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Met-Gala in New York:"Auch Kleidung hat einen künstlerischen Wert"

2018 Met Gala

Für ihren Auftritt auf der Met-Gala legen sich Schauspielerinnen wie Blake Lively (2018) optisch ordentlich ins Zeug.

(Foto: Hector Retamal/AFP)

Die Spendengala des Metropolitan Museum of Art an diesem Montag ist ein gesellschaftliches Großereignis. Chef Max Hollein erklärt, warum pompöse Roben kein Kitsch sind und der US-Präsident keine Einladung bekommen hat.

Die "Met-Gala" in New York ist eines der wichtigsten Society-Events in den Vereinigten Staaten. Die Benefizveranstaltung findet seit 1948 statt, das eingenommene Geld geht an die Mode-Abteilung des Metropolitan Museum of Art. Anna Wintour, Chefredakteurin der Vogue, lädt hier bekannte Models, Designer und Stars auf den roten Teppich - und wer nicht auf der Gästeliste steht, der zahlt pro Ticket schnell mal 30 000 Dollar und pro Tisch: 275 000 Dollar. Ein Gespräch mit dem gebürtigen Österreicher Max Hollein, der seit einem halben Jahr Direktor des Kunstmuseums ist.

SZ: Herr Hollein, Anna Wintour sagte kürzlich, Donald Trump könne tun, was er wolle - er werde es niemals auf die Gästeliste der Met-Gala schaffen. Geht das mit der Linie des Museums konform?

Max Hollein: Die Einladung zur Gala ist kein politisches Manifest. Aber die Zusammensetzung der Gala und wer sich für das Museum engagiert, spiegelt natürlich eine Beziehung und Bedeutung für das Museum, die New Yorker Gesellschaft und die Modewelt wider.

Met Gala in New York

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Und worum genau geht es bei dieser Gala?

Einerseits ist die Met-Gala das größte Fundraising-Event des Museums, da werden an einem Abend weit über zehn Millionen Dollar Spenden für das Museum eingenommen, und die Gala ist gleichzeitig die Eröffnung der jährlichen Frühjahrsausstellung. Andererseits geht es bei diesem Event ganz einfach um das Feiern an sich. Denn auch das ist New York.

Wie haben Sie die Stadt wahrgenommen, als Sie 1995 dorthin gezogen sind?

Als ich für meinen allerersten Job nach New York gekommen bin, habe ich schon einen Unterschied zu Europa gespürt. Das war damals am Guggenheim Museum, wo ich als sehr junger, gerade fertiger Student angeheuert wurde und in der Hierarchie des Museums rasch aufgestiegen bin. Es war vermutlich eine typisch amerikanische Erfahrung: Egal, welches Alter oder welche Nationalität man hat - solange einem das Vertrauen geschenkt wird, dass man etwas Besonderes leisten kann, und Energie und Intelligenz mitbringt, kann man alles erreichen.

Ihr Vater Hans Hollein war ein österreichischer Architekt. Wie sehr hat Sie der familiäre Hintergrund geprägt?

Ich bin in einer kulturell sehr interessierten Familie aufgewachsen, in einem Umfeld, das von Architektur und Kunst bestimmt war - das war natürlich prägend. Ohne dass ich es anfangs geschätzt oder unbedingt so gewollt hätte, ehrlich gesagt. Aber ab einem gewissen Moment muss man dazu eine Haltung einnehmen: Entweder man lehnt seine familiäre Prägung ab, oder man merkt, dass man sich selbst in diesem Umfeld neu entwickeln möchte. Letzteres war bei mir der Fall.

Fühlen Sie sich Ihren Wiener Wurzeln noch verbunden?

Wien ist noch immer unsere Heimatstadt, sowohl für meine Frau als auch für mich. Selbst für unsere Kinder, obwohl sie gar nicht dort geboren sind. Das Schöne an Wien ist, dass vieles sehr stabil ist, sich kaum etwas ändert. Es gibt noch immer dieselben Lokale, die wir schon als Schüler und Studenten besucht haben.

Sie leben mit Ihren drei Kindern und Ihrer Frau Nina, einer Modemacherin, in New York. Werden Sie bei der Gala von ihr eingekleidet?

Na ja, Männer haben es immer einfach, Männern genügt ein Smoking.

Max Hollein

Max Hollein, 49, leitete bis 2016 die Frankfurter Schirn-Kunsthalle sowie das Städel-Museum, danach das Fine Arts Museum in San Francisco. Seit August 2018 ist Hollein Leiter des New Yorker Metropolitan Museum of Art. Foto: dpa

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Sie arbeitet oft mit Stoffen, die eigentlich als Geschirrtücher verwendet werden.

Meine Frau wird bei der Gala ein von ihr selbst entworfenes Kleid tragen, aber es ist ein beeindruckendes Design aus verschiedenen Stoffen, insbesondere auch Tüll und eine gewagte Kombination der Farben und Formen. Wir tauschen uns viel über unsere Arbeit aus, ich habe die Modewelt über sie kennen gelernt. Und sie ist sicher der kreative Part von uns beiden.

Die pompösen Outfits der Stars: Ist das Kunst oder Kitsch?

Kitsch ist das keinesfalls. Mode ist seit ewigen Zeiten eine wichtige kulturelle Ausdrucksform. Und ich denke, sie kann - je nachdem, von wem sie gemacht ist - auch große Kunst sein. Das ist natürlich der Grund, warum das Metropolitan Museum of Art seit Jahrzehnten eine bedeutende Sammlung für Mode hat, als Teil eines enzyklopädischen Museums.

Im Gegensatz zur Bildenden Kunst spielt bei Kleidung aber schon auch der praktische Nutzen eine Rolle.

Die Kunstgeschichte ist geprägt von Kunstwerken mit praktischem Nutzen. Ein Beispiel: Unsere ägyptische Abteilung ist voll von Objekten, die irgendwie nützlich sind, etwa ein Sarkophag. Auch Kleidung hat einen künstlerischen Wert.

Ist Mode auch politisch?

Mode kann immer politisch sein, und zwar in dem Sinne, dass über Mode individuelle und gesellschaftliche Befindlichkeiten ausgedrückt werden. Etwa bei der Punk-Generation, da ging es auch um eine Gesamthaltung zur Welt.

Im vergangenen Jahr setzte sich Rihanna für ihr Outfit eine päpstliche Mitra auf den Kopf und erzürnte so religiöse Konservative, die ihr "cultural appropriation", also die Aneignung von fremden Kultursymbolen, vorwarfen. Darf man anderen Kulturen modisch nicht zu nahe treten?

Also ich würde "cultural appropriation" nicht unbedingt als Vorwurf sehen: Kunst im Allgemeinen hat oft und sehr viel mit Aneignung zu tun. Künstler und Kunstwerke sind nicht nur interessante Seismografen von neuen Entwicklungen, in der Regel sind sie auch ein Amalgam von verschiedenen Einflüssen und Eindrücken. Und dass dann bestimmte Codes übernommen werden - ob die nun religiös sind oder einen anderen Hintergrund haben -, ist ein durchaus künstlerischer Prozess. Das findet sich bei Andy Warhol, bei Joseph Beuys, und überhaupt in der gesamten Kunstgeschichte.

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