Nach US-Skandal:Allianz baut die Führung um

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Allianz-Vorstandsmitglied Jacqueline Hunt verlässt das Gremium und wird"strategische Beraterin" von Konzernchef Oliver Bäte, bis ihr Vertrag 2022 ausläuft. Nachfolger wird Andreas Wimmer, aktuell Chef der Allianz Lebensversicherung.

Von Herbert Fromme, Köln

Andreas Wimmer macht eine Blitzkarriere. Er steht seit 2020 an der Spitze der Allianz Lebensversicherung Stuttgart - und wird jetzt in den Vorstand der Obergesellschaft Allianz SE berufen. Dort übernimmt er die Verantwortung für die globale Vermögensverwaltung und die Tochter Allianz Life in den USA. Vorgängerin Jacqueline Hunt wird "strategische Beraterin" von Konzernchef Oliver Bäte, bis sie 2022 mit Ablauf ihres Vertrages den Konzern verlässt.

Nachfolgerin Wimmers an der Spitze der Allianz Leben wird zum 1. Januar 2022 Katja de la Viña, derzeit Finanzvorstand der Allianz Deutschland.

Der Ausstieg Hunts aus der direkten Führungsrolle ist offenbar das Ergebnis eines komplexen Verhandlungsprozesses. Denn sie wurde indirekt für eine milliardenschweres Desaster in den USA verantwortlich gemacht, hat sich dagegen aber gewehrt.

In Hunts Verantwortungsbereich fiel bisher neben dem Anlageriesen Pimco auch die Tochter Allianz Global Investors, die von US-Pensionsfonds auf rund sechs Mrd. Dollar Schadenersatz verklagt wird. Sie soll im Börsencrash Anfang 2020 mit ihren Structured Alpha-Fonds fehlerhaft agiert und die eigenen Anlagerichtlinien gebrochen haben. Besonders bedrohlich für die Allianz: Das US-Justizministerium hat Ermittlungen in dem Fall aufgenommen, auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin schaut genau hin.

Aber offenbar ist es der Allianz-Führung nicht gelungen, Hunt als Schuldige an dem Desaster hinzustellen und ihren vorzeitigen Rückzug aus dem Konzern zu erzwingen. Mit der jetzt gefundenen Lösung bleibt sie bis zum Ablauf ihres Vertrages jedenfalls formell im Konzern. Ob sie tatsächlich viel beraten wird, ist eine andere Frage.

Der Aufsichtsrat der Allianz SE hat außerdem Sirma Boshnakova, 49, mit Wirkung zum 1. Januar 2022 zum Mitglied des Vorstands berufen. Sie ist zurzeit Chefin der Tochter Allianz Partners und wird Nachfolgerin von Sergio Balbinot, 63, dessen Vertrag Ende des Jahres ausläuft.

Unterdessen muss sich die Allianz im Streit um Milliardenverluste ihrer Hedgefonds in der Corona-Krise in den USA mindestens zwölf Klagen von Investoren stellen. Eine Richterin im New Yorker Stadtteil Manhattan ließ die Klagen - darunter zwei Sammelklagen - im Volumen von vier Milliarden Dollar zu.

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