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Paris Fashion Week:Flattern, schwingen, blähen

Mut zum Volumen

Flattern, schwingen, blähen: Textil in Bewegung ist vielen Männern nicht geheuer, jedenfalls kann man ihr Unbehagen schon beobachten, wenn sie nur mal für ein paar Augenblicke die Sommerstola ihrer Begleiterin halten sollen. Für das kommende Frühjahr müssten sie sich aber an Anhängsel und etwas mehr Volumen gewöhnen. Viele Designer in Paris zeigten wehende Schöße oder Capes (Valentino, JW Anderson) und allerlei Baumelndes: Fransentaschen und lange Bindegürtel bei Jil Sander, Schärpen mit Farbverlauf bei Dior. Pluderige Mäntel mit Tunnelzug in kalkigen Farben bleiben Trend, ein Zitat aus den zur Zeit viel geliebten Neunzigern. Aber anders als die unförmigen Polyester-Hänger von damals sind die Stoffe heute matt, ultraleicht - und in manchen Fällen sogar aus recycelten Pflanzenfasern. Da fühlt sich der aufgebauschte Auftritt doch gleich viel besser an.

Durch die Blume

Men's Fashion Week in Paris

Virgil Abloh flocht für Louis Vuitton Blumenkränze.

(Foto: Charles Platiau/Reuters)

In Paris war viel von Männermode einer neuen Ära die Rede, aber unter solchen nebulösen Begriffen stellt sich jeder etwas anderes vor. Olivier Rousteing pries bei Balmain das hedonistische Lebensgefühl à la Achtzigerjahre. Célines Hedi Slimane fand die Inspiration für eine andere Maskulinität tief in den Siebzigern, mit knabenhaft schmal geschnittenen Sakkos zu weit aufgeknöpften Hemden. Dries van Noten setzte auf Leo-Prints, Valentino auf Korallenketten und exotische Muster - alles eher "unmännliche" Zutaten von Damenkollektionen. Am überzeugendsten gelang es Virgil Abloh, das Bild eines neuen Typus auf den Laufsteg zu bringen. In der Vorstellung des Amerikaners, seit einem Jahr Kreativchef von Louis Vuitton und vom Erfolg verwöhnt wie ein Sonnenkönig, ist dieser Mann ein Blumenjunge, der in sanfte Farben und Stoffe gehüllt die Geschlechtergrenzen hinter sich lässt. Statt mit Goldkette und klobigen Tretern den Macker zu geben, setzt er mit bestickten und geblümten Outfits lieber auf Sinnlichkeit. Hellgelb, Himmelblau und zartes Grau, weich fallende Schnitte: Das Symbol der Kollektion war ein Model mit Harnisch aus Blüten. Der ebenfalls sehr sanfte Schauspieler Timothée Chalamet hatte vor ein paar Monaten mit dem Accessoire einen wahren Hype ausgelöst, hier folgte nun die Botanik-Variante. Wem das alles irgendwie zu blümerant klingt: Die Kollektion von Abloh war nicht einfach feminin. Sondern klug, durchdacht und auf sehr souveräne Weise elegant.

Tradition in Tintenblau

Dass auch klassische Eleganz an der Seine ihren Platz hatte, dafür sorgte natürlich Dior. Das liegt in den Genen des Hauses, und seit der Brite Kim Jones die Kollektionen verantwortet, hat er klargemacht, dass er es mit dem Erbe ernst meint. Seine Vorliebe für raue Streetwear hat Jones von den ersten Dior-Entwürfen an virtuos in akkurat geschnittenes "Tailoring" und kleidsame Farben umgewandelt. Prompt wurde eine allgemeine Umkehr in der Männermode proklamiert, was natürlich übertrieben ist. Aber es gab in Paris auch diesmal wieder mehr Anzüge oder ihre Versatzstücke zu sehen als früher, bei Heron Preston zum Beispiel, Undercover oder Off White. Der Meister bleibt trotzdem bis auf Weiteres Kim Jones - diesmal mit viel Weiß, perfekt geschnittenen Zweiteilern und Plissee-Stickereien in Tintenblau und Hellorange. Eine große Uhr am Eingang des eleganten "Institut du Monde Arabe" sollte seine Verbeugung vor der Vergangenheit und Christian Dior symbolisieren. Abgelaufen ist die Zeit von Kim Jones so bald nicht.

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