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WM-Vorbereitung gegen Tschechien:Stürmer und Drängler

John PETERKA, DEB 94 celebrates his goal, happy, laugh, celebration, 3-1 with assist Laurin BRAUN, DEB 12 at the match G; Eishockey

"Richtig drin": John Peterka feiert gegen Tschechien seine beiden ersten Länderspiel-Treffer.

(Foto: ActionPictures/Imago)

Bei den beiden Testspiel-Niederlagen gegen Tschechien macht Debütant John Peterka mit zwei Treffern auf sich aufmerksam. Nach dem Verzicht mehrerer Stammspieler ist der 19-Jährige auch für die WM in Lettland eine Option. Eishockey-Bundestrainer Söderholm rechnet nach einer schwierigen Saison mit weiteren Absagen.

Von Johannes Schnitzler, Nürnberg/München

Was John-Jason Peterka im vergangenen Jahr über sich lesen musste, klang nicht gerade schmeichelhaft. Er sei ein "Drängler", "nervig", auf gut Englisch: "He's a real pain in the ass." In Peterkas Ohren war es eine einzige Lobeshymne. Der Stürmer des EHC Red Bull München gehörte 2020 zur überschaubaren, aber stetig wachsenden Zahl deutscher Eishockey-Talente, die sich Hoffnungen auf einen Platz in der nordamerikanischen Profiliga NHL machen dürfen. Und wer von den Experten so blumig beschrieben wird wie Peterka von einem schwedischen Scouting-Portal, darf noch ein bisschen inniger hoffen. Bei der Draft, der alljährlichen Börse für die Begabtesten, wählten die Buffalo Sabres den 19-Jährigen in der zweiten Runde. Sein Weg in die NHL ist vorgezeichnet.

Seit dem vergangenen Wochenende darf sich Peterka, der am liebsten John oder "J.J." gerufen wird, schon mal als Nationalspieler bezeichnen. In der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Lettland (21. Mai bis 6. Juni) bestritt der Münchner in der vergangenen Woche seine beiden ersten Länderspiele. Und deutete an, warum er neben Tim Stützle, 19, der bereits für die Ottawa Senators in der NHL spielt, und dem Berliner Lukas Reichel, 18, beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) in der Kartei unter dem Buchstaben Z wie Zukunft einsortiert ist. Bei der 4:5 (2:1, 1:1, 1:3)-Niederlage am Samstag in Nürnberg gegen Tschechien erzielte Peterka seinen ersten beiden Treffer im DEB-Trikot und sagte danach bei Magentasport, er fühle sich jetzt "richtig drin". Ob er im WM-Kader von Bundestrainer Toni Söderholm stehen wird, hängt aber auch von anderen ab. Zum Beispiel von denen, die nicht in Lettland dabei sein werden.

Es werden wohl noch mehr Spieler auf die WM verzichten. "Darauf müssen wir uns einstellen", sagt Bundestrainer Söderholm

Neben Verletzten wie Patrick Hager oder David Wolf haben mehrere Stammspieler für das Turnier in Riga bereits abgesagt, darunter die Münchner Daryl Boyle, Yasin Ehliz, Frank Mauer und Yannic Seidenberg, Mitglieder der Silbermannschaft bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang. Begründung: mangelnde geistige Frische. Söderholm rechnet mit weiteren Verzichtserklärungen. Nach der vierten Niederlage im vierten WM-Test sagte der Finne, nach einer belastenden Saison unter Pandemie-Bedingungen hätten "nicht alle die Power", noch eine WM zu spielen. "Darauf müssen wir uns einstellen." Er habe "überhaupt kein Problem damit, wenn ein Spieler uns nicht helfen kann. Dann ist das so", sagte Söderholm, der im vergangenen Herbst selbst mit dem Coronavirus infiziert war. Auch von den gescheiterten DEL-Halbfinalisten Mannheim und Ingolstadt dürften Absagen kommen.

Neben Spielern der beiden Finalisten Berlin und Wolfsburg könnten also die Youngster Peterka, Stützle und Moritz Seider Optionen sein. Stützle wird mit den Ottawa Senators die NHL-Playoffs verpassen und könnte unter Einhaltung des Covid-Protokolls im Lauf der WM-Vorrunde zum Nationalteam stoßen. Ähnliches gilt für Seider, 20, der von seinem NHL-Klub Detroit nach Schweden ausgeliehen wurde und dort mit Rögle in der Finalserie steht. "Der Kampf um die Plätze ist hart", sagte Söderholm vor den beiden letzten WM-Tests am Freitag und Samstag gegen Belarus dem Sport-Informationsdienst. Das Wichtigste sei nun, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Peterka, sagte Söderholm, habe "riesiges Offensivpotenzial", sei "lernfähig und lernwillig". Kurz: Da drängelt sich einer auf.

© SZ
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