bedeckt München 22°

Bahnchef Rüdiger Grube:"Nein, die Deutsche Bahn ist nicht winterfest"

Das Image der Deutschen Bahn ist schlecht - wegen mangelhaft ausgestatteter Züge, Großbaustellen oder Stuttgart 21. Konzernchef Rüdiger Grube im Gespäch mit der Süddeutschen Zeitung über den Winter, Loyalität und die Sparsamkeit der Schwaben.

Am Donnerstagvormittag war Rüdiger Grube noch mit Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bei einer Ausbildungsstätte, und gleich muss der 60-Jährige wieder los zu einer Pressekonferenz anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von Carsharing - doch zwischen den beiden Terminen nahm der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn sich Zeit für ein Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung, genauer gesagt, für ein Kreuzverhör. Denn mit dem Chef eines derart polarisierenden Konzerns plaudert man nicht nur. Dafür hat die Bahn zu viele Baustellen, kleine, mittelgroße - und im Südwesten der Republik auch eine ganz gewaltig große.

SZ-Führungstreffen Wirtschaft 2011 Wie winterfest sind Sie? Video
Bahnchef Rüdiger Grube

Wie winterfest sind Sie?

Im Winter beschweren sich besonders viele Kunden über die Bahn. Ist das Unternehmen für die nächsten Monate gewappnet? Bahnchef Rüdiger Grube antwortet auf diese Frage.

Um die Kernbotschaft gleich vorwegzunehmen: "Nein, die Deutsche Bahn ist nicht winterfest", räumt Grube unumwunden ein. Noch immer gebe es zu wenige Züge, noch immer sei auch die Infrastruktur anfällig. Doch die Bahn habe ihr Möglichstes getan, um sich auf diesen Winter gut vorzubereiten.

So sei beispielsweise die Anzahl der Abtauanlagen deutlich aufgestockt worden, weil es sich im vergangenen Winter als massives Problem herausgestellt hatte, dass vereiste Züge die Routineuntersuchungen erheblich verlängert haben. Auch seien sehr viel mehr Weichen mit Heizungen ausgestattet und die Anzahl der Mitarbeiter, die Schnee räumen, von 8000 auf 16 000 verdoppelt worden. Dennoch, betonte Grube, könne er nicht garantieren, dass immer alles glatt laufe."Es gibt manche Probleme, die können wir nicht über Nacht abstellen."

Da wäre vor allem der Mangel an Zügen. Im Fernverkehr etwa sind neue ICE-Züge längst bestellt, doch die Lieferung verzögert sich. Gleiches gilt für mehr als 100 Regionalzüge, auf die die Bahn seit langem wartet. "Ich will da gar nichts schönreden", sagt Grube, "an vielen Dingen sind wir selbst schuld. Dass Züge aber zu spät oder mit Mängeln geliefert werden, sind Probleme, für die wir überhaupt nichts können." Und bei diesen Worten wird der sonst so freundliche Bahn-Chef tatsächlich einmal laut.

Aus den Erfahrungen der Vergangenheit, beispielsweise mit mangelhaften Achsen bei ICE-Zügen, habe der Konzern gelernt. Er nehme keine Züge mehr ab, die nicht vollständig erprobt seien und dem entsprächen, was vertraglich vereinbart war. "Schließlich haben wir Züge bestellt und keine grünen Bananen, die auf der Schiene reifen."

Den von Kritikern oft geäußerten Vorwurf, sein Vorgänger, Hartmut Mehdorn, habe den Konzern kaputtgespart, wollte Grube so nicht stehen lassen. "Man macht es sich zu leicht, wenn man alles auf seinen Vorgänger schiebt", sagte der Konzernchef. "Das ist eine Illoyalität, die es so bei mir nicht geben wird."