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Automobilzulieferer:Schaeffler: "Man schüttelt sich wie ein nasser Pudel"

Hauptversammlung Continental

Georg F. W. Schaeffler und Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann auf der Continental-Hauptversammlung 2016 in Hannover

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Sie zählen zu den reichsten und verschwiegensten Unternehmern Deutschlands. Nun melden sich Georg Schaeffler und seine Mutter zu Wort.

Von Caspar Busse und Uwe Ritzer

Er gilt als reichster Deutscher, doch in der Öffentlichkeit taucht Georg Schaeffler so gut wie nie auf. Seiner Mutter Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und ihm gehören der fränkische Autozulieferer Schaeffler und fast die Hälfte der Aktien an Continental. Zusammen beschäftigen die beiden Konzerne mehr eine Viertelmillion Menschen - und sie sind eine Macht unter den internationalen Autozulieferern.

Jetzt äußert sich der stille Milliardär, der in den USA lebt, aber oft in Deutschland ist, erstmals auch ganz persönlich. "Heute sind wir da, wo wir hin wollten. Der Kampf hat sich gelohnt, es hat nur länger gedauert", sagt Georg Schaeffler der Süddeutschen Zeitung, als er in der Schaeffler-Zentrale in Herzogenaurach empfängt. Der Kampf, damit meint er den riskanten und spektakulären Angriff auf den Konkurrenten Continental, der fast schief ging und Schaeffler in Existenznot brachte. 2009 hatte das Familienunternehmen Schaeffler ein Übernahmeangebot für die deutlich größere und börsennotierte Continental AG aus Hannover abgegeben. Dann kam die Finanzkrise, Schaeffler und Conti stürzten in die Krise.

Doch so laut auch die öffentliche Häme war, Georg Schaeffler und seine Mutter bereuen bis heute nichts. "Wir waren immer von dem Konzept überzeugt, es kam eben nur die Weltwirtschaftskrise dazwischen. Sie hat uns um Jahre zurückgeworfen," so Schaeffler. Auch die massive Kritik an dem aggressiven und riskanten Vorgehen hat die beiden nach eigener Aussage nicht beeindruckt. "Man schüttelt sich wie ein nasser Pudel, und lässt alles hinter sich," sagt Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann.

Dann holt der Sohn tief Luft und erzählt von früher: "Meine Mutter und ich haben schon vor dem Fall Conti gemeinsam viel durchgestanden. Ich spreche vom frühen Unfalltod meines jüngeren Bruders. Wir hatten damals in den 1970er Jahren - ich war elf Jahre alt, - die schlimmste Krise unseres Lebens. Seitdem kann uns nicht mehr viel erschüttern. Erst recht nicht unberechtigte Kritik wie im Fall Conti." Als der Vater 1996 starb, erhielt Georg als einziger Sohn 80 Prozent der Anteile an Schaeffler, seine Mutter 20 Prozent.

Stärker in die Öffentlichkeit treten wollen die beiden auch künftig nicht. "Wir reagieren mit Taten, nicht mit Worten, mit den Erfolgen unseres Unternehmens," sagt Georg Schaeffler. Und seine Mutter fügt an, dass schon ihr Mann eine tiefe Abneigung gegen die Öffentlichkeit hatte. "In diesem Geiste hat er auch mich erzogen und daran habe ich mich gehalten, bis heute," sagt die 74-jährige gebürtige Wienerin, die wegen der Hochzeit mit dem Firmengründer sogar ihr Medizinstudium abgebrochen hatte.

© SZ/jasch
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