Policen:Warum sich ein Wechsel der Autoversicherung lohnt

Policen: Treue Autofahrer haben bei ihren Policen oft das Nachsehen. Mit einem Wechsel können sie Geld sparen.

Treue Autofahrer haben bei ihren Policen oft das Nachsehen. Mit einem Wechsel können sie Geld sparen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Bis zum 30. November können viele Autofahrer ihre Police kündigen. Vor allem treue Kunden, die schon lange bei ihrem Anbieter sind, können so Geld sparen.

Von Kaja Adchayan, Christian Bellmann und Friederike Krieger, Baden-Baden/Köln

Eins ist sicher: Wer sich in den kommenden fünf Wochen nicht um seine Autoversicherung kümmert, verschenkt fast immer Geld. Denn leider gilt in der Autoversicherung wie in vielen anderen Versicherungssparten: Wer seiner Gesellschaft lange treu bleibt, wird abgezockt. Denn er muss deutlich mehr zahlen als ein Neukunde. Mit den hohen Preisen für die Masse der trägen Bestandskunden finanzieren die Versicherer die Dumping-Angebote für Neukunden.

Wer den Anbieter wechselt, spart deshalb in den allermeisten Fällen Geld. Manchmal sind das nur ein paar Euro, es kann sich aber auch um dreistellige Beträge handeln. Oft reicht es, dem bisherigen Versicherer mitzuteilen, welche Einsparungen bei anderen möglich sind, um eine Preisreduzierung durchzusetzen.

Bis zum 30. November 2021 können die meisten Autobesitzer ihre Police kündigen, um dann ab Januar zu einem günstigeren Anbieter zu gehen. Für junge Menschen und Senioren lohnt sich das Vergleichen besonders, sagt Michael Wortberg, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Sie zahlen aufgrund ihres Alters und des damit verbundenen höheren Versicherungsrisikos in der Regel deutlich mehr als Fahrer mittleren Alters. Bei jungen Leuten kann die Kfz-Versicherung auch schon mal über 1000 Euro kosten.

Auch Senioren zahlen meist mehr. "Menschen, die älter als 70 Jahre sind, sollten sich vergewissern, ob es Beitragssprünge ins Negative gibt", sagt Wortberg. Wenn die Prämien von einem Jahr aufs andere deutlich steigen, sei dies ein Zeichen dafür, dass der Versicherte womöglich in einen "Seniorentarif" überführt wurde. Einen höheren Beitrag zahlen ältere Fahrer eigentlich immer, die Frage ist aber, wie hoch der Altersaufschlag ist. Er variiert sehr stark.

Schadenfreiheitsklasse auf Sohn oder Tochter übertragen

Um Prämienerhöhungen im Alter zu umgehen, können sich Senioren über ihre erwachsenen Kinder absichern, schlägt Wortberg vor. Dabei übertragen sie die eigene Schadenfreiheitsklasse auf den Sohn oder die Tochter. Das ist legal und sorgt dafür, dass deren Beitrag sinkt. Der Versicherungsvertrag des Zweitwagens, den Vater oder Mutter nutzen, läuft dann offiziell über die Kinder, der Elternteil wird als Fahrer aufgeführt.

Eine weitere Option sind Telematik-Tarife: Hierbei wird das Fahrverhalten des Kunden basierend auf gesammelten Fahrdaten aus dem Handy oder einem im Auto verbauten Sensor analysiert und ausgewertet. Je umsichtiger sie oder er fährt, desto höher fällt der Prämienrabatt aus. Bei den meisten Gesellschaften sind das maximal 30 Prozent.

Aus Bequemlichkeit und für den schnellen Überblick greifen Verbraucher gerne auf Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox zurück. Dabei sollte man allerdings beachten: Auf diesen Seiten ist immer nur ein Teil der Anbieter aufgeführt, einen vollen Marktüberblick gibt es nicht.

Viele Anbieter verzichten darauf, sich auf den Portalen listen zu lassen. Die HUK-Coburg, der Marktführer in der deutschen Kfz-Versicherung, und ihr Online-Direktversicherer HUK24 arbeiten nicht mit Check24 zusammen, und auch Cosmos Direkt, der Direktversicherer der Generali, hat sich kürzlich von dem Vergleichsdienst verabschiedet. Hier bleibt nur, die Webseiten dieser Anbieter direkt anzusteuern.

Check24 und Verivox haben in den vergangenen Wochen festgestellt, dass die Preise für Kfz-Versicherungen, die neu abgeschlossen werden, leicht gesunken sind. Einen deutlichen Preisrutsch auf breiter Front wird es zumindest in diesem Jahr aber nicht geben. Die Anbieter haben im vergangenen Jahr wegen der pandemiebedingt stark gesunkenen Schäden zwar Rekordgewinne eingefahren, einen Preiskampf liefern sie sich aber dennoch nicht. Das hat auch damit zu tun, dass die Schäden immer teurer werden, vor allem wegen steigender Ersatzteilpreise und höherer Reparaturlöhne.

Policen speziell für E-Autos

Dass starke Preisausschläge nach unten in diesem Jahr die Ausnahme bleiben, berichtet auch der Rückversicherer E+S Rück. Das Unternehmen versorgt viele deutsche Kfz-Versicherer mit Rückversicherungsschutz und hat daher einen guten Marktüberblick. E+S sieht lediglich die Tendenz, die Neugeschäftstarife auch in dieser Wechselsaison etwas freundlicher zu gestalten. Dafür dürften die Anbieter die Preise bei bestehenden Verträgen weiter erhöhen.

Viele Versicherungsgesellschaften haben inzwischen Policen im Angebot, die auf E-Autos zugeschnitten sind. Dabei verzichten die Anbieter beispielsweise auf einen "Abzug neu für alt" beim Akku, der in der Regel das teuerste Bauteil in einem E-Auto ist. Das bedeutet: Muss bei einer Reparatur der Akku ausgetauscht werden, zahlt der Versicherer die Neuanschaffung eines Akkus und nicht nur den Zeitwert.

Eine Reihe von Anbietern gewährt Besitzern für E-Autos Rabatte, die sich in der Regel zwischen fünf Prozent und 15 Prozent des Beitrags bewegen. Die Versicherer verfahren hier aber unterschiedlich: HUK-Coburg räumt einen Rabatt von zehn Prozent auf die Haftpflicht- und Kaskoprämie ein, allerdings nur für reine E-Autos. Bei der Allianz kann man in vielen Tarifen mit einem reinen E-Auto 20 Prozent sparen, bei Hybrid-Fahrzeugen sind es 10 Prozent. Bei der DEVK sparen Kunden 15 Prozent der Beiträge für die Kfz-Haftpflichtversicherung, Besitzer von Hybrid-Pkw erhalten fünf Prozent Ermäßigung.

Der junge Digitalversicherer Friday, eine Tochter des Schweizer Versicherers Baloise, hat sich bewusst dagegen entschieden. "Wir wollen das Risiko adäquat bepreisen und nicht Gruppen wegen ihrer Antriebsart diskriminieren", sagt Robin Latz, der für das deutsche Geschäft zuständig ist. Es gehe dem Anbieter vielmehr darum, ein Bewusstsein fürs Autofahren zu schaffen. Friday setzt daher auf einen Tarif, bei dem sich der Beitrag vor allem an der Fahrleistung orientiert.

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