Weltküche:Was ist eigentlich Bento?

Weltküche: Foodtrend aus der Dose: die Bento-Box.

Foodtrend aus der Dose: die Bento-Box.

(Foto: www.monbento.com)
  • Bento ist eine japanische Lunchbox, entstanden im 18. Jahrhundert.
  • Es ist ziemlich genau vorgegeben, was in ein klassisches Bento gehört: Fisch und Fleisch, Pflanzliches aus dem Meer und aus den Bergen, dazu Reis.
  • Der Inhalt soll ein essbares Abbild von Japan sein, "eine visuelle Bestätigung, dass unsere Küsten noch intakt sind und die Berge und Hochebenen unzerstört".

Von Christoph Neidhart, Tokio

Für unterwegs packen wir Europäer ein Sandwich ein - ein Faustbrot, wie es früher so schön hieß. Oder wir schnappen uns einen Hotdog, Hamburger oder Wrap: Fastfood soll vor allem praktisch sein, also in die Hand passen. Die Banane eignet sich deshalb besonders zum Fastfood, sie bringt ihre hygienische Verpackung gleich mit.

In Japan ist der Tourismus älter als bei uns, die Japaner aus den Städten reisten schon im 18. Jahrhundert in Massen, zum Beispiel auf Pilgerfahrten von Edo, wie Tokio damals hieß, nach Kyoto und zum Ise-Schrein, der heiligsten Städte der Shinto-Religion. Primär waren das Vergnügungsfahrten, oder besser Vergnügungsmärsche: Die Massen gingen zu Fuß, nur Adelige ließen sich in Sänften tragen. Damit es auf den Überlandstraßen weniger zu Staus kam, schrieb Japan schon damals den Linksverkehr vor.

Japaner, die sich Vergnügungsreisen leisten konnten, mochten unterwegs nicht auf ein gediegenes Mahl verzichten. Sie ernährten sich nicht von der Hand in den Mund, sondern mit Stäbchen. Ihre Mahlzeiten trugen sie in Lunchboxen mit, den sogenannten Bentos, unterteilten Kästchen mit vielen bunten Häppchen. Es gibt sogar mehrstöckige Bentos, die "jubako".

Bento ist kein Gericht, sondern eine Form der Darreichung. Dennoch ist ziemlich genau vorgegeben, was in ein klassisches Bento gehört: Fisch und Fleisch, Pflanzliches aus dem Meer und aus den Bergen, dazu Reis. Das Bento soll ein essbares Abbild von Japan sein, "eine visuelle Bestätigung, dass unsere Küsten noch intakt sind und die Berge und Hochebenen unzerstört", schrieb Kenji Ekuan, ein 1929 geborener und im vergangenen Jahr verstorbener Industrie-Designer.

Bentos für jede Gelegenheit

Das meiste ist gekocht, serviert wird aber alles kalt. Außerdem muss ein klassisches Bento die Jahreszeit spiegeln, im Frühjahr enthält es Hamaguri-Muscheln, während der Regenzeit Aal, in den heißen Augusttagen rohen Tintenfisch. Und natürlich gibt es regionale Spezialitäten. Seit es in Japan Eisenbahnen gibt, existieren auch Eki-Ben, wörtlich Stations-Bentos, die an den Bahnhöfen verkauft werden.

Es gibt außerdem Theater-Bentos, Bentos für Hochzeiten und das Neujahrsfest. Bei Tagungen bekommen die Teilnehmer oft Bentos. Für die Veranstalter ist das praktisch, sie brauchen keine Küche vor Ort und es muß nichts heißes serviert werden. Japans Supermärkte und 24-Stunden-Läden verkaufen inzwischen auch Fusion-Bentos, "Spaghetti-Bento" etwa oder "Hamburger-Bento".

Das häufigste Bento ist freilich das Schulbento. Millionen japanische Mütter stehen täglich vor dem Morgengrauen auf, um ihren Kindern elaborierte Bentos zu kreieren. Sie dekorieren sie mit einem Hello-Kitty- oder einem Baseball-Bildchen. Dabei stehen sie unter hohem Konkurrenzdruck. Jeder in einer Klasse weiß, welche Mutter die besten Bentos macht. Und welche die lausigsten.

Vom Fastfood zum Edelessen

Zahlreiche Gerichte, die heute zur japanischen Edelküche gehören, sind als Fastfood entstanden. Oder im Falle von Sushi als Faustfood. Mit der Reiselust der Japaner hat das nur wenig zu tun. Viele Schnellgerichte wurden im 17. und 18. Jahrhundert als billige Imbisse für Wanderarbeiter entwickelt - junge Männer aus der Provinz, die zum Aufbau der Hauptstadt nach Edo kamen, wenig Geld verdienten und keine Gelegenheit zu kochen hatten.

Das Bento aber wurde für die reichen Japaner entwickelt, die einst nicht einsehen wollten, warum sie, wenn sie unterwegs sind, nicht genau so gut und abwechslungsreich essen sollten wie zuhause oder im Restaurant.

© Sz.de/feko
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