich dennoch lohnen.
Von Nils Wischmeyer

Bis der Betrag einer Überweisung beim Empfänger ankommt, dauert es noch immer eine gefühlte Ewigkeit. In einer Zeit, in der E-Mails in Sekundenschnelle verschickt werden, wirken die Zahlungsmechanismen der Banken, als wären sie aus der Zeit gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) will das ändern. Seit knapp zwei Jahren bereitet das Euro Retail Payments Board, eine Untergruppe der Europäischen Zentralbank, in enger Abstimmung mit großen europäischen Bankhäusern wie der Deutschen Bank und der Commerzbank, einen Coup vor: Instant Payment - Bezahlen in Echtzeit.

Die neue Methode könnte die Art, wie Menschen in Europa bezahlen und Geld überweisen, revolutionieren. Eine Zahlung, ob an der Kasse beim Einkaufen, im Online-Handel oder bei der Online-Überweisung wird damit extrem beschleunigt. Zehn Sekunden soll es dauern, bis das Geld auf dem Konto des Empfängers ist. Der neue Service soll 24 Stunden, 365 Tage im Jahr verfügbar sein. In diesem November wird der European Payment Council (EPC), eine Einrichtung der Kreditinstitute, die Standards festgelegen. Ein Jahr später, im November 2017, soll Instant Payment europaweit starten. Das immerhin ist die Vision der Europäischen Zentralbank.

Sie erhofft sich, dass nach der Einführung des Sepa-Verfahrens mit Instant Payment nun der europäische Zahlungsverkehr weiter vereinheitlicht wird. Zudem hegt die EZB die Hoffnung, dass die neue Bezahlmethode Schecks und Bargeld ablöst. Ähnliches hört man von den Banken. Gerhard Bystricky, Chef der Produktentwicklung im Zahlungsbereich bei Unicredit, sagt: "Langfristig wird Instant Payment das 'new normal' werden und einen Anteil vom Bargeld als Zahlungsmittel substituieren." Den Banken käme das ganz recht. Umso weniger Bargeld der Kunde hat, umso mehr Geld liegt auf der Bank und wäre verfügbar für die Geldhäuser.

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Bis es so weit ist, müssen die Banken umbauen. Denn bisher sammeln sie die Überweisungen und schicken sie gebündelt mehrfach oder einmal am Tag an eine dafür vorgesehene Software. Diese verrechnet alle Überweisungen am Ende des Tages. Der Empfänger erhält das Geld deswegen oft erst am nächsten Morgen. Mit Instant Payment wird die Überweisung in Echtzeit verschickt, von der Bank des Empfängers geprüft, bestätigt und dem Kunden gutgeschrieben. Zeitaufwand: zehn Sekunden.

Dafür benötigen die Banken untereinander eine Infrastruktur, sie wird gerade von mehreren Anbietern gleichzeitig entwickelt. Welche sich schlussendlich durchsetzen wird, ist noch unklar. Klar ist aber, dass sie - so die EZB-Vorgabe - miteinander funktionieren müssen. Am Ende entsteht so eine paneuropäische Infrastruktur, die allen Banken und Finanzdienstleister zur Verfügung steht. Finanziert werden die Systeme von Banken. Kosten: ein einstelliger Millionenbetrag. Und damit wohl der kleinste Teil der Investitionen.