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Mode:Nicht jedes Label, das jetzt Fransen an seine Taschen klebt, will eine Botschaft senden

Abgesehen von Tommy Hilfiger natürlich, der aus Elmira im Bundesstaat New York stammt, und bei seiner "Tommyland"-Show vergangenen Februar das Sternenbanner bis auf die Badeanzüge hisste. Hilfiger macht aber quasi seit Beginn seiner Karriere immer irgendwie Americana, der läuft also außer Konkurrenz.

Aber nicht jedes Label, das jetzt ein paar Fransen an die Handtasche klebt, dürfte ein politisches Statement senden wollen, und nicht jeder, der sich ein Bandana umbindet, will für sich automatisch die Frage klären, in welcher Verfassung sich dieses Land gerade befindet. Das italienische Label Dsquared2 beispielsweise, das auch in seiner Kollektion für nächsten Herbst noch voll nach Westen blickt, bringt man eher nicht mit verkopfter Mode zusammen. Dior fühlt sich zwar gerade dem Feminismus verpflichtet, zeigte vergangenen Mai die Resort Collection aber vor allem deshalb in den Bergen von Calabasas, Kalifornien, weil, nun ja, die Location lange gebucht war, bevor die neue Chefdesignerin Maria Grazia Chiuri bei der Marke anheuerte. Und wenn es einen schon in die amerikanische Wildnis verschlägt, dann entwirft man halt Gaucho-Hüte und modernen Quäkerstyle mit einem Wink in Richtung "Unsere kleine Farm". Manchmal liegen die Dinge in der Mode ganz einfach.

Es gibt aber noch eine andere Erklärung für die Häufung uramerikanischer Ästhetik: Die Russen sind Schuld. Und die Briten auch ein bisschen. Der in Moskau lebende Designer Gosha Rubchinskiy löste vor ein paar Saisons einen Hype um kyrillische Schriftzeichen auf T-Shirts aus, seine Mode für die Post-Soviet-Generation spielt mit dem Soviet-Look seiner Kindheit, seine Kooperation mit Adidas ist die perfekte Motto-Garderobe für die WM dieses Sommers.

Nicht zufällig sorgt genau dieser Designer auch dafür, dass Burberry zurück zu seinen britischen Wurzeln findet. Plötzlich ist das Karo-Muster wieder cool, halb Instagram posiert im beigefarbenen Trench. Heißt: In einer zunehmend globalen Welt, die sich zunehmend austauschbar kleidet, nimmt die Beschäftigung mit nationalen Identitäten und lokalen Besonderheiten unwillkürlich zu. Das viel diskutierte Label Vetements entwarf für vergangenen Herbst gleich eine ganze Kollektion, die nur aus Stereotypen bestand. Und davon haben die USA, als einflussreichste Massenkultur, nun mal jede Menge zu bieten.

Der typische Deutsche war bei besagter Vetements-Präsentation übrigens ein "Turnschuh mit Socken zur kurzen Hose"-Träger mit Bürstenschnitt und Regencape. Aber so schlimm kann die innenpolitische Krise um Groko-Gezeter und Merkel-Bashing hierzulande gar nicht werden, dass das ernsthaft noch mal zum Trend avanciert.

Barbara Becker Zurück zu den Wurzeln
SZ-Magazin

Vorgeknöpft: die Modekolumne

Zurück zu den Wurzeln

Barbara Becker hat ihre DNA analysieren lassen und ihre aktuelle Home-Kollektion darauf abgestimmt. Das Ergebnis sind ziemlich platte Länder-Klischees - die viel über die Modewelt verraten.