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Tennis:Zverev eckt schon wieder an

Alexander Zverev

Spielt in Nizza: Alexander Zverev.

(Foto: Scott Barbour/dpa)

Erst feierte Alexander Zverev Party, obwohl er sich isolieren wollte. Nun sagt er für Nizza zu, obwohl er für Berlin zurückzog. Der deutsche Tennisspieler irritiert erneut mit einer Volte.

Von Lisa Sonnabend

Erst wenige Tage ist es her, als Alexander Zverev für das Showturnier in Berlin absagte mit der Begründung, er wolle "derzeit nicht an organisierten Events teilnehmen". Ziemlich überrascht waren nun viele Beobachter, als sich am Freitagabend folgende Meldung verbreitete: Der beste deutsche Tennisspieler ist kommende Woche beim Show-Wettkampf in Nizza dabei.

Mit dieser Volte gelang Zverev es mal wieder, für Irritationen zu sorgen - wie zuletzt so häufig. Im Januar hatte es der 23-Jährige in Australien erstmals bis ins Halbfinale eines der vier Grand-Slam-Turniere geschafft, doch wenig später legte das Coronavirus die Tennistour lahm und Zverev fällt seitdem nicht gerade positiv auf.

Im Juni nahm der Weltranglisten-Siebte an der Adria-Tour teil, einer von Novak Djokovic organisierten Veranstaltung, und sorgte wie viele andere Topspieler für Aufregung, weil er sich nicht an Abstandsgebote hielt, sondern in einer Disco Körper an Körper mit anderen Spielern tanzte. Zahlreiche Beteiligte, darunter Djokovic und Grigor Dimitrov, infizierten sich dabei mit dem Coronavirus, die Turnierserie musste abgebrochen werden.

Bei Zverev fiel der Corona-Test negativ aus, über die sozialen Medien kündigte er aber an, sich an seinem Wohnort Monte-Carlo für zwei Wochen freiwillig in Quarantäne zu begeben. Doch daran hielt sich der Tennisspieler nicht. Wenige Tage später tauchte im Internet ein Video auf, das Zverev in einer Strandbar an der Côte d'Azur zeigte: Das weiße Hemd weit geöffnet, wippte er dicht gedrängt zum Takt der Musik. Es hagelte Kritik, die ehemalige Spielerin Chris Evert zeigte sich fassungslos, der australische Profi Nick Kyrgios stichelte auf Instagram: "Wie egoistisch kannst du sein? Das kotzt mich an." Das Image von Zverev nahm weiteren Schaden.

Zverev nennen die Veranstalter den "Löwen"

Nach dem Party-Rückfall äußerte sich der Hamburger nicht, auch der Kritik an der Adria-Tour wich er aus. Für das Turnier in Berlin, das Mitte Juli ausgetragen wurde, sagte er kurz vor Beginn ab. Unangenehmen Fragen konnte ihm somit nicht gestellt werden. Dass Zverev nun am 2. August beim Einladungsturnier in Nizza startet, obwohl er zwei Wochen zuvor noch eine Teilnahme an einem Showturnier ausgeschlossen hatte, wirkt erneut unglücklich.

Sportlich gesehen ist jedoch seine Teilnahme verständlich. Anfang Juli gab Zverev bekannt, dass er von nun an probeweise mit dem ehemaligen spanischen Tennisprofi David Ferrer zusammenarbeitet. Das Event in Berlin wäre für das neue Team zu früh gekommen. Das Turnier in Nizza, nur wenige Kilometer von seinem Wohnort entfernt, bietet nun eine willkommene Testmöglichkeit. Ende August sollen dann, sofern es die Coronavirus-Pandemie erlaubt, in New York die US Open ausgetragen und wieder Weltranglistenpunkte vergeben werden.

Bei dem Schaukampf am Mittelmeer, der in der Akademie von Serena Williams' Trainer Patrick Mouratoglou stattfindet, ist Zverev neben dem Kanadier Felix Auger-Aliassime bereits für das Halbfinale gesetzt, die Gegner der beiden werden ermittelt. Die Veranstalter haben dabei jedem Spieler einen Beinamen verpasst. Der drahtige Auger-Aliassime ist der "Panther", der Serve-and-Volley-Spieler Dustin Brown der "Artist", der exzentrische Benoît Paire der "Rebell". Zverev haben sie den "Löwen" genannt. Wie es dazu kam? Wahrscheinlich wegen seiner Haarmähne - wegen seines zweifelhaften Rufs als Partylöwe in Corona-Zeiten hätte es aber auch gepasst.

© SZ/tbr
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