Paris Fashion Week Herrlich aufgebauscht

Außer durch seine Sneaker fiel Berluti durch knallige Anzüge auf.

(Foto: Victor Virgile/Getty)

Männermode ist das neue Goldene Kalb der Branche: Bei den Pariser Schauen gab es spektakuläre Locations, viel Volumen, edle Blüten - und natürlich neue Turnschuhe.

Von Anne Goebel

Besitzt die Mode noch die alte Magie, oder versinkt alles im Mittelmaß? Krisenszenarien kursieren vor jeder Fashion-Week-Runde: Die Menschen wollen nur noch bequeme Kleidung. Im Digitalzeitalter werden reale Schauen so überflüssig wie Saison-Kollektionen. Mit Karl Lagerfelds Tod ist die hohe Kleiderkunst als Ganzes erloschen. Ist es wirklich so schlimm? In Paris war bei der Männer-Modewoche von solchem Zaudern nichts zu spüren. Ein gut gefüllter Kalender wie lange nicht, virtuose Hommagen an den neuen Mann: Die wichtigsten Eindrücke von den Schauen für Frühjahr/Sommer 2020.

Kulissenzauber

Mode für Männer gilt als das neue Goldene Kalb der Branche: Ein lange zweitrangiges Segment, dessen Wachstum die großen Marken seit einigen Saisons frohlocken lässt. Vor allem in Asien steigt die Nachfrage nach luxuriösen Modellen. Und die maskuline Kundschaft will genauso gehätschelt werden wie die Damenwelt - mit pompösen Events. Clare Waight Keller, seit dem Entwurf von Meghan Markles Brautkleid ein Star der Szene, stellte für Givenchy vor zwei Wochen ihre erste Männerkollektion mit großem Tamtam in Florenz vor - Patriziervilla, Orangenbäume, was man eben so kredenzt für das geneigte Publikum. In Paris hat sich dann Louis Vuitton nicht lange mit der Suche nach einem passenden Gebäude aufgehalten, sondern gleich einen ganzen Platz einkassiert. Kreativchef Virgil Abloh ließ die Place Dauphine abriegeln und schuf zwischen Bäumen und Bänken ein kulissenhaftes Mini-Paris mit Bistrotischen, Crêpes-Wagen und Luftballonstand - natürlich alles mit LV-Aufdruck, bis zur Papierserviette. Bei Dior war eine kalkweiße Nachbildung des Arbeitszimmers von Christian Dior aufgebaut, Vetements lud gewohnt ironisch in eine McDonald's-Filiale. Das beste Händchen bei der Terminwahl hatte Balmain: Das Label legte seine Show auf den 21. Juni, an dem das alljährliche Pariser Freiluftfestival Fête de la Musique stattfindet. 1500 Gäste mit Gratis-Ticket bejubelten im Jardin des Plantes die Livebands - und die Kollektion. Synergieeffekt nennen das die Marketingabteilungen.

Der neue Mann - zu diesem Schlagwort hatte in Paris jedes Label seine eigene Idee. Eine Gemeinsamkeit gab es: Sinnlichkeit! Hier ein Entwurf von Dior Homme.

(Foto: Anne-Christine Poujoulat/AFP)

Grüße an die Füße

Die gute Nachricht: Es gibt neue Sneakers aus Paris. Die bessere Nachricht: Es gibt mehr als Sneakers. Nachdem weltweit kein Ende der Vorliebe für bequemes Schuhwerk in Sicht ist, werden natürlich jede Saison frische Modelle nachgeliefert. Off White hatte Entwürfe mit breiter Zunge und doppelter Schnürung im Programm, bei Pierre Hardy gab es kantige Duo-Sohlen in Grün und Tomatenrot. Wer es lieber feminin an den Füßen hat: Das Newcomerlabel Bode steckte Männer in Ballerinas, bei Kim Jones blitzte der seidenbestrumpfte Knöchel durch transparente Dior-Boots. Ausgefallene Loafers aus beschlagenem Wildleder präsentierte Christian Louboutin, der seine erstaunliche Leidenschaft für Trapezturnen gestand - vielleicht gab es deshalb auch ein zirkushaftes Modell ganz aus roten Glitzerkristallen. Der beste Schuh für Männer, die es elegant und trotzdem lässig mögen: Berlutis Hybrid aus klassisch geschnittenem Schnürer und knalligen Kunststoffdetails in Purpur, Königsblau und Pistazie. Das Urteil auf Instagram: "Spectacular" - nicht nur, weil zum Abschluss der Show auch Gigi Hadid ein Modell an den schmalen Füßen trug.