bedeckt München
vgwortpixel

Designermöbel für Haustiere:Samt für die Pfoten

Manche Hundebesitzer mögen es luxuriös - und kaufen ein teures Hundebett, wie das "Mija" von Wowbow.

(Foto: Wowbow London)

Ob stilvolle Toilette statt Katzenklo oder Hundebett für 2000 Euro - das Geschäft mit ambitioniertem Heimtier-Design brummt. Den Haustieren sind die Vorzüger exklusiver Möbel allerdings herzlich egal. Eine Marktanalyse.

In der Mitte der loungehaften Sitzlandschaft flackert ein Feuer im offenen Kamin. Das Dach lässt sich auf Knopfdruck öffnen, der Blick in den Sternenhimmel ist grandios. Marty hat sich große Mühe gegeben, um seine Bleibe cocooningmäßig durchzustylen. Man könnte sich das Ganze als Homestory in Architectural Digest vorstellen. Abgesehen davon, dass Marty jetzt nicht so der typische AD-Bauherr ist - sondern ein entflohenes Zebra.

Das neue Zebra-Zuhause ist eine Erfindung des Animationsfilms "Madagascar". Darin verschlägt es Marty vom New Yorker Zoo, zusammen mit einem eitlen Löwen, einer hypochondrisch veranlagten Giraffe und einer grandios zickigen Nilpferddame, in die sogenannte Wildnis nach Madagaskar. Und was tut das Zebra? Es macht einen auf Ambiente, Lifestyle, Wohnkultur, Lampions inklusive. Das ist absolut lustig. Allerdings bevorzugen echte Zebras statt einer Lounge dann doch eher die Grassteppe.

"Nicht die Tiere interessieren sich für Design, sondern die Menschen." Das sagt Otto Meyer, 55, Innenarchitekt und Hersteller "designorientierter und langlebiger Tiermöbel". Zusammen mit seiner Frau Christel hat er vor einigen Jahren die Firma "pet-interiors" samt Online-Vertrieb im fränkischen Lichtenfels gegründet. "Auf Anregung von Frau Schmitt." Das war offenbar keine schlechte Idee, denn das Geschäft mit ambitioniertem Heimtier-Design brummt geradezu. Design als Leckerli, die gute Form für Hund und Hamster: Das ist seit einiger Zeit ein Trend.

Frau Schmitt ist übrigens die Katze der Meyers. War, muss man leider sagen, denn sie ist im vorigen Jahr gestorben. Ihrem Bedürfnis nach einem gut gestalteten Schlafplatz, so geht jedenfalls die Firmenlegende, ist die Idee einer Möbelkollektion zu verdanken - erst für Katzen, dann auch für Hunde. "Tierisches Wohlbefinden vereint mit menschlichen Designansprüchen", erklärt Otto Meyer, das sei der Anspruch des Unternehmens.

Kein Leben ohne Design

Die Legende ist wahrscheinlich selbst eine Legende. Denn jeder Tierbesitzer weiß: egal, welches Körbchen man kauft, Hund und Katze suchen sich ihren Schlafplatz immer noch selber aus, und der perfekte Ort ist in ihren Augen leider meistens das weiche Menschen-Sofa. Aber Tierfreunde, die sich sowohl für ihren Vierbeiner als auch für Bauhaus-Design, Neue Sachlichkeit oder die Less-is-more-Formel begeistern, macht es eben glücklicher, wenn das Tiermöbel das gut durchdachte Menschen-Ambiente nicht verhunzt.

Mit Meyers smartem Entwurf "Rondo Stand", einem "Aktions- und Ruhemöbel für Katzen", befindet man sich auf der geschmacklich sicheren Seite. Das gut gearbeitete Möbel besteht aus einem Standfuß aus gebürstetem Edelstahl und einer Filz-Kuschelhöhle. Man kann das Höhlenrund aber natürlich auch in feinem Leder ordern. Dann kostet Rondo Stand 689 Euro. Im Hintergrund ist auf der Meyerschen Homepage passgenau zu Rondo die Liege "LC4" von Corbusier zu sehen - in der beliebten Kuhfell-Variante. Und das Sitzkissen "Bowl" (699 Euro in der XL-Ausgabe für Katzen von Garfield-Format) wird flankiert vom "Egg Chair", einem berühmten Sessel von Arne Jacobsen. Egg Chair, Bowl, Rondo, LC4: Das ist eine wohnliche, sehr ästhetische Überdosis Stilbewusstsein. Wozu ein großer Satz von Loriot passt: "Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos." Ein Leben aber ohne Design ist offenbar unvorstellbar.

Nachdem unsere Kinder schon mit Bauhaus-Mobiliar erfreut werden und mit einer Puppenstube, die von Zaha Hadid entworfen wurde; nachdem sich der Reihenhausgarten als Dauerausstellung für elegante Kugelgrillfronten, Lichtsteine und wetterfeste Plastik-Loungemöbel etablieren konnte; nachdem es Rollatoren gibt, die nicht nur Senioren begeistern, sondern auch die Jury vom Red Dot Award; nachdem also nahezu alle Zielgruppen bereits mit Design versorgt werden - war es nur eine Frage der Zeit, bis die Tierwelt, tendenziell eine designfreie Zone, als Nachfragepotenzial entdeckt wurde. Das gilt zumindest für jenen Teil der Tierwelt, der über ein kaufkräftiges Herrchen oder ein shoppingaffines Frauchen verfügt.