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Bahnchef Rüdiger Grube:Die Deutsche Bahn - ein "sympathisches Unternehmen"?

Jedes große Unternehmen habe Baustellen. Statt über die Vergangenheit zu lamentieren, sehe er es vielmehr als seine Aufgabe, die Probleme für die Zukunft zu lösen. Er wisse, dass er dabei unter strenger Beobachtung stehe, und zwar nicht nur von den Kunden, sondern auch von den Mitarbeitern. Wenige Tage vor seinem Amtsantritt vor zweieinhalb Jahren, da sei er noch einmal Bahn gefahren, erzählte Grube. Eigentlich wollte er inkognito reisen, doch eine Frau im Reisezentrum habe ihn erkannt - und ihm klargemacht, was die Mitarbeiter sich von ihm wünschten: dass er hoffentlich nicht auch "nur so ein Schnacker" sei wie seine Vorgänger.

Fuehrungstreffen Wirtschaft der 'Sueddeutschen Zeitung'.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Rüdiger Grube, im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.

(Foto: dapd)

Ob er diesem Wunsch gerecht wird, muss sich noch zeigen. Momentan jedenfalls ist die Bahn noch weit davon entfernt, das "sympathische Unternehmen" zu sein, zu dem Grube es machen will.

Vor allem in Stuttgart finden sich viele, die das Unternehmen regelrecht hassen, weil es mitten in der Stadt für Milliarden Euro einen unterirdischen Bahnhof bauen will. Am 27. November stimmen die Baden-Württemberger über Stuttgart 21 ab. Grube zeigte sich zuversichtlich, dass die Bahn danach den Bau fortsetzen könne. Zum einen bezweifelte er schon, dass überhaupt das Quorum von 2,5 Millionen Stimmen zustande komme, das erforderlich ist, damit die Volksabstimmung rechtliche Wirkung hat.

Vor allem aber glaubt Grube, der selbst mit seiner Familie in Stuttgart lebt, die Schwaben ein wenig einschätzen zu können. "Wenn der Baden-Württemberger die Wahl hat, ob er 930 Millionen Euro für den modernsten Bahnhof der Welt bezahlt oder 1,5 Milliarden Schadensersatz für nichts, dann kann ich mir denken, wie er sich entscheidet."