Autoindustrie Millionenklage: Zulieferer geht auch gegen Daimler vor

Firmensitz des Automobilzulieferers Prevent in Warmenau bei Wolfsburg.

(Foto: dpa)
  • Die Zulieferfirma Prevent klagt wegen gekündigten Aufträgen auch gegen Daimler.
  • Prevent fordert einen finanziellen Ausgleich - dabei dürfte es um mehrere zehn Millionen Euro gehen.
  • In Braunschweig wird zwischen Prevent und Daimler außer um Geld auch darum gestritten, welches Landgericht zuständig sei.
Von Max Hägler und Klaus Ott

Volkswagen ist nicht der einzige deutsche Autokonzern, der mit der Zulieferer-Gruppe Prevent Ärger hat. Beim Landgericht Braunschweig, wo die beiden Unternehmen streiten, ist nach Informationen der Süddeutschen Zeitung (Montagsausgabe) auch eine Millionen-Klage von Prevent gegen Daimler anhängig. Der Grund für die Klage: Daimler hatte 2013 Aufträge für Prevent gekündigt. Die Zulieferer-Gruppe fordert nun finanziellen Ausgleich. Es dürfte um mehrere zehn Millionen Euro gehen.

Darauf deutet die Bilanz von Prevent für das Jahr 2014 hin. Darin ist von einem weltweit positiven Trend in der Autoindustrie die Rede, der sich allerdings nicht in den Umsatzzahlen von Prevent niedergeschlagen habe. Das liege hauptsächlich an den "im Jahr 2013 gekündigten Aufträgen" der Daimler AG.

Auch Streit um Zuständigkeit

Ein Daimler-Sprecher bestätigte auf SZ-Anfrage, dass man sich in einer juristischen Auseinandersetzung befinde, jedoch weiter in "sehr geringem Umfang" mit der Prevent-Gruppe zusammenarbeite. In Braunschweig wird zwischen Prevent und Daimler außer um Geld auch darum gestritten, welches Landgericht zuständig sei. Das in Braunschweig oder das in Stuttgart, dem Sitz von Daimler.

Die Prevent-Gruppe ist in der Branche als kämpferisch bekannt. Die beiden Prevent-Firmen ES Guss und Car Trim weigern sich derzeit, Getriebegehäuse, beziehungsweise Sitzbezüge an den VW-Konzern zu liefern, da dieser Schadenersatzzahlungen bei einem gestrichenen Auftrag verweigere. Der Lieferstreit führt zum Stillstand in mehreren VW-Werken. Zwar könnte Volkswagen die Teile auch per Gerichtsvollzieher eintreiben. Entsprechende Entscheidungen des Landgerichts Braunschweig liegen vor. In der Konzernzentrale von VW wird nach SZ-Informationen allerdings befürchtet, dass die beiden Zulieferer ihre Ware gar nicht auf dem jeweiligen Fabrikgelände in Deutschland haben und Gerichtsvollzieher dort insofern gar nichts pfänden könnten.

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