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High-Waist-Jeans:Auf Horrorhöhe

Franziska Nellessen posing on the street outside of the Maryam Nassir show during New York Fashion W

Viel höher kann der Bund nicht mehr rutschen.

(Foto: Runway Manhattan/imago)

Sie drückt. Sie knittert. Man sieht darin aus wie ein Riesenhintern auf zwei Beinen. Warum tragen Frauen eigentlich High-Waist-Jeans?

Kürzlich ging ich los, um mir in der Münchner Innenstadt eine Jeans mit tiefem Bund zu kaufen. Da man Jeans mit tiefem Bund seit ein paar Jahren nicht mehr trägt, war ich darauf vorbereitet, dass es etwas dauern könnte. Ich plante eine Stunde ein.

Es kam dann aber anders als in den Nullerjahren, wenn man keine Skinny Jeans erwerben wollte, oder Mitte der Zehnerjahre, wenn die Jeans kein Bein mit Schlag haben sollte. Auch da konnte es ein Weilchen dauern, aber früher oder später fand man sie. Diesmal fand ich nichts. In der vierten Jeansabteilung, die den hohen Bund in fünfhundert Versionen führte, ging ich zu einer Verkäuferin: "Habt ihr auch Jeans mit tiefem Bund?" Sie sah mich so ungläubig an, als hätte ich nach einem Reifrock verlangt. "Sie meinen Low Waist? Nee, haben wir nicht."

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Natürlich habe ich die Jeans am Ende doch gefunden, im dunkelsten und muffigsten Hinterzimmer des Internets. Pepe, Modell "Piccadilly", Boot Cut, 99 Euro plus Versand, von Otto. Wirklich gute Hose.

"How high can high-waisted pants go", wie hoch kann der Hosenbund noch rutschen? So war gerade eine Geschichte im Magazin New Yorker überschrieben. Die Autorin gab sich als High-Waist-Jüngerin zu erkennen - wenn es nach Rachel Syme ginge, stieße der Bund an den Busen. Sie schrieb, dass der hohe Bund der Freund aller Frauen sei, weil er den Hintern und die Hüften nicht verberge, sondern sie vielmehr hervorhebe und also feiere. Sie schrieb, dass High-Waist-Jeans unglaublich bequem seien. Sie fühle sich darin geborgen, beschützt, irgendwie ganz fest umarmt. Es sei für sie die einzig annehmbare Hosensilhouette, "eine Form, die den Körper liebkost und stützt, als halte sie meine inneren Organe an ihrem Platz".

Ich war in jedem einzelnen Punkt anderer Meinung. Es ist zweifellos richtig, dass die High-Waist-Jeans den Hintern feiert - allerdings in dem Sinn, dass man (Pardon!) als Riesenarsch auf zwei Beinen durchs Leben balanciert. Die einzigen Frauen, die damit durchkommen, haben keinen Rubens-Körper, sondern sind quasi hinternlos, steckerldünn, mit Knabenhüften sowie grotesk langen Beinen ausgestattet, weil der hohe Bund leider auch optisch staucht. Der Effekt ist desaströs. Ich schwöre, es gibt auf dieser Welt keinen einzigen Mann, der die High-Waist-Jeans schön findet.

Dass die Hose bequem sein soll, ist ein ganz schlechter Witz. Weil sie nicht auf der Hüfte sitzt, sondern überm Bauchnabel irgendwie fixiert werden muss, ist es nahezu unmöglich, sie ohne Gürtel zu tragen. Es kann dem Denim noch so viel Elastan beigemischt sein: Dies fühlt sich an, als schnüre einem ein Strick in den Händen eines erbarmungslosen Folterers ganz langsam die Luft ab. Hinzu kommt das Knitterproblem. Möglich, dass die High-Waist-Hose im Spiegel der Jeansabteilung noch einigermaßen passabel aussah. Nach einer Stunde Schreibtischarbeit aber trägt man eine Ziehharmonika überm Unterleib. Und diese Falten, da kann man bügeln, wie man will, gehen niemals wieder raus.

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