bedeckt München
vgwortpixel

Altmaier will Solarindustrie fördern:"Die Kernenergie in Deutschland ist Geschichte"

Der neue Umweltminister Peter Altmaier glaubt, dass Deutschland die Energiewende schaffen kann. Doch wie schnell? In der Koalition gibt es Zweifler: FDP-Fraktionschef Brüderle etwa gibt zu bedenken, dass eine Reihe an Gas- und Kohlekraftwerken gebaut werden müssen.

Bundesumweltminister Peter Altmaier will der kriselnden deutschen Solarindustrie helfen: Er wolle die Branche dabei unterstützen, wieder wettbewerbsfähig zu werden und sich am Weltmarkt zu behaupten, sagte der CDU-Politiker der Welt am Sonntag.

Solarenergie

Eine Solaranlage bei Bitterfeld-Wolfen: Deutschland erreicht eine neue Spitzenleistung bei der Sonnenenergie.

(Foto: dpa)

Mit Forderungen der Wirtschaft oder der Politik zu einer Rückkehr zur Kernkraft rechne er nicht. "Es wird kein Zurück geben" sagte er. "Die Kernenergie in Deutschland ist Geschichte." Altmaier will auch die Anstrengungen der Länder bei der Energiewende künftig besser koordinieren. Deswegen wolle er in den kommenden Wochen alle 16 Bundesländer besuchen.

Die Regierung will die Solarförderung um bis zu 30 Prozent kürzen, doch die Länder haben das mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundesrat blockiert. Dadurch ist zu erwarten, dass die Kürzung allerfalls leicht zurückgefahren wird und sich somit der Solarboom fortsetzt. Nun soll bis zum Sommer im Vermittlungsausschuss von Bund und Ländern eine Lösung gefunden werden.

Schwarz-Gelb bezweifelt ökologische Energiewende

In der Regierungskoalition wachsen Zweifel am Gelingen einer ökologischen Energiewende. Das Vorhaben, bis zur Abschaltung der letzten Kernkraftwerke in Deutschland den Anteil der erneuerbaren Energien auf 40 Prozent zu erhöhen, sei ein überaus ehrgeiziges Ziel, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle der Welt am Sonntag. "Wir werden eine ganze Reihe von Gas- und Kohlekraftwerken bauen müssen - möglicherweise mehr, als wir zunächst dachten."

Der frühere Bundeswirtschaftsminister warf den Bundesländern vor, ohne Rücksicht auf Klimaschutz und Liefersicherheit eine autarke Energieversorgung anzustreben. Die Energiewende müsse tatsächlich eine ökologische werden. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte dem Blatt, langfristig seien Wind und Sonne als Energieträger das Ziel. Auf dem Weg dorthin werde es allerdings Etappen geben, auf denen Gas und Kohle Lücken schließen müssen.

Unionsfraktionsvize Michael Fuchs (CDU) sagte der Zeitung, bisher reduziere sich die Energiewende leider darauf, "dass wir die Atomkraftwerke abschalten wollen, aber die Konsequenzen nicht zu Ende gedacht haben". Es könne durchaus sein, "dass das eine oder andere Akw doch länger laufen muss als geplant".

Der E.on-Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning griff die Politik an. "Die Verkündung der Energiewende ist nun ein Jahr her. Und dennoch gibt es bis heute keine verlässliche Planung für dieses politische Projekt", sagte er dem Blatt. "Das muss sich schnellstens ändern. Denn die Energiewende ist der größte Eingriff in die Wertschöpfungskette der deutschen Industrie, den es je gegeben hat."

Grünen-Chef Cem Özdemir sagte: "Das Grundproblem dieser Bundesregierung ist, dass sie nicht an die Energiewende glaubt", kritisiert er in dem Blatt. Ob Altmaier den Umbau der Energieversorgung wirklich vorantreiben könne, werde sich vor allem daran entscheiden, ob er sich gegen die Kohle- und Atomlobby in den eigenen Koalitionsreihen behaupte.