Technologie Apples Masche zieht nicht mehr

Apples Flagship Store in Manhattan: die Zahlen zeigen, dass der Konzern zu abhängig ist vom Geschäft mit seinen Smartphones.

(Foto: AFP)

Der Konzern ist immer noch abhängig vom teuren iPhone, doch die Verkäufe schwächeln. In Zukunft muss Apple mehr bieten, um gegen die Konkurrenz bestehen zu können.

Kommentar von Helmut Martin-Jung

Was passiert, wenn ein Bauer vor allem eine spezielle Frucht anbaut? Er ist in hohem Maße davon abhängig, wie sich diese Frucht verkauft. Wenn es ihm aber gelänge, nicht mehr bloß die Frucht zu verkaufen, sagen wir Äpfel, sondern auch Dienstleistungen darum herum und dies am besten in Form von Abonnements, wäre sein Einkommen weniger Schwankungen ausgesetzt. Apfelwein und Obstler für Restaurants der Gegend, Backmischungen für Endkunden, Urlaub auf dem Obstbauernhof: Einige solcher Ideen könnten durchaus zünden.

Der Elektronikkonzern Apple baut keine Äpfel an, aber seine Strategie geht genau in die Richtung, nicht mehr nur auf Äpfel, sondern auch auf Dienstleistungen zu setzen. Und das ist auch richtig so. Denn Apple ist noch immer stark abhängig von seinem wichtigsten Produkt, dem iPhone. Einst als Innovator angetreten, hatte Apple diesen Vorsprung nach wenigen Jahren an die Konkurrenz verloren. Durch gekonntes Marketing - und natürlich auch gute Produkte - konnte das Unternehmen sich als gefühlter Marktführer behaupten, obwohl Samsung viel mehr Smartphones verkaufte.

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Die höchsten Margen kassierte aber Apple, denn Stück für Stück trieb der Konzern die Preise für iPhones nach oben. Schon seit einigen Jahren rühren die Umsatzsteigerungen nicht von höheren Verkäufen, sondern vom Austesten der preislichen Schmerzgrenze her. Nun aber, da ein vierstelliges Euro-Preisschild an einem iPhone nichts Ungewöhnliches mehr ist, scheint diese Grenze erreicht zu sein. Besonders in China, wo ein iPhone jahrelang noch mehr als anderswo als Statussymbol galt, gehen die Verkäufe zurück.

Doch auch im Westen verlieren mehr und mehr Handybesitzer die Lust daran, sich jedes Jahr oder auch nur alle zwei Jahre ein neues Gerät zu holen. Die alten tun es ja in der Regel noch genauso gut. Ein Indiz dafür sind Zahlen zu einem Angebot, die Apple so nicht erwartet hatte. Das Unternehmen hatte den Austausch von Akkus für einige iPhone-Baureihen um 60 Euro günstiger angeboten als üblich (29 statt 89 Euro). Das nutzen erheblich mehr Kunden als angenommen, nämlich elf Millionen statt ein bis zwei Millionen in einem normalen Jahr zum normalen Preis.

Dies zeigt, dass die Strategie richtig ist, sich aus der Abhängigkeit vom iPhone zu befreien. 1,4 Milliarden Geräte mit Apples Betriebssystem iOS sind dem Unternehmen zufolge weltweit in Gebrauch. Anders als Konkurrent Google, der zu wenig tut, um ältere Handys oder Tablets mit Software-Updates zu versorgen, kümmert sich Apple auch um jahrealte iPhones, iPods und iPads. Schließlich ist jedes davon eine potenzielle Fernbedienung für eins der Angebote des Konzerns.

Seit mehreren Jahren wachsen die Umsätze, die Apple mit seinen Dienstleistungen macht. Bis die einmal das Geschäft mit dem iPhone ersetzen können, ist es zwar noch ein weiter Weg: Immer noch knapp 52 Milliarden Dollar Umsatz machte Apple im Weihnachtsquartal mit dem iPhone, knapp elf Milliarden mit Diensten und anderen Produkten. Doch steckt hier noch viel Wachstumspotenzial. Apples Streamingdienst für Musik startete spät, hat aber viele Konkurrenten überholt und ist die klare Nummer zwei hinter Spotify.

Apples Vorteile: viele Nutzer und viel Geld

In diesem Jahr startet nun ein Streamingdienst für Videos. Auch hier ist Apple nicht früh dran, hat aber zwei entscheidende Vorteile: Erstens die 1,4 Milliarden genutzten Geräte und zweitens eine prall gefüllte Kasse. Sie erlaubt es, viel Geld in die Produktion von Filmen und Serien zu stecken oder in die Rechte dafür. Die hohen Investitionen machen zum Beispiel Marktführer Netflix zu schaffen.

Apple ist auch in einem anderem Bereich sehr gut positioniert, dem großes Marktpotenzial bescheinigt wird: Gesundheit. Vor allem in Märkten, in denen sich die Menschen überwiegend privat versichern müssen, könnte Apple Geschäfte machen, etwa durch Kooperationen mit Versicherern. Die Entwicklung, die Apples Uhr genommen hat, weist deutlich in diese Richtung; das jüngste Modell etwa kann ein einfaches EKG erstellen und so vor bestimmten Herzproblemen warnen. Apropos Uhr: Apple ist nach Umsatz inzwischen der größte Hersteller der Welt. Träger können mit ihr kontaktlos bezahlen - auch davon kassiert Apple einen Obolus.

Zwar wird dem Konzern schon lange vorgeworfen, keine echten Ideen mehr zu haben. Doch der Gedanke, das hauseigene Universum zu stärken, birgt viel Potenzial. Nun muss Apple zeigen, ob es dieses Potenzial auch heben kann. Ein möglicher Weg wäre, die oft allzu strenge Beschränkung auf eigene Produkte zu lockern. Anzeichen dafür gibt es: TVs großer Hersteller, auch Samsung, werden sich bald über iPhones mit Inhalten bespielen zu lassen.

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