Gehalt:Auszubildende verdienen extrem unterschiedlich

Nicht nur Blumenverkäufer: Floristen sind kreative Handwerker

Besonders gering ist der Verdienst im ersten Lehrjahr bei denen, die Floristen werden wollen.

(Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)
  • Auszubildende im ersten Lehrjahr können in Deutschland je nach Beruf mal 325, mal aber auch 1037 Euro verdienen.
  • Besonders viel Gehalt erhalten Auszubildende in der Metall- und Elektroindustrie, besonders wenig hingegen Azubis im Bäcker- und Friseurhandwerk sowie Floristen.

Von Henrike Roßbach, Berlin

Noch gut eine Woche, dann beginnt das neue Ausbildungsjahr. Viele junge Menschen starten am 1. August in das, was Ältere gerne mal den "Ernst des Lebens" nennen. Wie sehr selbiger durch den ersten Gehaltseingang auf dem eigenen Konto versüßt wird, unterscheidet sich je nach Ausbildungsberuf allerdings gewaltig. Darauf weist das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in einer aktuellen Auswertung hin.

Das Institut hat die Ausbildungsvergütungen in 20 Tarifbranchen ausgewertet. Die Spannbreite reicht von 325 Euro im Friseurhandwerk in Brandenburg im ersten Ausbildungsjahr bis 1580 Euro im westdeutschen Bauhauptgewerbe im vierten Ausbildungsjahr. Zur Gruppe mit den höchsten Ausbildungsvergütungen im ersten Lehrjahr, zwischen 900 bis gut 1000 Euro, gehören unter anderem Banken und Versicherungen, der öffentliche Dienst, die chemische Industrie, die Druckindustrie und die Deutsche Bahn. Branchenspitzenreiter ist die Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg: Wer dort eine Lehre beginnt, verdient derzeit 1037 Euro im Monat.

Die Mindestausbildungsvergütung wird kommen

Vergleichsweise klein ist dagegen die Gruppe mit Ausbildungsvergütungen von weniger als 600 Euro. Das Bäcker- und das Friseurhandwerk gehören dazu, Floristen ebenfalls. Letztere verdienen im ersten Lehrjahr im Osten nur etwa 400 Euro. Im Westen allerdings sind es 604 Euro, was die zum Teil großen regionalen Unterschiede in Deutschland verdeutlicht. Im Kfz-Handwerk beispielsweise verdienen Azubis in Baden-Württemberg im ersten Jahr 819 Euro, in Thüringen nur 650 Euro.

Interessant ist der Blick auf die Gehaltsunterschiede für Lehrlinge auch deshalb, weil es hierzulande vom kommenden Jahr an eine Mindestausbildungsvergütung geben wird. Das hatten Union und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart; Mitte Mai stimmte das Kabinett dann dem entsprechenden Entwurf von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) zu. Der Azubi-Mindestlohn soll 2020 zunächst bei 515 Euro im ersten Lehrjahr liegen und danach Jahr für Jahr schrittweise ansteigen bis auf 620 Euro im Jahr 2023. Es gibt allerdings Ausnahmen, etwa wenn ein Tarifvertrag eine niedrigere Entlohnung von Lehrlingen festlegt.

Während aktuell nur wenige Tarifverträge Azubi-Vergütungen unterhalb der künftig geltenden Mindestvergütung vorsehen, dürften nach Einschätzung des WSI vor allem Azubis in nicht-tarifgebundenden Betrieben von der neuen Entgeltuntergrenze profitieren. Viele nicht-tarifgebundene Unternehmen bezahlten ihre Auszubildenden immer noch deutlich schlechter, sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs Thorsten Schulten. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung haben Jugendliche derzeit die Wahl zwischen 326 anerkannten Ausbildungsberufen.

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