Nachhaltigkeit Die Kunden wollen und zahlen mehr

Und auf die Kopfhaut konzentrieren sich auch die neuen, grünen, sehr angesagten Haarpflegelinien. Beispielsweise "Luxury Hair Care" von Elizabeta Zefi, einer Münchner Friseurin, die ihre Produkte gemeinsam mit Stefanie Wirnshofer, Inhaberin einer PR-Agentur, entwickelte.

Auslöser war, dass Wirnshofer während ihrer Schwangerschaft von den vielen Warnungen verunsichert war: Bloß keine Sulfate, Parabene oder Silikone im Shampoo! Doch wie aufmerksam sie die Beipackzettel auch studierte, es blieb die Unsicherheit. Die beiden Frauen produzierten lieber ihre eigene Haarpflegelinie, die natürlicher und schonender sein sollte als herkömmliche Produkte.

Nachhaltig leben

Nachhaltig soll es sein, umweltfreundlich, tierfreundlich, schadstofffrei und unverpackt. Wie das im Alltag gelingt, erfahren Sie in unserer Nachhaltigkeits-Serie.

Die Zefi-Linie, die neben verschiedenen Shampoos und Conditionern auch Haarsprays und Kuren umfasst, entwickelt sich gerade zum Überraschungserfolg für die kleine Firma. Als Insidertipp unter Beauty-Redakteuren wird das "Detox Serum" und das "Hair Growth Shampoo" gehandelt, das anscheinend sogar das Haarwachstum anregt. Da es die Kopfhaut nicht versiegelt, sondern durch Zugabe von Kräutern sogar stimuliert, soll das Haar im Gegensatz zu den gängigen eineinhalb Zentimetern im Monat um ganze fünf Zentimeter wachsen.

Das macht die Produkte trotz stolzer Preise (Serum 72 Euro, Shampoo 35 Euro) heiß begehrt. Tatsächlich fühlt sich das Haar nach der Wäsche voller an - das Shampoo schäumt angenehm, duftet fein nach Pfefferminze, und sogar die Spender sind hübsch geraten. Keine Spur von Öko-Muff.

Dass Zefi, Wirnshofer und ihrem Chemiker bei der Firmengründung natürliche Alternativen zu Mineralöl zur Verfügung standen, war einfach gutes Timing: Inzwischen können die Öle durch milde Substanzen aus Aminosäuren, Zucker- oder Kokostensiden ersetzt werden, die biologisch abbaubar sind.

Genau davon profitieren auch die drei deutschen Gründer von "Brooklyn Soap Co." - einer natürlichen Pflegelinie speziell für Männer, die sämtliche Inhaltsstoffe aus Deutschland bezieht. Auch ihre Haar- und Bartlinie ist auffällig schön anzusehen - schlichtes weißes Etikett auf braunen Apothekerflaschen. "Naturkosmetik, die heute überzeugen will, muss hip aussehen, gut wirken und gut riechen. Und zwar nicht nach Kräutercocktail, sondern angenehm pflegend", sagt Elfriede Dambacher.

Grüne Haarproduktlinien wie Rahua, John Masters Organics oder Green People tragen dem ebenfalls Rechnung. Die bereits etablierten schicken Naturlabels wie Aveda, Davines und Origins hatten von Anfang an auf ein neues Image gesetzt. Aber auch altbekannte Naturmarken, die bisher nur in Biomärkten zu haben waren, haben ihr Verpackungsdesign in den vergangenen Jahren erneuert.

Ein notwendiger Prozess, denn die Erwartung der Konsumenten hat sich völlig geändert. "Früher durfte eine Naturcreme noch fettig sein. In den Achtzigerjahren ging es darum, die Welt zu retten. Egal, was aus der Tube kam", sagt Dambacher. "Heute erwartet ein Konsument von einem Naturkosmetikprodukt, dass es hundertprozentig funktioniert, genauso wirkt wie andere und dabei den Zusatznutzen Natur hat. Es soll weder einen selbst noch den Planeten belasten. Das ist ein sehr hoher Anspruch."

Daher lesen sich die Ingredienzien von natürlichen Shampoos auch wie ein Leitfaden zu einem Kräutergarten. Extrakte aus der Blüte Quillaja sollen Juckreiz mildern und Schuppenflechte lindern. Hafer stärkt langes Haar ("Hafer Aufbau-Kur" von Weleda, etwa zehn Euro), Extrakte aus der Guarana-Pflanze regen angeblich die Durchblutung an ("Natural Aktiv Shampoo" von Speick, etwa sechs Euro), während Neembaumblätter entzündungshemmend wirken sollen (Dr. Hauschka, etwa 18 Euro).

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Ein ruhiges Gewissen gibt es bei diesen Produkten sozusagen inklusive, und das ist besonders jungen Menschen zwischen 15 und 35 Jahren wichtig. Je komplexer die Welt wird, desto mehr konzentrieren sie sich auf ethisch korrekten Konsum. Kein Wunder also, dass auch große Kosmetikkonzerne wie Henkel oder L'Oréal mittlerweile versuchen, grüner zu werden. Ein gutes Gewissen ist zwar eine feine Sache. Umso besser, wenn es auch ein gutes Geschäft ist.