Air Berlin Wer von der Insolvenz von Air Berlin profitiert - und wer sie fürchtet

Mit der Insolvenz von Air Berlin wächst die Angst vor einem Lufthansa-Monopol auf wichtigen Routen. Und vor steigenden Flugpreisen in Deutschland.

Von Markus Balser und Jens Flottau, Berlin

Was von Air Berlin nach der Insolvenz bleibt? Selbst Ex-Chef Hartmut Mehdorn, der einst arabische Investoren an Bord holte und die Fluggesellschaft so vorübergehend rettete, hat nur noch wenig Hoffnung. "Die Air-Berlin-Flugzeuge werden überpinselt", ist sich Mehdorn nach der Insolvenz in dieser Woche sicher. Schon in der kommenden Woche könnte sich entscheiden, welche Farben die 144 Air-Berlin-Jets künftig tragen. Als wahrscheinlich gilt, dass 90 zusammen mit Start- und Landerechten an den Lufthansa-Konzern gehen. Sie könnten dann künftig das Logo der Tochter Eurowings tragen.

Besorgt registrieren Kartellbehörden und Konkurrenten, dass sich am deutschen Himmel damit eine ganz neue Machtkonzentration anbahnt. Kartellamtspräsident Andreas Mundt kündigte bereits an, eine solche Übernahme sehr genau anzuschauen. Auch EU-Behörden wollen den Fall prüfen. Dass sie den Übergang von Air Berlin zu Lufthansa komplett verbieten, gilt als unwahrscheinlich. Allerdings haben die Wettbewerbsbehörden die Möglichkeit, Bedingungen zu stellen, die vor einer Genehmigung erfüllt werden müssen. Sie könnten etwa Auflagen für Flugerlaubnisse an begehrten Flughäfen machen.

Ryanair fürchtet Lufthansa-Monopol

Verbraucherschützer warnen bereits vor den Folgen eines schwächeren Wettbewerbs. "Die Lufthansa darf nach der Übernahme kein Monopol auf bestimmte Strecken haben", sagt Ingmar Streese, Geschäftsbereichsleiter Verbraucherpolitik beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). "Ein Monopol wäre schädlich für Verbraucher, denn die Airline könnte dann die Preise diktieren."

Der Billigflieger Ryanair hält genau das für ein mögliches Szenario. Es könne passieren, dass die Lufthansa an den großen Flughäfen wie Berlin, München oder Frankfurt 80 Prozent der Slots kontrollieren werde. "Damit kann Lufthansa Inlandsflüge noch teurer machen", sagte ein Sprecher. Die Bundesregierung lässt allerdings bereits erkennen, dass sie das Geschäft durchwinken will. Man brauche einen deutschen Champion im internationalen Flugverkehr, sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU).

Während die Lufthansa von der Air-Berlin-Pleite profitieren dürfte, sind die Folgen für den Rest der deutschen Luftverkehrsbranche nicht ganz so eindeutig. Besonders dramatisch ist die Lage für die Dortmunder Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW), die Air Berlin erst im Frühjahr 2017 komplett übernommen hat. LGW betreibt für Air Berlin 20 Bombardier-Turboprop-Maschinen auf Regionalstrecken und beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. Die kleine Airline steht zum Verkauf. Jedoch hat Lufthansa bereits signalisiert, dass sie LGW auf keinen Fall übernehmen wird. Auch Easyjet, laut Branchenkreisen ebenfalls an Teilen der Air-Berlin-Flotte interessiert, ist nicht auf Regionalstrecken aktiv.

Condor dürfte sich über das Verschwinden von Air Berlin freuen

Ein Funken Hoffnung könnte für LGW darin bestehen, dass sie eine eigene Lizenz als Fluggesellschaft besitzt sowie Zugang zu Start- und Landezeiten in Düsseldorf und Berlin-Tegel hat, zwei besonders verstopften Flughäfen. Wie der österreichische Air-Berlin-Ableger Niki könnte sie als Plattform für neue Konkurrenten infrage kommen, müsste dabei aber komplett umgebaut werden. Auch Eurowings wurde einst als Regionalgesellschaft gegründet.

Auch für Tuifly, die Ferienfluggesellschaft des Tui-Konzerns, sind die Perspektiven schwieriger: Viele Jahre vermietete Tuifly 14 Boeing 737 zu sehr teuren Bedingungen an Air Berlin und erzielte damit hohe Gewinne. Da Tuifly eigentlich mit Niki zusammengelegt werden sollte, sind die Maschinen nun offiziell für Niki im Einsatz. Laut Konzernchef Carsten Spohr hat Lufthansa zwar Interesse an Niki, aber nur ohne die Tuifly-Jets. Angeblich sollen als Kompromiss einige der Jets für Eurowings fliegen, zu schlechteren Konditionen.

Für die Thomas-Cook-Tochter Condor verschwindet mit Air Berlin dagegen ein besonders lästiger Konkurrent, der aus Condor-Sicht mit Dumpingpreisen den Markt kaputt gemacht hat. Wenn nun ein Teil der Air-Berlin-Überkapazitäten verschwindet, könnte Condor zumindest kurzfristig profitieren. Die Fluggesellschaft durchläuft derzeit selbst ein hartes Sanierungsprogramm mit Stellenabbau.

Angesichts des Insolvenzantrags von Air Berlin spricht sich Verbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) dafür aus, EU-weit alle Fluggesellschaften zu einer Insolvenzabsicherung zu verpflichten. "Weder die Reisenden noch die Steuerzahler dürfen am Ende die Kosten dafür tragen, wenn ihre Fluggesellschaft während einer Reise in die Insolvenz muss." Auch die Vorsitzende des Verbraucherausschusses im Bundestag, Renate Künast (Grüne), forderte, die Bundesregierung solle in der Frage "endlich initiativ werden, damit auf EU-Ebene eine Regelung in Angriff genommen wird". Anders als Reiseveranstalter sind Fluglinien bislang nicht verpflichtet, den Reisepreis gegen Insolvenz abzusichern.

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