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Airbus A400M:Airbus findet Ursache für Absturz des Militärtransporters

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Der Militärtransporter A400M des Flugzeugherstellers Airbus machte schon vor dem Absturz in Sevilla viele Probleme.

(Foto: Charles Pertwee/Bloomberg)
  • Nach SZ-Informationen ist ein Software-Fehler für den Absturz eines Militärtransporters vom Typ Airbus A400M in der Nähe von Sevilla verantwortlich.
  • Ob an Kunden wie die Bundeswehr noch in diesem Jahr weitere Maschine ausgeliefert werden können, hängt von der Unfalluntersuchung ab.
  • Airbus hatte von Anfang an Probleme mit dem Militärtransporter: Mehrkosten, eine verzögerte Auslieferung oder Pannen bei der Einführung.

Der Absturz eines Militärtransporters vom Typ Airbus A400M steht vor der Aufklärung. Nach SZ-Informationen ist ein Software-Fehler dafür verantwortlich, dass die Treibstoffversorgung zeitweise unterbrochen war. Bei dem Unglück in der Nähe von Sevilla waren am 9. Mai vier Airbus-Mitarbeiter ums Leben gekommen.

Airbus hatte am Mittwoch die Betreiber des Flugzeugtypes angewiesen, einmalig vor dem nächsten Flug die sogenannten elektronischen Kontrolleinheiten der Triebwerke zu überprüfen, um festzustellen, ob der Software-Fehler auch bei den bereits ausgelieferten Maschinen aufgetreten sein könnte. Außerdem müssen die Kunden weitere Checks durchführen, wenn sie Triebwerke oder die Kontrolleinheit austauschen. Fast alle Betreiber, darunter auch die aus Deutschland, hatten ihre Flugzeuge zuletzt zur Sicherheit am Boden gelassen, nur Frankreich hatte die Flotte weiter eingesetzt. Auch Airbus hatte die Testflüge fortgesetzt, um ein Zeichen des Vertrauens in die Maschine zu setzen.

In der Endmontage in Sevilla gab es bereits arge Schwierigkeiten

Dass nun relativ schnell die wahrscheinliche Ursache für den Absturz gefunden worden ist, ist für Airbus eine gute Nachricht. Denn damit wird es wahrscheinlicher, dass die Aufarbeitung des Absturzes nicht noch einmal massive Verzögerungen verursacht und das sowieso schon kriselnde Projekt noch weiter belastet.

Die A400M hatte sich in den vergangenen Jahren für den Konzern zu einer schweren Belastung ausgewachsen. Jahrelange Verspätungen sorgten für Milliarden an Zusatzkosten und die Abnehmerländer mussten lange auf die längst überfälligen Maschinen warten. Airbus drohte 2010 sogar damit, das Programm einzustellen, wenn die zusätzlichen Kosten nicht zwischen dem Unternehmen und den Kunden aufgeteilt würden. Ein Kompromiss in letzter Sekunde sorgte dafür, dass die A400M weiter entwickelt wurde. Airbus ist, um überhaupt jemals Geld mit dem Programm verdienen zu können, dringend auf Exportaufträge angewiesen, die über die Bestellungen der Erstkunden, unter anderem Deutschland und Frankreich, hinausgehen. Die erste Maschine wurde Mitte 2013 mit rund vierjähriger Verspätung an die französische Luftwaffe ausgeliefert. Die ist heute mit acht Flugzeugen auch der größte Betreiber.

Fehlerhafte Software führte zum Ausfall von Triebwerken

Die Einführung der Flugzeuge war ebenfalls nicht pannenfrei. Wegen der Probleme hatte Airbus Group-Chef Tom Enders die Programmorganisation für die A400M erst Anfang des Jahres grundlegend verändert und das Management ausgetauscht. Die ärgsten Schwierigkeiten in der Endmontage in Sevilla scheint Airbus mittlerweile in den Griff zu bekommen. Das größte Problem ist es derzeit, die Produktion des Transportflugzeuges hochzufahren und gleichzeitig die zusätzlichen militärischen Flugfähigkeiten, die Airbus den Kunden versprochen hatte, endlich einzuführen. Für die Bundeswehr fliegt derzeit erst eine Maschine. Ob, wie von Airbus versprochen, in diesem Jahr noch weitere Flugzeuge hinzu kommen, hängt wesentlich vom Ausgang der Unfalluntersuchung ab.

Branchenkreisen zufolge wurde bei dem für die Türkei bestimmten Flugzeug eine neue Software eingeführt, die von Beginn an militärische Manöver erlaubt. Dem Vernehmen nach war diese Software fehlerhaft und verursachte bei dem Erstflug der türkischen Maschine den Ausfall mehrerer Triebwerke. Wie viele Triebwerke genau ausgefallen sind und für wie lange, ist offenbar noch immer nicht vollständig geklärt.

Nach Absturz wird gesamte Flotte geprüft

Den Informationen zufolge erlaubt die neue Software militärische Manöver dadurch, dass die sogenannte Trimmung des Flugzeuges verändert, also der Schwerpunkt verlagert wird. Das geschieht unter anderem, indem Treibstoff von einem Tank in den anderen gepumpt wird. Es gibt Hinweise darauf, dass auch dieses Umpumpen nicht funktioniert hat.

Obwohl Airbus die Überprüfungen auch bei den Flugzeugen angeordnet hat, die mit älteren Softwareversionen geflogen sind, ist nicht klar, ob diese überhaupt betroffen sind. Vielmehr gehört es zum Standardverfahren bei Abstürzen dieser Art, dass sicherheitshalber die ganze Flotte gecheckt wird. Airbus hatte am 12. Mai, also nur drei Tage nach dem Absturz, einen Flug mit einem eigenen Testflugzeug durchgeführt. Angeblich hatte auch die werkseigene Maschine noch den alten Software-Standard - und wäre somit unbedenklich gewesen.

© SZ vom 20.05.2015/hgn/kabr
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