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Abwertung des Yuan:China, was soll das?

Die chinesische Regierung hat die Währung dreimal in Folge abgewertet. Warum sie damit den IWF beeindrucken will und welche Folgen der Eingriff hat.

Chinas Zentralbank hat am Dienstag von einer einmaligen Abwertung gesprochen, aber am Mittwoch und Donnerstag erneut den Kurs gesenkt - was steckt dahinter?

Die Zentralbank argumentiert mit Begrifflichkeiten. Sie definiert die Abwertung vom Mittwoch als gebündelte Aktion und damit immer noch als "einmalig". Die Bank hat zudem die Option geschaffen, sich jederzeit von weiteren Abwertungen distanzieren zu können. Das gelingt ihr, indem sie offiziell ankündigte, sich bei der Festlegung des täglichen Mittelkurses künftig an den Erwartungen des freien Marktes orientieren zu wollen. Wenn die schwachen Wirtschaftsdaten der Volksrepublik in den kommenden Tagen den Druck auf den Yuan also weiter erhöhen sollten, müsste die Zentralbank gemäß ihres neuen Credos eine weitere Abwertung zulassen. So könnte sie schließlich auch heimische Exporteure stärken. Denn deren Produkte werden auf dem Weltmarkt attraktiver, je geringer der Yuan notiert.

Auf diese Weise nutzt die Zentralbank die Abwertung auch dazu, um beim Internationalen Währungsfonds (IWF) Werbung zu machen für die Aufnahme des Yuan in den Korb der globalen Reservewährungen. "Schaut her: Wir liberalisieren", lautet die Nachricht. Die Reaktion des IWF fiel tatsächlich positiv aus, weil sie die Maßnahme als weiteren Schritt zu einer frei konvertierbaren chinesischen Währung wertete. Die Frage bleibt, an welchem Punkt Peking den Abwärtstrend stoppen wird, um den Abfluss von weiterem Investitionskapital zu vermeiden.

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Weshalb ist der Yuan nicht frei gehandelt?

Die chinesische Regierung benutzt den Yuan als Instrument der Wirtschaftspolitik. Über den niedrigen Wert der Währung kann ein Land seine Exporte unterstützen, ein hoher Wert macht Importe billiger. Weil der Yuan viele Jahre stark unterbewertet blieb, wurden auch ausländische Investoren in Scharen angelockt - denn die bekamen in China mehr für ihr Geld als anderswo. So wurde etwa der Bau einer Fabrik vergleichsweise günstig.

Ausländische Investitionen haben einen großen Teil zum chinesischen Wachstum der vergangenen Jahrzehnte beigetragen. Eine Weile war der Yuan sogar fest an den US-Dollar gekoppelt. Diese Bewertung steuerte die chinesische Zentralbank über den Einkauf von US-Dollar. Doch in der Vergangenheit hat sie die Erwartungen des Marktes, denen sie sich nun beugen will, häufig ignoriert und antizyklische Mittelkurse festgelegt. Damit konnte sie zu starke Kursschwankungen in beide Richtungen verhindern. Inzwischen gewährt die Zentralbank bei der Festsetzung des Referenzkurses Schwankungen von zwei Prozent im Vergleich zum Vortag.

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